Maybach-Sammlung der Familie Hofmann

Avatar-Foto

VonStefan Grundhoff

14. September 2025

Noblesse in der Oberpfalz

Neumarkt in der Oberpfalz ist keine Stadt, die man gesehen haben muss. Trotz ihrer abwechlungsreichen Historie als Residenz der Wittelsbacher sind die Sehenswürdigkeiten überschaubar – außer, es steht ein Besuch der Maybach-Ausstellung an. Wer hätte gedacht, dass in der nordbayrischen Provinz die größte Sammlung historischer Luxuslimousinen mit dem Maybach-Logo zu bewundern ist?

Maybach ist eine dieser wenigen Automarken, bei denen nicht nur Autohistorikern das Herz aufgeht und die Augen strahlen. Wer an historische Luxusmodelle denkt, der träumt nicht allein von Duisenberg, Cadillac oder Rolls-Royce, sondern auch von Maybach. Alles schien seinerzeit möglich und aus reinen Fortbewegungsmitteln wurden innerhalb kürzester Zeit wahre Luxuswelten auf Rädern. Vielleicht keine Überraschung, dass Dr. Helmut Hofmann ab die schwäbische Edelmarke sein Herz verlor. Seine Leidenschaft sprang Anfang der 1990er Jahre über auf seine Frau Anna, die die Sammlung im beschaulichen Neumarkt mittlerweile führt. „Ich bin an sich nahezu jeden Tag im Museum. Regelmäßig kommen unsere drei Kinder mit den sechs Enkelkindern vorbei“, sagt Anna Hofmann, „die sollen von den Autos und deren Historie doch auch etwas mitbekommen. Ich selbst bin nahezu jeden Tag im Museum – es gibt es überall etwas zu tun. Aber ist gebe es zu – es wird zunehmend anstrengend.“

Das Ehepaar Hofmann besitzt 25 historische Maybach-Klassiker – angesichts der gerade einmal rund 1.800 produzierten Luxusmodelle aus den Jahre 1921 bis 1941 eine schier unglaubliche Anzahl. Aktuell sollen von den historischen Luxuskarossen – optisch wie technisch in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg das seinerzeit machbare, allenfalls noch 150 Modelle existieren. Das Ehepaar Hofmann hat 25 besonders spektakuläre Modelle in der Neumarkter Privatsammlung ausgestellt. „Wenn man die Geschichte nicht kennt, kann man auch die Gegenwart und die Zukunft nicht verstehen“, sagt Anna Hofmann, „Kulturgut erhalten – das ist das Leitbild des Museums für historische Maybach-Fahrzeuge.“ 

Helmut Hofmann war Mercedes 170 aus dem Jahre 1951 nicht genug. Automobile Freiheit nach dem Studium ja – aber da war mehr. Er liebte und liebt Autos bis heute, verguckte sich in die Nobelmodelle von Maybach – nicht zuletzt wegen ihrer großen technischen Innovationen. Doch Maybach war der Traum, der ihn Ende der 1980er packte – ein Automuseum das war der zweite, das ihn umtrieb. Von einem deutschen Auswanderer kaufte der Arzt in Vancouver seinen ersten Maybach; einen SW 38, mäßig restauriert und nichts komplett original in der damaligen Farbkombination hell- / dunkelblau. „Begehrt waren diese Fahrzeuge damals nicht“, erinnert sich der heute 79jährige Autosammler, der seit mehr als einem halben Jahrhundert mit seiner Frau verheiratet ist. Hofmann verkaufte ihn schnell, verabschiedete sich jedoch nicht von seinem Traum und stieg auf originalere Modelle um. 

Zusammen mit seiner Frau Anna suchte Dr. Helmut Hofmann überall auf der Welt nach Maybach-Modellen – besonders begehrt: Einzelstücke oder Fahrzeuge mit einzigartiger Historie. Angefangen bei dem Maybach SW 38 mit langem Radstand eines Tübinger Professors, der das historische Luxusmodell einst im Alltag bewegte bis zum 1936er-Modell von Bischoff Bornewasser ohne die üblichen Markenlogos. Die Gläubigen sollten nicht erkennen, wie wohlhabend die Kirche war und in welch exklusiver Limousine das Kirchenoberhaupt im Alltag unterwegs war. Bis heute bleibt der 1930er Maybach Zeppelin namens „White Lady“ jedoch das unangefochtene Lieblingsmodell der Hofmann – importiert aus Caracas. Mit dem exklusiven Zwölfzylinder reiste Erstbesitzer Gustav Zingg von 1930 bis 1939 jedes Jahr per Schiffspassage aus Venezuela zunächst in seine alte Heimat nach Hamburg. Von hier aus ging es quer durch Deutschland und die Schweiz, während das Zwillingsfahrzeug in der südamerikanischen Heimat verblieb. Seinen letzten Maybach kaufte die Familie Hofmann erst Anfang dieses Jahres – einen Maybach SW 38/40 von 1940 – eines der letzten produzierten Modelle überhaupt.

Die Hofmann-Kollektion wuchs über 10, 15 und mehr als 20 Fahrzeuge, ehe Helmut Hofmann entschied, dass der eigene Studientraum von einem Museum Realität werden sollte. Als in der 2000er Jahren in Neumarkt die historische Express-Fabrik abgerissen werden sollte, griff er zu. Das Areal der ehemaligen Velociped Fabrik Goldschmidt & Pirzer, in der von 1884 bis 1959 Fahrräder und Mopeds gebaut wurden, baute Hofmann mit eigenen Mitteln aufwendig um und vermietete einen Teil als Gewerbeflächen. Die zentrale 2.500 Quadratmeter große Halle mit Industriecharme wurde 2009 zum ersten offiziellen Maybach-Museum eröffnet. Die mittlerweile 25 Luxusklassiker befinden sich seither in den unterschiedlichsten Zuständen vom Scheunenfund bis zum Concours-Klassiker; umrahmt von Devotionalien und Andenken an Wilhelm und Karl Maybach.

Kommentar verfassen