Kaum ein Auto ist koreanischer als der Hyundai Grandeur. Die luxuriöse Oberklasselimousine ist seit Jahren das meistverkaufte Auto Südkoreas. Grund genug, mit dem Konkurrenten von BMW 5er oder Mercedes E-Klasse einmal eine Runde zu drehen – natürlich in und um Seoul.
Der große SUV-Wahn ist auf den Straßen der südkoreanischen Millionenmetropole nicht zu beäugen und Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb spielen hier aktuell auch keine große Rolle. Der Südkoreaner liebt Diesel und Benziner, bestenfalls Hybriden und steigt nur allzu gerne in eine standesgemäße Limousine – gerne von einem der Heimspieler Hyundai, Kia oder Genesis gefertigt. Doch auch Oberklasselimousinen aus deutscher Produktion stehen hier hoch im Kurs – abgesehen von China werden nirgends mehr 5er BMW oder Mercedes E-Klasse verkauft. Keine Überraschung daher, dass der allemal mutig gezeichnete Hyundai Grandeuer ein wahrer Bestseller ist – im vergangenen Jahr wurde allein mehr als 113.000 Fahrzeuge unters Volk gebracht.

Das Frontdesign des Grandeur, der auf einigen Märkten unter der Bezeichnung Azera angeboten wird, ist mit tief liegenden LED-Augen im bekannten Hyundai-Familiengesicht unterwegs. Nicht anders sieht es am Heck aus, denn auch hier gibt es ein LED-Band, das alle Blicke auf sich zieht und einen fast übersehen lässt, wie weich die mit einem zusätzlichen Fenster ausgeführte C-/D-Säule nach hinten ausläuft. Tritt der Fahrer ans Fahrzeug heran, fahren die Türgriffe automatisch aus. Den Autoschlüssel kann man sich getrost sparen – das Smartphone in der Hosentasche reicht zum Öffnen und Schließen des Viertürers.

Im Innern wird es edel und mehr als komfortabel. Der Fahrer blickt auf drei große Bildschirme. Hinter dem wuchtigen Lenkrad werden die Fahrzeuganzeigen dargestellt, während der Zentralbildschirm nebenan Funktionen wie Navigation, Komfortmodule und Soundsystem bedient. Unter der durchgehenden Lüftungsleistung gibt es Direkttaster für schnellen Menüzugriff und nach Vorbild des Audi A8 einen zweiten Touchscreen darunter für die Klimatisierung. Deutlich verbessert zeigt sich die Komfort- und Sicherheitsausstattung des Grandeur. So gibt es nicht nur klimatisierte Sitzgelegenheiten vorne wie hinten mit stattlichem Platzangebot, sondern vorne auch eine Massagefunktion und eine besondere Liegeposition. Auf Knopfdruck haben die Insassen durch das serienmäßige Panoramadach nahezu freien Blick in den Himmel und können die hinteren Seitenfenster elektrisch verschatten. So lässt es sich auch im Dauerstau trefflich reisen.

Das Volumenmodell ist ein Grandeur mit eimem 1,6 Liter großer Vierzylinderturbo mit Hybridmodul, der wie bei den anderen Modellen aus dem Hyundai-Konzern 169 kW / 230 PS / 350 Nm leistet. Darüber rangiert ein 2,5 Liter großer Vierzylindersauger (146 kW / 198 PS) und ein imageträchtigere 3,5-Liter-Sechszylinder mit 221 kW / 300 PS / 366 Nm. Für bestimmte Märkte wird eine 240-PS-Version mit Gasantrieb angeboten, die ebenfalls von einem 3,5 Liter großen Sechszylindersauger angetrieben wird. Eine Plug-in-Variante dürfte folgen; eine Elektroversion ist erst einmal nicht geplant. Besonders beliebt ist der Hyundai Grandeur jedoch auch als Hybrid mit einem 1,6 Liter großen Vierzylinder, dessen 132 kW / 180 PS starker Vierzylinder-Verbrennungsmotor von einem Elektromodul unterstützt wird, das versteckt im Getriebetunnel weitere 44 kW / 60 PS und 265 Nm maximales Drehmoment beisteuert. Da der Südkoreaner im Straßenverkehr bevorzugt eine ruhige Kugel schiebt und stattliche Zeiten im Stau steht, ist der Hybride für viele der Kunden genau der richtige Antrieb. Ähnlich wie in China gilt gerade in den Metropolen Fahrzeugklasse und Luxus interessieren weit mehr als der Antrieb.

Im normalen Fahrbetrieb in der Innenstadt ist vom Antrieb kaum etwas zu spüren. Der 1,8 Tonnen schwere Fronttriebler schwimmt lässig im Verkehr mit und schaltet ohne Zutun des Fahrers betont effizienzgetrimmt zwischen Elektromotor und Verbrenner hin und her. Beim Zwischenspurt auf der Autobahnauffahrt sprintet die Oberklasselimousine allemal dynamisch los; der Motorklang des nur 1,6 Liter großen Vierzylinders mag jedoch nicht zu der edlen Fahrzeugklasse passen. Die Lithium-Ionen-Batterie ist unter dem Kofferraumboden verbaut, was das Ladevolumen auf immer noch ordentliche 480 Liter reduziert. Zum betont zurückhaltenden Antrieb des Koreaners passt das Fahrwerk, mit McPherson-Federbeinen vorn und Mehrlenkerachse hinten, die Bodenunebenheiten gerade mit den 19-Zöllern wegschnupft, als wären diese nicht da. Lenkung, Bremse und das durch das Dämmglas angenehm geringe Geräuschniveau – das passt alles zum entspannten Cruiser, dessen edler Innenraum je nach Ausstattungsvariante – Premium, Exclusive, and Calligraphy – mit Nappaleder ausgeschlagen nicht nur im warmen Farbton Indigo-Braun gefällt. Preislich geht es auf dem Heimatmarkt bei rund 37.800.00 Won los – umgerechnet knapp 26.000 Euro. Und selbst im Luxuspaket sind es kaum mehr als 31.000 Euro. Kein Wunder, dass der Grandeur ein Bestseller ist, der wohl auch in Europa eine Chance hätte.
Technische Daten: Hyundai Grandeur 1.6 T GDI Hybrid
- Motor: Vierzylinder-Benzinmotor mit Turboaufladung und Elektromodul
- Hubraum: 1.598 ccm
- Leistung: 169 kW / 230 PS
- Max. Drehmoment: 350 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
- Normverbrauch: 5,5 – 6,4 Liter Super / 100 km / 88 g CO2
- Antrieb: Front
- Getriebe: Sechsstufenautomatik
- Leergewicht: 1.785 kg
- Laderaum: 480 Liter











