Eine neue Liebe
Die Formel-1-Saison 2026 steht vor der Tür. Die Aufmerksamkeit ist bei vielen Autofans deutlich größer als in den vergangenen Jahren, denn einige Marken haben ihre neue Liebe zur bekanntesten Rennserie der Welt entdeckt und treten für Ruhm, Ehre und neue Kunden gegeneinander an. Dieses Jahr werden die Rennwagen elektrischer denn je.
Einst war die Formel 1 das Aushängeschild der internationalen Autoszene. Welcher Hersteller etwas auf sich hielt, der engagierte sich auch in der vermeintlichen Königsklasse, die sich mit ihren Rennen jedoch immer mehr auf zukunftsträchtige Wirtschaftsräume konzentrierte. Europa wurde zunehmend unwichtiger und aus Deutschland verschwand die Rennserie mittlerweile völlig. Es scheint ungewiss, ob es unter aktuellen Kostenstrukturen mittelfristig eine Rückkehr auf Hockenheim- oder Nürburgring geben könnte. Nachdem die Formel E für die meisten Marken zum Rohrkrepierer wurde, ist die Formel 1 durch die Rückkehr und die Neueinstiege von verschiedenen Herstellerteams auch für die viele Autofans interessanter denn je geworden. Mit Mercedes-AMG, Ferrari, Audi, McLaren, Aston Martin, Alpine, Haas (Toyota) und Cadillac treten erstmals acht renommierte Automarken im milliardenschweren Wettkampf gegeneinander an. Indirekt sind noch Honda (bei Aston Martin), Mercedes (bei Alpine) und Ford (bei Red Bull) mit entsprechenden Antriebseinheiten vertreten. Ferrari liefert zudem die Motoren für das Haas-Team, das von der erfahrenen Toyota-Motorsport-Truppe unterstützt wird. Der Rennauftakt findet traditionell im australischen Melbourne (6. bis 8. März) statt.

Unter besonderer Aufmerksamkeit ist der Neustart von Audi, denn die Ingolstädter stachen auf dem Weg nicht nur die Konzernschwester Porsche aus, sondern treten als Nachfolger des Sauber-Rennstalls erstmals in der Topliga an. Dem Audi-Team werden in der ersten Saison kaum ernsthafte Siegchancen eingeräumt und die Risiken einer anspruchsvollen Startsaison dürfte auch Cadillac zu schaffen machen. Beide Teams versprechen jedoch langfristige Engagement in der Formel 1 und spätestens Ende des Jahrzehnts soll nach Rennsiegen auch die Weltmeisterschaft ins Auge gefasst werden.
Bleibt die Frage, woher die neue oder zurückgewonnene Liebe zur imageträchtigen Rennserie kommt. Carlos Tavares, bis Ende 2024 Stellantis-CEO und als knallharter Sparer bekannt, brachte es zum Ende seiner Tätigkeit für einen der größten Autokonzerne auf den Punkt. „Wer weltweit im Motorsport wahrgenommen werden möchte, kommt um die Formel 1 einfach nicht herum. Es ist teuer – sehr teuer – zahlt sich letztlich aber aus.“ Denn egal ob WEC, Langstreckenmeisterschaft, IMSA, Indy, Rallye-WM, Nascar oder gar die gerade in Europa kaum wahrnehmbare Formel E, mit der einst der Einstieg in die Elektromobilität flankiert werden sollte – wirklich weltweit wahrgenommen wird allein die Formel 1, die sich über die Jahrzehnte ikonisiert und in alle Welt ausweitet hat.

Die Autohersteller versprechen sich weltweite Bekanntheit auf den so verschiedenen Märkten und eine Wahrnehmung als automobiler Tech-Konzern, der auf höchstem Niveau gegen die besten Marken der Welt mitfahren kann. Ein echter Technologietransfer oder der historische Rennslogan „win on Sunday – sell on Monday“ ist mittlerweile jedoch vergessen – auch wenn die Formel-1-Boliden seit Jahren mit Hybridmodulen unterwegs sind.
Zur neuen Saison wurde die Leistung des 1,6 Liter großen Turbobenziners spürbar reduziert, während der Elektromotor des Hybridmoduls deutlich erstarkte. Doch die Teilelektrifizierung ist nach außen deutlich wichtiger als eine artgerechte Markenpositionierung, eine imageträchtige Außendarstellung und mehr als einen Hauch Glamour, der der Formel 1 nicht allein in Nordamerika einen gewaltigen Wahrnehmungsschub brachte. Früher interessierten gerade in den USA fast ausschließlich Rennserien wie Indy- und Nascar, doch mittlerweile gibt es nicht allein durch eine Ausweitung der TV-Rechte und verschiedene Film- und Serienproduktionen (F1, Formula One, Rush oder Ferrari) ein großes Interesse auf dem wichtigsten Werbemarkt der Welt. Nicht viel anders sieht es in Asien oder den Emiraten aus, wo eine Vielzahl von Rennen stattfinden. Dauerte die Formel-1-Saison einst gerade einmal sieben bis zehn Rennen, so ist der Veranstaltungskalender mit 24 Rennen (inklusiv sechs Sprintrennen) mittlerweile üppig gefüllt und dauert von März bis Dezember. Erstmals ist das traditionsreiche Rennen von Imola nicht mehr im Rennkalender und wird vom erstmals ausgefahrenen Rennen in Madrid ersetzt.










