Technik-Vielfalt
Dacia spendiert dem Duster durch eine E-Hinterachse einen Allradantrieb und garniert ihn durch LPG-Tanks mit einem bivalenten Antrieb. Und das zu einem attraktiven Preis.
Auf dem Papier klingt die Idee vernünftig und gleichzeitig zu teuer, um wahr zu sein. Dacia kombiniert beim Duster Hybrid-G 150 4×4 gleich mehrere Technologien in einem Auto. Zählen wir einmal auf: Vorderradantrieb durch einen 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo mit 103 kW / 140 PS, garniert mit einem 48-Volt-E-Motor/Startergenerator, der den Verbrenner beim Anfahren und Beschleunigen unterstützt. Dazu kommt ein Allradantrieb, der keine Kardanwelle benötigt, die die beiden Achsen verbindet, da an der Hinterachse ein Elektromotor mit 23 kW / 31 PS und einem maximalen Drehmoment von 87 Newtonmetern sitzt, der bei Bedarf zugeschaltet wird. Ziehen beide Antriebseinheiten an einem Strang, ergibt das eine Systemleistung von 113 kW / 154 PS. Als wäre das nicht genug, ist dieser Duster auch ein bivalentes Auto. Das bedeutet: Dieser Duster kann sowohl mit Benzin als auch mit Autogas (Liquefied Petroleum Gas / LPG) betrieben werden. Dafür sind zwei 50-Liter-Tanks verbaut, die in Verbindung mit dem Elektromodul für eine Reichweite von bis zu 1.500 Kilometern sorgen sollen.

Das Ganze für einen Grundpreis von nur 27.490 Euro? Geht nicht. Geht doch. Bei Dacia schon. Da hinter jedem Auto ein Geschäftsmodell steht, müssen die Kosten für die zusätzlichen und teuren Komponenten irgendwie reingeholt werden. Das fängt beim Innenraum an, wo Hartplastik dominiert. Großflächig. Günstig? Sicher. Bei unserem Testwagen aber weit entfernt von einem kruden Billigheimerambiente. Wie die Oberflächen nach ein paar Jahren intensiver Nutzung aussehen, steht auf einem anderen Blatt. Apropos: Teil der Modellauffrischung ist auch ein aufgewertetes Innenraum-Paket mit exklusiven Polstern und passenden Zierleisten. Außerdem bekommt der Fahrersitz eine Lendenwirbelverstellung, was Langstreckenfahrer zu schätzen wissen. Dacia hat sein Infotainment-System in den letzten Jahren deutlich verbessert. Je nach Ausführung gibt es das System „Media Nav Live“ mit einem 10-Zoll-Bildschirm, inklusive vernetzter Navigation, Connected Services, einen App-Store, kabelloser Smartphone-Integration per Apple CarPlay und Android Auto. Optional ist ein Arkamys-3D-Soundsystem erhältlich. Das zeigt einen weiteren Hebel, um die Kosten zu drücken: Skaleneffekte. Denn die Technik stammt aus dem Renault-Regal.
So weit so gut. Zurück zum neuen Antrieb, der bei dieser Modellpflege das große Pfund ist. Denn die Geländegängigkeit ist ein feines Extra. Aber bei diesem Antrieb geht es vor allem um Effizienz. In der Stadt fährt Duster bis zu 60 Prozent der Zeit rein elektrisch. Die Energie dafür liefert eine Batterie mit einer Kapazität von 0,84 Kilowattstunden, die entweder durch Rekuperation oder den Verbrennungsmotor geladen wird. Große rein elektrische Sprünge sind da nicht drin. Allerdings ist so gewährleistet, dass die Hinterachse sofort eingreifen kann, sobald die zusätzliche Traktion des Allradantriebs benötigt wird. Die E-Hinterachse ist mit einem Zweiganggetriebe gekoppelt, damit sie mit der Vorderachse bis 140 km/h mithalten kann und im Schnee-Fahrprogramm in der zweiten Fahrstufe anfahren kann. Ansonsten schaltet das System bei 70 km/h hoch.

Klingt nicht ganz trivial. Ist es auch nicht. Funktioniert in der Praxis im Zusammenspiel mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe aber gut. Vorausgesetzt, man lässt sich auf das Antriebsprinzip ein und fährt den Duster mit dynamischen Samthandschuhen. Dazu trägt auch das Fahrwerk bei, das nicht zu weich abgestimmt ist. Will man jedoch die gesamte Leistung abrufen, so ist unüberhörbar, dass ein Dreizylindermotor am Werk ist. Dieser greift spürbar und akustisch wahrnehmbar in das Geschehen ein und begleitet die hochschnellenden Drehzahlen mit einem Knurren. Das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe versucht, den Antriebsstrang mit schnellen Schaltvorgängen zu beruhigen, was nicht immer vollständig gelingt. Holt man alles aus diesem Dacia Duster heraus, erreicht das 1.559 Kilogramm schwere SUV aus dem Stand nach 10,2 Sekunden Landstraßentempo und ist bis zu 180 km/h schnell. Wir kamen laut Bordcomputer bei Benzinbetrieb auf 7,0 l/100 km, das ist ein Liter mehr, als Dacia angibt. Übrigens: Um von Benzin auf LPG (und zurück) zu wechseln, reicht ein Knopfdruck. Dass der Duster 1,5 Tonnen ziehen kann, ist sicher für viele nicht ganz unwichtig.
Und der Kofferraum? Beim Hybrid-G 150 4×4 beträgt das Kofferraumvolumen bei aufrechter Rücksitzlehne bei 348 Liter und bei umgeklappter Rücksitzbank bei 1.414 Liter. Ein frontgetriebener Mild Hybrid 140 „ohne LPG“ kommt auf 517 Liter beziehungsweise 1.609 Liter. Unterm Strich fehlen dem Hybrid-G 150 4×4 also 169 Liter im Normalbetrieb und 195 Liter bei umgelegter Lehne. Vergleicht man den bivalenten Duster mit dem benzingetriebenen Allrad-Modell, fällt die Reserveradmulde weg, da sich darin der Gastank befindet. Interessant ist der erwähnte Einstiegspreis von 27.490 Euro. Die bivalente LPG-Variante steht ab März beim Händler. Dacias Vice President Marketing, Sales and Operations Frank Marotte hat bestätigt, dass im Sommer eine Benziner-Variante auf den Markt kommt, die eventuell sogar teurer sein wird, um eine Kannibalisierung mit den anderen Modellen zu vermeiden.

Datenblatt Dacia Duster Hybrid-G 150 4×4
- Typ: Kompakt-SUV
- Motor: Dreizylinder-Turbo (48V Mildhybrid)
- Hubraum (cm3): 1.199
- Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 154 (113)
- Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 230 bei 1.900
- Höchstgeschwindigkeit (km/h): 180
- Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 10,2
- Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
- Antrieb: Allrad
- Treibstoffsorte: Autogas + Benzin
- Tank (L): 50 + 50
- Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 7,3 (LPG) / 6,0 (Benzin)
- CO2-Ausstoß (g/km): 117 (LPG) / 135 (Benzin)
- Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.559
- max. Zuladung (kg): 406
- Abmessungen (L/B/H): 4.343 / 1.813 / 1.659 (L/B/H)
- max. Ladevolumen (L): 348 bis 1.414
- Preis (Euro): 28.990
- Basismodell (Euro): 27.490
- Effizienzklasse: D
















