Auf breiter Front
Jeep bringt eine neue Generation seines Compass heraus. Auf der neuen Stellantis-Plattform gibt es nicht allein Hybriden, sondern auch mehrere Elektroversionen mit Front- und Allradantrieb.
Der Compass hat im Haus Jeep seit je her ein zwiespältiges Image. Puristen und Offroadfans der Marke rümpfen über den seichten Crossover seit seiner Premiere im Jahre 2006 leicht abfällig die Nase. Auf der anderen Seite öffnete der SUV die Marke für den Volumenmarkt, denn bisher wurden von ihm mehr als 2,5 Millionen Fahrzeuge verkauft – für Jeep eine allemal stattliche Anzahl. Die neue dritte Generation basiert auf der STLA-Media-Plattform von Stellantis und ist dadurch mit Modellen wie dem Peugeot 3008 oder Opel Grandland verwandt. Obwohl der Compass zu den kompaktesten Modellen dieser Bauart zählt, ist er 15 Zentimeter länger (4,55 Meter) und 8,5 Zentimeter breiter (1,93 Meter) als sein Vorgänger. Dadurch bietet er einen 550 Liter großen Kofferraum und spürbar mehr Beinfreiheit in der zweiten Reihe – insbesondere, weil der Radstand auf 2,80 Meter anwuchs.

In der Hybridversion sitzt es sich im Fond bequemer, das die Beine weniger angewinkelt sind als im elektrischen Compass. Das liegt daran, dass die Plattform im Hybrid im hinteren Bereich abgesenkt ist, während der Raum im Unterboden für die Akkus benötigt wird, um die Bodenfreiheit nicht zu beeinträchtigen. In der zweiten Sitzreihe wären Einstellmöglichkeiten für Luftstrom und Temperatur wünschenswert, die jedoch fehlen und auch eine Fondsitzheizung suchen die Insassen vergeblich im neuen Compass. Die Rückenlehnen der zweiten Sitzreihe lassen sich im Verhältnis 40:20:40 umklappen, um das Kofferraumvolumen zu vergrößern und lange Gegenstände durchzuladen. Der Innenraum hat je nach Ausstattungsvariante an Wertigkeit gewonnen, wobei neben den 10-Zoll-Instrumenten insbesondere der mächtige 16-Zoll-Touchscreen gefällt. Immerhin gegen Aufpreis lieferbar: das informative Head-Up-Display.
Der zentrale Bildschirm bietet eine gute Grafikqualität, schnelle Rechenleistung und eine angenehme Rückmeldung bei Berührung. Zusätzlich gibt es mehrere physische Tasten, die als Direktzugriffe auf verschiedene häufig genutzte Funktionen dienen. Die Verarbeitung der horizontalen Leiste unterhalb des Bildschirms wurde in den Serienversionen verbessert, da der Kontakt bei den ersten Vorserienmodellen nicht optimal war. Die Bremsenergierückgewinnung lässt sich in drei Stufen über Schaltwippen hinter dem Lenkrad steuern.

Die neue Compass-Reihe startet mit einem Mildhybrid, der den bekannten 1,2-Liter-Dreizylinder mit einem 21 kW / 28 PS starken Elektromotor kombiniert. Zusammen stehen für den Vortrieb somit 106 kW / 145 PS und ein maximales Drehmoment von 234 Nm zur Verfügung. Der Motor ist trotz des Elektroschubs nicht gerade kräftig für einen 1,7 Tonnens schweren SUV und so ist man am besten entspannt unterwegs, wobei die Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h allemal ausreichend ist. Der Normverbrauch: 5,9 Liter Super / 100 km. Mehr Durchzug bietet der Plug-in-Hybrid, bei dem 110 kW / 150 PS starker Vierzylinder-Turbo und 92 kW / 125 PS Elektromotor für insgesamt 142 kW / 195 leisten. Dank des 20 kWh großen Batteriepaketes schafft der Jeep Compass PHEV so rein elektrisch 95 Kilometer. Gemeinsam mit dem Verbrenner liegt die Gesamtreichweite bei dieseltauglichen 980 Kilometern bis zum nächsten Tankstopp. Die Elektroversionen sind als Fronttriebler mit 213 und 231 PS verfügbar, während der 276 kW / 375 PS starke Allradler auch Jeep-Fans milder stimmen dürfte. Dank 96 kWh Batterie beträgt seine Reichweite 600 Kilometer. Nachgeladen werden wie bei allen aktuellen Modellen auf der STLA-Plattform jedoch nur mit maximal 160 kW.
Aktuell dürften sich die meisten Interessenten für die Version mit Hybridantrieb entscheiden, mit der wir rund um Mailand unterwegs waren. Im Fahrbetrieb macht sich die im Vergleich zum Vorgänger verbreiterten Spur, das Plus an Radstand sowie eine deutlich verbesserte Fahrwerksabstimmung angenehm bemerkbar, die gut auf den 18-Zoll-Radsatz abgestimmt ist. Das Komfortniveau ist nennenswert größer als beispielsweise bei der Elektroversion mit kleiner Batterie, die durch den Gewichtszuwachs von 400 Kilogramm und die 20-Zöller zu straff und direkt abgestimmt war. Überzeugend: die zu leichtgängige Lenkung, die präzise die Wünsche des Fahrers an die Vorderachse weitergibt und die kräftigen Bremsen. Erfreulich, dass sich die einzelnen Fahrprogramme deutlich schneller als bisher wechseln lassen, wobei die Unterschiede zwischen ihnen überschaubar bleiben.

Technische Daten: Jeep Compass MHEV
- Motor: Turbobenziner mit drei Zylindern und Elektromodul
- Hubraum: 1199 ccm
- Leistung: 107 kW / 145 PS
- Max. Drehmoment: 234 Nm bei 1.750 U/min
- Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h
- Beschleunigung 0 – 100 km/h: 10,3 Sekunden
- Antrieb: Front
- Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplung
- Normverbrauch: 5,9 Liter / 100 km / 133 g CO2
- Ladevolumen: 550 Liter
- Leergewicht: 1.674 kg
- Preis: ab 38.000 Euro










