Audi in der Formel 1

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VonDr. Wolfgang Hoerner

13. November 2025

Audi offenbart Vier-Jahres-Plan: 2030 soll der Formel-1-Titel her

Audi steigt im kommenden Jahr in die Formel 1 ein. Vieles machen die Ingolstädter dabei anders als die Konkurrenz. Das gilt für vor allem für die Motivation und die Erwartungen an Siege.

„Audi tritt an, um zu gewinnen“, stellt Vorstandschef Gernot Döllner klar – ein Satz der austauschbar ist. Kein Hersteller, der in die Formel 1 einsteigt, würde etwas anderes sagen. Und doch meint es Döllner anders. „Ab 2030 wollen wir um die Weltmeisterschaft kämpfen, denn ein Top-Team wird man in der Formel 1 nicht über Nacht“, legt er nach. Eine so lange Anlaufzeit erlaubten sich andere nicht oder bestenfalls nur hinter vorgehaltener Hand. Doch für die Audi-Mannen ist es wie ein Mantra, das so klingt, als wäre es schon übermorgen. Vielleicht schwingt dabei auch die Erinnerung an die eigene Geschichte mit: Überall dort, wo Audi in der Vergangenheit antrat, wurde man über kurz oder lang Meister: im Rallyesport, in der DTM, bei den 24 Stunden von Le Mans und der Sportwagen-Weltmeisterschaft oder bei der Rallye Dakar. Einzig in der US-amerikanischen IMSA-Serie klappte es Ende der 1980er-Jahre trotz vieler Siege nicht ganz.

Fest steht, dass der Einstieg in die Königsklasse reiflich geprüft. Döllner, der bei der Verkündung des Formel-1-Engagements 2022 noch nicht an Bord war, ließ nach Amtsübernahme als CEO das ganze Projekt erst noch einmal prüfen. Denn bei der Formel 1 geht es um viel Geld – Geld, das auch gut an anderer Stelle verwendet werden könnte und das sich in solchen Größenordnungen bewegt, dass man sich bei Fragen nach der Höhe betreten in Stillschweigen hüllt. Allerdings räumt Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger ein: „Dank der Kostenobergrenze ist die Formel 1 heute finanziell berechenbarer denn je.“ Diese Kostendeckelung ist Teil des Formel-1-Reglements und wird streng kontrolliert. Selbst bei geringfügigen Überschreitungen setzte es in der Vergangenheit für die Teams empfindliche Strafen. Die Kehrseite der Medaille: Wessen Auto nicht der ganz große Wurf ist, hat nur noch eingeschränkte Möglichkeiten, es weiterzuentwickeln. 

Das weiß nicht nur Döllner, sondern vor allem kennen das auch jene Leute, die er in sein Team geholt hat – allen voran Ex-Ferrari-Teamchef Mattia Binotto und Ex-Red-Bull-Cheftechniker Jonathan Wheatley. Für Binotto ist „das Audi F1-Projekt ist das spannendste Projekt im Motorsport, wenn nicht sogar im gesamten Sportbereich“. Es vor allem deshalb so spannend, weil der Erwartungsdruck trotz aller Beschwichtigungen hoch ist – die Zahl der Unbekannten ebenfalls. Im kommenden Jahr tritt für alle Teams ein neues technisches Reglement in Kraft, das 1,6-Liter-V6-Motoren mit rund 400 kW Leistung plus elektrischer Power-Unit mit nochmals 350 kW (bislang 120 kW) zulässt. Das ist zwar für alle Teams neu, doch diese können auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Bei Audi gibt es zwar allein für Antrieb 34 Prüfstände und unzählige Simulationssysteme bis hin zu KI, doch bis zu den ersten Tests Ende Januar 2026 keinen fahrenden Rennwagen – das Reglement will es so. „Wir haben keinerlei Vergleichsmöglichkeiten und auch keinen Einblick in den Ferrari-Motor, mit dem Sauber bislang unterwegs ist“, gibt Stephan Dreyer, Cheftechniker der Audi-Formel-1-Abteilung, zu: „Sie erst einmal zu sammeln ist unsere große Aufgabe für 2026.“

Angesichts dieser Unsicherheiten drängt sich die Frage auf, warum sich Audi auf dieses vorab bekannte Wagnis einlässt. Etwas pathetisch gibt sich da Audi-Chef Döllner: „Unser Einstieg in die Formel 1 ist Teil von etwas Größerem. Es ist der nächste Schritt in der Neuaufstellung des Unternehmens mit dem Ziel, unsere Position im globalen Wettbewerb zu stärken.“ Konkreter wird da schon Finanzchef Rittersberger: „Mit der enormen Reichweite der Formel 1 haben wir die Chance, neue Kunden für unsere Marke zu gewinnen – insbesondere in der jüngeren Zielgruppe, denn dort verzeichnet die Formel 1 ein rasantes Wachstum.“ Das ist nicht von der Hand zu weisen. Allein im vergangenen Jahr haben 1,6 Milliarden Menschen weltweit im Fernsehen die Rennen verfolgt. Die meisten Rennen sind ausverkauft und schaffen neue Zuschauerrekorde. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat auch die Netflix-Serie „Drive to survive“, die den Rennzirkus einer deutlich jüngeren Zielgruppe näher bringt. Inzwischen drängen auch Luxusfirmen wie LVMH sowie Consumer-Companies wie Disney und Lego in die Formel 1. 

Bei so viel internationaler Aufmerksamkeit wundert es nicht, dass Audi seinen Auftritt ernst nimmt – auch wenn man sich nach außen in Geduld übt. „In der Formel 1 gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt es oder man macht es – dann aber richtig“, bekennt Döllner. Und Audi will es richtig machen. Technikchef Dreyer spürt zwar einerseits den enormen Druck, schwärmt andererseits auch von den Prozessen: „Der Aufbau der Formel-1-Abteilung ging rasend schnell voran, Entscheidungen wurden schnell getroffen.“ Bei so viel Publicity für das Thema darf auch das Thema Design nicht fehlen. Audi präsentiert sich in der Formel mit einem neuen Farbschema. Kreativchef Massimo Frascella erklärt: „Mit unserem Debüt in der Formel 1 führen wir ein einheitliches Designsystem ein, das alle Aspekte unseres Unternehmens vereint. Wir wollen das markanteste Auto auf der Rennstrecke haben. Und abseits davon wollen wir die mutigste Marke sein.“ Mut gehört nun einmal zur Formel 1.

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