Omoda 9 PHEV

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VonWolfgang Gomoll

17. September 2025

Powerriegel

Chery will mit seinen Tochtermarken endlich in Deutschland und Europa erfolgreich sein. Das SUV Omoda 9 PHEV bietet mehr als genug Leistung und eine große Reichweite, ohne die typisch chinesischen Stärken im Innenraum zu vernachlässigen.

Ohne LED-Leiste geht heute offenbar nichts mehr. Also tritt auch der Omoda 9 Plug-in-Hybrid mit einem Lichtbalken an der Front auf. Unter dem Radar fliegt man so sicher nicht, aber die Chery-Submarke zielt eher auf ein Hipster-Lifestyle-Publikum mit „Was-lacostet-die-Welt“-Attitüde. Da muss es schon ein selbstbewusster Auftritt sein. Zumal es ohnehin schwer genug ist, sich gegen Konkurrenten wie den VW Tayron eHybrid, den Škoda Kodiaq iV oder den Hyundai Santa Fe PHEV zu behaupten. Trotzdem wirkt der Omoda 9 nicht übertrieben effekthascherisch. Kurz: Uns gefällt das Design, Geschmackssache bleibt es trotzdem.

Das Wohlfühlambiente setzt sich im Inneren fort. Die Macher des Infotainments haben kräftig aus der Audi-Pulle getrunken. Zwei gekrümmte 12,3-Zoll-Displays sitzen unter einer gemeinsamen Glasfläche und werden von einem Head-up-Display mit Augmented Reality ergänzt, das die Hinweise auf 50 Zoll projiziert. Würden die chrombedampften, gerändelten Drehregler für die Klimatisierung beim Einrasten noch deutlich hörbar klicken, wäre die Reise ins Ingolstadt der frühen 2000er-Jahre perfekt.

Auch so gehört das Schöner-Leben-Ambiente mit dem großen Panoramaglasdach zu den Highlights des Omoda-Flaggschiffs. Die Lederflächen sind auf dem Armaturenbrett unterschäumt und die Becherhalter verschwinden unter einer verschiebbaren Abdeckung. Die Sitze vorn wie hinten sind elektrisch verstellbar, beheizt und belüftet. Allerdings könnte das Gestühl mehr Seitenhalt bieten. Zur Ausstattung gehören eine Sony-Anlage mit 14 Lautsprechern, Ambientelicht und eine Dashcam. Das Smartphone liegt in einer induktiven Ladeschale und wird auf Wunsch über Apple CarPlay oder Android Auto ins Infotainment eingebunden.

Bei der Bedienung des Touchscreens erwartet einen die typische chinesische Menüvielfalt, durch die man sich erst einmal durchkämpfen muss. Wer das schon öfters exerziert hat, findet sich auch im Omoda 9 zurecht. Zur Unterstützung gibt es am Lenkrad haptische Tasten. Sie sehen – wie der gesamte Innenraum – zwar gut aus, sind in der Praxis aber schwieriger zu bedienen als klassische Bedienelemente. Blind sind sie schwerer zu ertasten. Fehleingaben passieren leichter, wenn man beim Lenken versehentlich eine Fläche berührt. Zudem ist die haptische Rückmeldung wenig eindeutig – ein klarer Klick wie bei mechanischen Knöpfen fehlt.

Der Antriebsstrang des Omoda 9 setzt sich aus jeweils einem Elektromotor pro Achse mit insgesamt 340 kW / 463 PS und einem 1,5-Liter-Turbo mit 105 kW / 143 PS zusammen. Damit lässt der 2.195 Kilogramm schwere Chinese die Konkurrenz stehen. Nach 4,9 Sekunden erreicht der Omoda 9 die 100-km/h-Marke und läuft bis 180 km/h. Bei der Reichweite schlägt die große Stunde des Plug-in-Hybrids: Kombiniert kommt man bis zu 1.100 Kilometer weit. Das liegt auch am 70-Liter-Tank. Als Durchschnittsverbrauch gibt Omoda 1,7 l/100 km an. Wir kamen bei unserer Testrunde auf 4,9 l/100 km, haben es aber auch zwischendurch mal schneller angehen lassen. Die rein elektrische Reichweite beträgt 145 Kilometer – kein Wunder bei einer Batterie mit 34,46 kWh Bruttokapazität. Die maximale DC-Ladeleistung von 65 Kilowatt füllt die Akkus in 25 Minuten von 30 auf 80 Prozent. Damit ist der Omoda im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich gut dabei.  Umso enttäuschender ist dann der maximale AC-Wert von 6,6 kW. Mindestens 11 kW sollten es schon sein.

Mit sechs Fahrmodi (Eco, Normal, Sport, Schnee, Matsch, Offroad) ist man für alle Eventualitäten gewappnet. Der Allradantrieb verteilt die Kraft variabel je nach Traktion. Langstreckenfahrer, die wenige Boxenstopps zum Nachladen oder Tanken einlegen wollen, wählen den Eco-Modus. Wer jetzt fürchtet, mit gebremstem Schaum unterwegs zu sein und so zur rollenden Wanderdüne zu werden, täuscht sich gewaltig. Selbst in diesem Energie-Spar-Modus ist man ziemlich flott unterwegs. Angenehm: Selbst bei Autobahntempo bleibt das Geräuschniveau im Innenraum niedrig. Das Fahrwerk mit der McPherson-Vorderachse, der Mehrlenker-Hinterachse und den adaptiven Dämpfern ist komfortabel abgestimmt und bügelt Fahrbahnunebenheiten gut weg. In schnellen Kurven neigt sich der Aufbau, die Lenkung wirkt synthetisch und liefert wenig Rückmeldung. Die Längsverstellung der Lenksäule ist gering. Daher dauert es etwas, bis man eine gute Sitzposition findet. Hi

Die Platzverhältnisse sind bei einer Länge von 4,77 Metern und einem Radstand von 2,80 Metern erwartungsgemäß gut. Auch im Fond kann man es sich bei mehr als 1,80 Metern Körpergröße bequem machen. Der Kofferraum fasst 471 Liter. Legt man die Lehnen der Rückbank um, erhöht sich das Volumen auf 1.004 Liter. Das ist am unteren Ende des Segments. Beim Škoda Kodiaq iV sind es 745 Litern bis 1.945 Liter.

Omoda hat bereits angekündigt, dass das SUV nach Deutschland kommt. Wann, darüber schweigt man noch. Diesmal will der chinesische Autobauer nichts überstürzen. Das Angebot ist jedenfalls konkurrenzfähig. In Spanien liegt der Einstiegspreis bei rund 45.000 Euro. Zum Vergleich: der VW Tayron eHybrid hierzulande kostet etwa 54.165 Euro, der Škoda Kodiaq iV PHEV circa 49.220 Euro und der Hyundai Santa Fe PHEV startet bei 64.150 Euro.

Datenblatt Omoda 9 PHEV

  • Typ: SUV
  • Motor: Vierzylinder-Turbo
  • Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 449 (330)
  • Höchstgeschwindigkeit (km/h): 180
  • Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 4,9
  • Getriebe: Automatik
  • Antrieb: Allrad
  • Tank (L): 70 (34,46 kWh)
  • Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 1,7
  • Gewicht, Herstellerangabe (kg): 2.195
  • max. Zuladung (kg): 375
  • Abmessungen (L/B/H): 4.775 / 1.920 / 1.671 (L/B/H)
  • max. Ladevolumen (L): 471 bis 1.004
  • Preis (Euro): ca. 45.000

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