Alpine A 110R

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VonZaid Hamid

30. September 2025

Leichtigkeit statt Rundenzeit

Der Alpine A110R versucht nicht, die großen Namen zu übertrumpfen; er lässt sie einfach links liegen. Wo viele Sportwagenkonkurrenten auf Zahlen und Nürburgring-Prahlerei aus sind, baut dieses Auto auf Gefühl. Er ist leichter, einfacher und zielstrebiger als der Standard-A110 – und das umso besser.

Man spürt den Unterschied schon auf den ersten Metern. Der A110R reagiert willig ohne jede Verzögerung und folgt geradezu spielerisch den Eingaben an Lenkung-Pedalen und Gangwahl, statt diese lieblos zu verarbeiten. Die Lenkung ist leichtgängig und dennoch kommunikativ, die Gasannahme ist knackig, während der flache Franzose auf Torque-Vectoring-Theater oder synthetischen Sound verzichtet, der den Fahrer mehr vernebelt als umschmeichelt. Der Alpine A 110R ist anders, fährt sich anders und wer weiß, wie lange es solche Fahrzeuge noch geben wird?

Der 110er erreicht diese Klarheit auf höchst altmodische Weise: durch die Reduzierung von Masse. Die nachgeschärfte R-Version verdoppelt den Ethos des A110 mit einer Karbonorgien an Rädern, Sitzen, Haube und bietet durchaus diskussionswürdig sogar einer Karbonheckscheibe. Das Leergewicht liegt knapp unter 1.100 Kilogramm; fast 300 Kilogramm weniger als bei einem zugegeben deutlich potenteren Porsche 718 GT4 RS. Die Leistung des kleinen Turbo-Vierzylinders mit seinen gerade einmal 1,8 Litern Hubraum beträgt unverändert 221 kW / 300 PS, doch der Gewichtsverlust verändert das Fahrerlebnis eindrucksvoll. Er ist bei jeder Geschwindigkeit höchst lebendig; nicht nur, wenn man weit im dreistelligen Bereich unterwegs ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 285 km/h dabei ebenso imposant wie das Beschleunigungspotenzial 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden.

Das Ergebnis ist ein Sportwagen, das in High Definition mit seinen Insassen plaudert. Die Frontpartie bist eifrig, das Heck bleibt aufmerksam, aber berechenbar und das gesamte Fahrwerk fühlt sich wie fest mit der Straßenoberfläche verbunden an. Es braucht keine Rennstrecke, um ihn genießen zu können, denn ein Ausflug zum Bäcker kann sich wie eine kleine Sonderprüfung anfühlen. Es ist dieser seltene moderne Sportwagen, bei dem sich weniger tatsächlich wie mehr anfühlt. Er ist nicht fehlerlos, und das macht einen Teil seines Charmes aus. Die Sitzposition ist eigenwillig, die Sicht kann schwierig sein, und das Infotainment verharrt mehr als eine Generation zurück; unterstützt aber immerhin Apple CarPlay. Die Kabine ist überschwemmt mit Sichtkarbon, was die Fokussierung unterstreicht, aber nicht jedermanns Geschmack trifft. Sobald man rollt, spielt das alles keine Rolle mehr, denn der Dialog des A110R übertönt alle Ablenkungen.

Entscheidend ist, dass Alpine nicht versucht hat, den A110R in einen Porsche-Konkurrenten zu verwandeln. Es geht ihm nicht um wilde PS-Bolzerei oder darum, schlagzeilenträchtige Rundenzeiten zu erzielen. Es geht um Gewicht, Balance und Einfachheit – Werte, die in einer Ära konfigurierbarer Dämpfer und immer größerer Reifen still und leise untergegangen sind. Wer GT-Schliff erwartet, verfehlt das Wesentliche; legt man sich ins Zeug, findet man etwas Selteneres: Individualität. Hier herrscht auch ein Gefühl von Belanglosigkeit, das über Geschwindigkeit hinausgeht. Der A110R verleiht alltäglichen Kilometern ein besonderes Gefühl, ohne auf künstliche Dramatik zurückzugreifen. Natürlich ist er schnell, aber seine Magie liegt darin, wie er Sie mit der Oberfläche verbindet, wie er präzise Eingaben belohnt und wie er moderates Tempo in echtes Engagement umwandelt.

Das ist wichtig, denn Autos wie dieses werden selten. Alpine steuert auf eine elektrische Zukunft zu. Strak fokussierte, federleichte Sondermodelle werden wohl kaum Teil davon sein. Der nach geschärfte 110er wirkt wie der Abgesang auf einen Ansatz, der auf Zurückhaltung und Feedback setzt. Sie mag zwar nicht das Datenblatt dominieren, erfüllt aber genau das, worauf es ankommt: dem Fahrer das Gefühl zu geben, Teil der Maschine zu sein. Der A110R ist der überzeugendste Ausdruck der Alpine-Idee. Sie tauscht Überfluss gegen Eleganz, Glanz gegen Souveränität und beweist, dass Leichtigkeit immer noch Herzen erobert. In einem Markt, der von Kennzahlen und Statistiken besessen ist, ist dies das Auto, das Sie daran erinnert, warum Sie sich ursprünglich ins Autofahren verliebt haben. Besonders begehrenswert als Sonderserie des A 110 R 70, der bei stattlichen 120.000 Euro startet.

Technische Daten: Alpine A 110R

  • Motor: Vierzylinder Turbo
  • Hubraum: 1.798 ccm
  • Leistung: 221 kW / 300 PS
  • Max. Drehmonent: 340 Nm ab 2.400 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 285 km/h
  • Antrieb: Hinterrad
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,9 Sekunden
  • Normverbrauch: 6,8 Liter / 100 km / 155 g CO2

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