Preiswerte Luxusexoten

Avatar-Foto

VonStefan Grundhoff

8. August 2025

Längst vergessene Luxusschlitten

Welcher Autofan hat nicht schon einmal davon geträumt, in einem wahrhaften Luxusmodell zu reisen? Statt des drögen VW Passat, Opel Insignia oder BMW 3er einfach einmal einen Traumwagen wie den VW Phaeton, Lancia Thesis oder Citroen C6 zu besitzen, der weit weniger kostet als gedacht und garantiert mehr als nur einen großen Auftritt bietet.

Große Limousine sind ideale Fahrzeuge für den Alltag auf der Autobahn oder die ganz große Reise. Kein Wunder, dass die Luxuskarossen seit Jahrzehnten Autofans in aller Welt begeistern. Die Neupreise der Luxusmodelle sind gigantisch und kaum weniger beeindruckender als ihr mindestens ebenso stattlicher Wertverlust. Und tatsächlich gibt es eine Luxuswelt auf vier Rädern außerhalb von Mercedes S-Klasse, BMW 7er und Audi A8. Auch bei den Importfirmen gibt oder gab es besonders exklusive Limousinen, die bei Ausstattung und Antrieb nur wenige Wünsche offenlassen. Technisch sind diese zumeist ausgereift, doch angesichts der zahlreichen Komfort- und Sicherheitsausstattungen sowie der leistungsstarken Antriebe sind die Unterhaltskosten nicht allein der Zapfsäule nicht zu unterschätzen.

Citroen C6


Bestes Beispiel für eine unterschätzte Nobellimousine ist der Citroen C6; zugegeben eher der Oberklasse als der Luxusklasse zugehörig. Ja, tatsächlich ist oder besser war Citroen mit seinen großen Modellen zumindest auf dem französischen Heimatmarkt über viele Jahre ein echter Luxushersteller. Der Citroen C6 – zugegeben mit einem polarisierenden Design unterwegs – fährt dabei in den Spuren des legendären Citroen CX25, der in den 1970er und 1980er Jahren Maßstäbe in Sachen Reisekomfort setzte. Den Citroen C6 gab es auch als gepanzerte Version für den Premierminister.


Besonders beliebt war der Citroen C6 mit seinem zunächst 207 und dann 241 PS starken Commonrail-Diesel, der locker 230 km/h schnell läuft und sich im Alltag mit deutlich weniger als acht Litern Diesel zufrieden gibt. Die Luxusausstattung des Citroen C6 Exclusive bietet unter anderem beheizte und elektrische Ledersitze vorne wie hinten, Xenonlicht, Schiebedach und ein Navigationssystem, mit dem man heute kaum noch etwas anfangen kann. Zudem sorgt die Schadstoffeinstufung der Klasse Euro4 dafür, dass es in einigen deutschen Innenstädten eng wird. Preise ab 10.000 Euro.

VW Phaeton


Ferdinand Piech wollte nicht weniger als die beste Luxuslimousine der Welt bauen. Das klappte mit dem VW Phaeton zwar nicht ganz; aber Volkswagen war näher denn je am etablierten Luxus-Triumvirat aus Audi A8, Mercedes S-Klasse und BMW 7er dran. Die Verarbeitung des Phaeton ist bis heute spektakulär – die Komfortausstattung gerade der Versionen mit langem Radstand nicht weniger. In Sachen Elektronik heißt es bei gebrauchten Modellen jedoch aufgepasst. Gut erhaltene Modelle mit einer vollständigen Wartungshistorie aus dem Jahre 2010 / 2012 starten bei rund 12.000 Euro. Ohne ein prall gefülltes Scheckheft sollte man jedoch die Finger vom Phaeton lassen, denn die Unterhaltskosten sind allemal auf dem Luxusniveau der deutschen Konkurrenz.


Das Motorenangebot des VW Phaeton war breit und üppig. Die spektakulärsten Versionen waren den W12-Benziner und der V10-Diesel, dessen 313 PS starker Selbstzünder jedoch nur die Schadstoffklasse drei schafft. In den späten Baujahren gab es nur noch den kaum verbreiteten V8-Benziner (246 kW / 333 PS) und den exzellenten V6-Diesel, dessen Dreilitermotor, 176 kW / 240 PS leistet. Er lässt sich mit deutlich unter zehn Litern bewegen und garantiert soliden Vortrieb. Allradantrieb und Automatikgetriebe ist ebenso serienmäßig wie elektrische Ledersitze und eine Klimaautomatik, die indirekt belüftet. Je nach Ausstattungspaket bieten die Luxusmodelle eine grenzenlose Ausstattungsliste bis hin zum echten Viersitzer mit Einzelsitzanlage – perfekt im 450 PS starken Sechsliter-Zwölfzylinder, der kaum mehr als 20.000 Euro kostet.

Jaguar XJ


Jaguar hat nicht allein wegen seiner Nähe zum britischen Königshaus mit seinem XJ eine bewegte Limousinenhistorie von mehr als 50 Jahren. Bevor Jaguar sich ab 2009 in die Neuzeit verabschiedete und mit seiner finalen Generation des X351 allzu modern wurde, gab es moderne Technik mit Aluminiumkarosse und klassischen Formen. Im Vergleich zur Konkurrenz gab es keine Zwölfzylinder, keinen Allradantrieb und ein geringeres Platzangebot als im Wettbewerb. Exklusive Ledersitze mit Klimatisierung, zahlreichen Verstellmöglichkeiten und der einzigartige Jaguar-Charme lassen ihn früh zu einem Klassiker von morgen werden. Gerade die Kompressormodelle des Jaguar XJR lassen keine Wünsche offen. 


Bei den Antrieben gab es sechs und acht Zylinder, wobei sich nicht allein die Benziner einer Nachfrage erfreuten. Auf vielen Märkten war der 2,7 Liter große Commonrail-Diesel mit 152 kW / 207 PS eine Idealbesetzung. Ungewöhnlich: der Antrieb stammte aus der damaligen PSA-Kooperation und ist der gleiche Motor, der Modelle wie den Citroen C6 oder den Peugeot 607 antrieb. Gute Modelle mit einer soliden Wartungshistorie und Lauleistungen zwischen 120.000 und 180.000 Kilometern kosten kaum mehr als 10.000 Euro. Zum gleichen Preis gibt es jedoch auch die deutlich polarisierende Nachfolgegeneration.

Maserati Quattroporte


Die sportlichste Wahl in der Luxusklasse ist nicht ein AMG-Modell der Mercedes S-Klasse oder der bullige Audi S8, sondern der Maserati Quattroporte. Der ist für viele Fans des Maserati-Dreizacks so begehrt, weil das Design eine zeitlose Eleganz bringt und der Motor aus dem Hause Ferrari stammt. Der 400 PS starke 4,2-Liter-V8 ist ein spektakuläres Sportwagenaggregat mit einzigartigem Klang aus der vierflutigen Anlage. Die Preise starten bei rund 10.000 Euro, wobei die Wartungskosten beinahe so stattlich wie bei einem Ferrari-Sportler sind.


Wer sich für einen Quattroporte entscheidet, der sollte sich in jedem Fall für ein Modell nach der Modellpflege entscheiden. Das hat nicht nur den Grund in einer besseren Bedienung und verbesserter Innenraumkunststoffe, sondern weil das sequentielle Sechsgang-Getriebe Duo Select von einer deutlich besseren Sechsgang-Automatik aus dem Hause ZF ersetzt wurde. Leider ebenso wie beim Jaguar XJ: er in der Nachfolgegeneration ist der Maserati Quattroporte mit einem Allradantrieb zu bekommen. Begehrt: der Quattroporte GTS.

Lancia Thesis


Wenn es zwar italienisch, aber etwas komfortabler als ein Maserati Quattroporte sein soll, dann bliebe da eine Szenelimousine wie der Lancia Thesis. In Sachen Design und Exklusivität ist der 4,89 Meter lange Viertürer ein absolutes Topmodell; leider haperte es bei den Motoren, denn es gab Fünf- und Sechszylinder mit einem vergleichsweise überschaubaren Leistungsspektrum zwischen 125 kW / 170 PS und 169 kW / 230 PS. Wirklich erfolgreich war der Lancia Thesis nie und wurde daher 2009 nach weniger als sieben Jahren wieder eingestellt.


Besonders die Sondereditionen mit ihren exklusiven Lederausstattungen, sowie 17-/18-Zoll-Radsätzen und Holzdetails waren in der Kombination mit dem 2,4 Liter großen Multijet-Diesel (185 PS) begehrt. Heute gibt es nach dem Lancia Thesis, der als gepanzerte Version auch als Staatslimousine in Italien im Einsatz war, kaum eine Nachfrage. Ein echter Exot, der mit guter Wartungshistorie 5.000 Euro zu bekommen. Viele Modelle haben jedoch nur die Einstufung der Schadstoffklasse Euro3 und noch nicht einmal einen Diesel-Partikelfilter.

Kommentar verfassen