Vom Tuner zum Serienstar
Brabus ist einer der erfolgreichsten und schillerndsten Stars der internationalen Tuningszene. Jetzt startet Inhaber Constantin Buschmann sogar eine Doku-Reality-Serie auf Amazon Prime. Die Kardashians lassen grüßen.
Auto-Dokus? Langweilig! Talk-Runden? Austauschbar! Product-Placements? Zum Vergessen! Was also tun, um die eigene Marke via Bewegtbild einem größeren Publikum zugänglich zu machen? Tausende Marketingmanager aus der Autoindustrie zerbrechen sich darüber den Kopf. Die Antwort darauf liefert jetzt der 41-jährige CEO des Luxusautobauers Brabus: Ab 26. Februar geht auf Prime Video seine Doku-Reality-Serie „Brabus: One Second Wow“ online. Der Serientitel ist der Anspruch an die eigenen Fahrzeuge: Eine Sekunde, und man ist geflasht.
Der bereits veröffentlichte Teaser zeigt: Es geht – logisch – um Autos. Aber nicht nur, und genau das dürfte die Serie für eine größere Zuschauerschaft so attraktiv machen. Denn in erster Linie geht es um Lifestyle – den Lifestyle, den Firmeninhaber Constantin Buschmann und seine Lebensgefährtin Mili Umicevic pflegen. Sie bringt dazu Glamour und Sex-Appeal in die Doku. Umicevic ist jedoch nicht nur Partnerin von Buschmann, sondern auch die Kreativchefin von Brabus. Da erfahren dann die Zuschauer auch schon mal, dass es auf Arbeitsebene durchaus unterschiedliche Meinungen zwischen den beiden gibt und die Fetzen fliegen. Sollte ein Filter über der Serie liegen, ist er jedenfalls ziemlich grobmaschig: Vieles von dem, was in der sechsteiligen ersten Staffel zu sehen ist, würden andere nicht zeigen.

Tatsächlich würden viele CEOs solche Einblicke verwehren. Doch genau diese Blicke hinter die Kulissen gibt das Power-Couple aus Bottrop – beruflich wie privat. Constantin Buschmann erinnert sich an die Anfänge der Dreharbeiten während der Arbeit: „Auf einmal sind jeden Tag Kameras dabei und jemand sagt: Aber wenn wir hier schon drehen, dann könntet ihr doch auch als Paar noch ein paar private Momente teilen“. Und natürlich zeigt die Serie private Momente zwischen Constantin und Mili. Auch wenn schnell klar wird: Die Trennung von Beruf und Freizeit ist fließend – dafür hängen beide zu tief in dem Job. Mili Umicevic räumt ein: „Wir zeigen, was es bedeutet, wenn aus der Work-Life-Balance immer wieder eine Work-Work-Balance wird.“
Interessant ist auch das Storytelling der Serie, das wie eine Mischung aus „Drive to survive“ (aber glamouröser) und „Die Geissens“ (aber ernsthafter) daherkommt. Das ist unter anderem auch Christian Meinberger von den Leonine Studios, dem Produzenten der Serie, zu verdanken: „Bei der Produktion sind wir besonders stolz auf die hybride Erzählweise, die wir mit dieser Serie etablieren. Dieses neuartige Doku-Reality-Format verbindet die Tiefe einer brand-driven Dokumentation mit der unmittelbaren Nähe und Leichtigkeit einer personality-driven Lifestyle-Serie.“

Ungewöhnlich ist der Ansatz auf jeden Fall. Vielleicht ist er aber genau der wahre Bezug zu Brabus. Denn Außergewöhnliches ist die Welt von Brabus. Erst vor wenigen Tagen wurde in Zell am See der Brabus 900 Mint vorgestellt auf Basis des Lamborghini Urus SE. Dass das Meisterstück durch die Kur 900 PS hat, läuft bei den Bottropern kaum noch als außergewöhnlich, ebenso wenig die aufwendigen Manufakturarbeiten. Die Farbe dagegen schon: Das SUV ist komplett in Mint gehalten, einschließlich Felgen, Bremssättel und Leder. Dabei war Brabus über die Jahre hinweg ein Synonym für dunkles Schwarz. Doch schon letztes Jahr hatte ein Umbau eines Range Rover und eines Porsche 911 Turbo Cabrios, jeweils in Komplettrosa namens Peetch, für Aufsehen gesorgt.
Der Welt von Brabus kennt offenbar nicht mehr nur Schwarz, sondern krasse Farbtöne – und vor allem auch andere Produktklassen. Vorbei sind die Zeiten des reinen Mercedes-Tuners. Heute geht es auch um Sparten abseits des Automobils: Motorräder, Boote und Oldtimer. Sogar eine eigene Insel in Abu Dhabi, das Brabus Island, gehört zum Spektrum. Dort entstehen für zahlungskräftige Kunden Villen, die ganz im Stil der Marke gestaltet sind – eine Idee, die andere Marken im kleineren Stil adaptieren. Und außergewöhnliche Einfälle gab es noch mehr: Vor einigen Jahren kam Constantin Buschmann auf die Idee, seine Produkte anders als die herkömmlichen Autohersteller zu präsentieren: Er organisierte für sie eine Signature Night im Stil einer Fashion-Show. Das kam bei Fans und Kunden gut an. Ob das auch „One Second Wow“ gelingt, wird ab Ende Februar zu sehen sein.

















