IAA 2025 in München

Avatar-Foto

VonStefan Grundhoff

5. September 2025

Eine Messe erfindet sich neu

IAA – die Internationale Automobilausstellung war einst die Weltmesse in Sachen Auto. Doch das ist lange vorbei. Mit ihrem Umzug nach München erfand sich die einstige Leistungsschau der vier Räder in den letzten vier Jahren neu. Das Auto kommt nun zum Menschen – und nicht umgekehrt.

Einst strömten hunderttausende von Besucher auf das Frankfurter Messegelände und drückten sich an Messeständen, Seitenfenstern und vor Motorhauben die Nasen platt. Begeisterte Kinderaugen und Väter mit feuchten Händen auf der Suche nach einem Traumauto – so war es wirklich einmal. Die Autowelt schaute nach Deutschland – zur Frankfurter IAA. Sie fand nur alle zwei Jahre im Herbst statt und war wichtiger als die alternierend stattfindende Veranstaltung in Paris oder die jährliche Frühlingsmesse am Genfer See. Doch Anfang der 2010er Jahre ging es mit der Autoschau in Frankfurt ebenso bergab wie mit den anderen europäischen Messen. Das Interesse sank und das Gewicht der europäischen Fahrzeugmarken ebenfalls. Sie hatten zu den Hochzeiten bei der hessischen Leistungsschau bis zu 100 Millionen Euro ausgegeben, um sich selbst und die deutsche Autoindustrie glorreich und imposant zu feiern. Nachdem viele der europäischen Messen vom Jahreskalender verschwanden, stürzte auch die IAA in Frankfurt ab und so recht wollte sie keiner mehr haben. Städte wie Berlin, Stuttgart und München schüttelten den Kopf, Köln wollte – doch es haperte am Geld und irgendwie wurde die Messe dann doch München zugeschustert – eingedenk, dass kurz nach der IAA an der Isar Massenevents wie das Oktoberfest und die Immobilienmesse Expo Real stattfanden.

Mittlerweile hat man sich in München trotz wenig autogeneigter grün-roter Stadtführung nicht allein mit der Internationalen Automobilausstellung arrangiert, sondern sie zu einem Event der Neuzeit gemacht. Die eigentliche Messe mit Namen IAA Summit ist eine Fachbesuchermesse ohne größere Bedeutung. Der Veranstalter VDA hält daran fest, weil man die Oberhand der Veranstaltung nicht komplett aus der Hand geben will. Das eigentliche Geschehen findet in der Innenstadt statt. Die Autohersteller laden bereits in der Woche vor der IAA nach München ein und enthüllen ihre Neuheiten längst ohne das einstige Messeumfeld. Beste Beispiele sind in diesem Jahr der BMW iX3 und der Mercedes GLC EQ, die als Höhepunkte an der Isar ebenso im Mittelpunkt stehen wie VW mit seinem ID Cross, Porsche mit seinem neuen 911 Turbo S, Opel mit seinem Corsa GSE oder Audi mit seiner elektrischen Neuauflage des TT namens Concept C, der mit einem eigenen Event in Mailand abseits der Messe enthüllt wurde. Auch Hyundai, Cupra, Polestar, Skoda und Renault zeigen die Neuheiten abseits der Messehallen in der Stadt oder dem näheren Umland mit eigenen Veranstaltungen. Stärker denn je in diesem Jahr: die Autohersteller aus China mit Marken wie BYD, Xpeng, GAC oder BAW.

Ein wirklich neues Fahrzeug erstmals auf einer Messe zu präsentieren, ist den Autoherstellern längst zu gefährlich. Die Gefahr, im nicht mehr ganz so turbulenten Messegeschehen unterzugehen ist groß und das will bei den Millioneninvestitionen niemand. So stehen auch in München die Themenwelten von Audi, BMW, Mercedes, Porsche, Opel oder Volkswagen im Vordergrund, die sich in der Innenstadt in einem Kreuz von zwischen Ludwigstraße, Odeonsplatz und Königsplatz aufspannen. Zum Ärgernis der Besucher ist die mit den dutzenden von Erlebniswelten namens Open Space nach Vorgabe des Messeveranstalters VDA zum informellen Messeauftakt am Montag (8. September) ebenso wenig geöffnet wie abends nach 20 Uhr. Hiergegen hatten die Münchner Gastwirte interveniert, die um ihre Umsätze bangten. Das Gegenteil wäre bei dem guten Wetter der letzten beiden Events wohl der Fall.

Bei den ersten beiden IAA-Events in München in den Jahre 2021 und 2023 waren die Open Spaces wahre Volltreffer. Ohne Eintritt bezahlen zu müssen, kamen zehntausende zu den immer aufwendiger werdenden Messebauten, setzen sich in Fahrzeuge, schnupperten an Technologien und ließen die Themen Auto und Mobilität zu einem bunten Straßenfest werden, das selbst Demonstranten nicht verhindern konnten. Ganz billig ist das Vergnügen in der Millionenstadt an der Isar jedoch nicht. Bei aller guter Stimmung und dem erfolgreichen Umstieg von einer toten Automesse zu einem entspannten Cityevent kann die Veranstaltung auch in München nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt werden, da in der Vergangenheit immer wieder Störer versuchten, die Stände zu stürmen und Fahrzeuge zu demolieren. Es sieht so aus, als bliebe die IAA der Stadt München Dank des neuen Konzepts noch ein paar Jahre erhalten. Im Gespräch ist eine Verlängerung um weitere sechs Jahre und bis zu drei Events.

Kommentar verfassen