Mini Aceman SE

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VonStefan Grundhoff

28. Februar 2026

First date an der Oper

Mini steht längst nicht allein für historische Rallye-Siege, Downtown London und sportliche John-Cooper-Works Modelle. Neben dem coolen Hatch gibt es längst auch einen Fünftürer oder den familiären Countryman. Doch beim Namen Aceman zucken viele nur mit den Schultern. Wir haben mit dem neuesten Mini-Modell – rein elektrisch angetrieben – eine Tour durch Sydney gemacht. 

Mini lässt seinen Kunden zumeist die Wahl. Das gilt nicht allein für das Modellportfolio, die Größe oder die gewünschte Individualisierung, sondern auch für den Antrieb. Das ist beim Aceman etwas anders, denn der fünftürige Crossover ist allein als Elektroversion zu bekommen. Er soll jene Kunden ansprechen, denen der Cooper zu kompakt und der Countryman zu groß ist. Perfekt für die urbane Kleinfamilie, die in einer Millionenagglomeration wie Sydney wohnt. Die 5,5-Millionen-Einwohner-Stadt an der australischen Ostküste ist bekannt für ihre Lebensqualität, die Harbour Bridge mit Blick auf das Opernhaus oder den strahlend weißen Bondi Beach. Perfekt für eine ausgiebige Tour durch die City: der Mini Aceman SE.

Der blaue Aceman SE ist mit knapp 4,10 Metern Länge so groß wie einst der Countryman, der sich in höhere Dimensionen verabschiedet hat und wahlweise mit Elektro- oder Verbrennerantrieb sowie einer 4×4-Option zu bekommen ist. Der Mini Aceman ist schon einige Zeit auf dem Markt; vielen noch unbekannt, weil es weder Vorgänger noch große Markteinführungen gab. Bei der Tour durch den lebendigen Stadtteil Darlinghurst, vorbei am Hyde Park und den dortigen Barracks wird einem auf dem Weg nach The Rocks bewusst, wie allgegenwärtig Großbritannien hier ist. Es geht vorbei am beeindruckend grünen Botanischen Garten zum Opernhaus von Sydney, das viele aus den Silvesternachrichten kennen. Das muschelförmige Gebäude sendet zur dortigen Mitternacht Bilder der Harbour Bridge vom ersten Jahreswechsel um die Welt. 

Der Hafen von Sydney ist turbulent und deutlich zerklüfteter als man dies von anderen Metropolen kennt. Während die zahllosen Kleinfähren am Warrane Cove starten, läuft gerade eines der großen Kreuzfahrtschiffe am The Squire’s Landing ein. Hunderte von Passagieren wechseln hier von einem der Schiffe in die Hotels, um sich noch ein paar Tage Sydney zu gönnen, bevor es weiter nach Neuseeland oder zurück nach Singapur oder die Emirate geht. Lautlos zieht der 160 kW / 218 PS starke Mini Aceman SE seine Bahnen durch den Stadtteil Barangoo ins turbulente Einkaufsviertel rund um Market-, Bathurst- oder Kent Street mit Blick auf Queen Victoria Building oder die sehenswerte Townhall. Die zahlreiche Sehenswürdigkeiten ziehen nicht nur außen vorbei, sondern kündigen sich auf dem runden 24-cm-Zentraldisplay an, das in seiner Bedienung gerne etwas übersichtlicher sein könnte.  

Die Lenkung des kompakten Aceman ist leichtgängig, beeindruckend direkt und der niedrige Schwerpunkt macht bei schnellen Richtungswechseln gute Laune. 330 Nm maximales Drehmoment sorgen dafür, dass der Elektro-Brite schnell seinen Platz in jeder nur gewünschten Lücke findet. Die Umgebung dreht sich nach dem blauen Citykreuzer vor Cafés und Shops nicht allein wegen des gefälligen Designs und des geräuschlosen Dahingleitens um. Die meisten Fahrzeuge in Sydney als größter Stadt Australiens sind große Pick-Ups und Crossover mit umfangreichen Offroad-Modifikationen wie Winde, Stollenreifen, Funkantenne oder Zusatzscheinwerfern, denn das Outback ist hart und unnachgiebig für Mensch und Auto. Das sieht hier in der City ganz anders aus, denn hier gefallen der niedrige Schwerpunkt des 1,8 Tonnen schweren Fronttrieblers und die straffe Gesamtabstimmung.

Das Batteriepaket im Unterboden bietet noch eine Reichweite von 154 Kilometern und da es morgen raus aus der Stadt gehen soll, steht Nachladen an. Die Zahl der Ladesäulen ist in Australien und selbst in einer Millionenstadt wie Sydney nicht mit Europa zu vergleichen. Wer ein Elektroauto bewegt, der lädt zumeist zu Hause und so gibt es kaum mehr als zwei Handvoll Schnelllader in den überteuerten Tiefgaragen, die pro Stunde schnell umgerechnet 15 Euro an Parkkosten pro Stunde kosten oder an einigen Tankstellen. Da es ohnehin nach North Sydney gehen soll wird hier an einer BP-Tankstelle Strom nachgezapft. 0,64 australische Dollar / kWh – nicht einmal 40 Cent – zahlbar per Kreditkarte. Das passt. Die überschaubare maximale Ladegeschwindigkeit des Mini Aceman SE von gerade einmal 95 kW stört hier wenig, weil die Ladesäule gerade einmal 75 kW bietet, als nebenan ein silberner Mercedes EQC erstarkt.

Der kurze Ladestopp wird mit einem Snack nebst Espresso verkürzt, ehe es auf den Warringah Freeway M1 zurück nach Süden Richtung Harbour Bridge geht. Vorbei am gewohnt turbulenten Chinatown geht es über ruppige Straßen an die Ostküste der Stadt über die Oxford Steet, Bondi Junction und Bondi bis zu einem der bekanntesten Strände weltweit: Bondi Beach – gleichermaßen Ausflugsziel für Einheimische und Touristen aus aller Welt. Das Citycruisen wirkt sich positiv auf Gesamtverbrauch und Reichweite aus, denn so schafft der Aceman trotz seines gerade einmal 54 kWh großen Batteriepakets auch die in Aussicht gestellten 400 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp. Wer an der australischen Ostküste auf große Fahrt gehen will, sollte nicht nur einen Blick auf die zahllosen Geschwindigkeitsüberwachungen werfen, sondern auch die dünne Anzahl der Schnelllader im Blick haben. Zumindest kommt man auf der Tour Richtung Gold Coast und Brisbane im Norden kaum auf die Idee, sich über die überschaubare Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h zu beschweren. Bei 110 km/h ist in Australien trotz geringer Einwohnerzahlen und üppiger Dimensionen Schuss. 

Die Kunden in Down Under ficht das kaum an, denn ihnen geht es um das Design des Aceman, das gute Platzangebot und den hohen Alltagsnutzen. Da bietet das neueste Mini-Modell eben etwas mehr als der kleinere Cooper ohne in den Dimensionen des Countryman unterwegs zu sein. Was Insassen im Aceman vermissen, sind eine elektrische Heckklappe, Komfortdetails eine Sitzheizung im Fond sowie eine edle Alternative zu den Textil- oder Kunstledersitzen. Ein echtes Head-Up-Display fehlt ebenso wie zusätzliche Instrumente hinter dem Lenkrad, wo der Fahrer auf einen Kunstlederriemen blickt. Dafür lassen Projektoren im mindestens 34.450 Euro teuren Mini Aceman SE spezielle Leuchtgrafiken in Form von verschiedenfarbigen Mustern auf dem textilen Armaturenbrett erstrahlen. Je nach gewähltem Fahrmodus verändern sich dabei Farbgebung und Ambientebeleuchtung.

Technische Daten: Mini Aceman SE

  • Motor: Elektro, vorn
  • Leistung: 160 kW / 218 PS
  • Max. Drehmoment: 330 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 7,1 Sekunden
  • Normverbrauch: 14,0 – 14,8 kWh / 100 km
  • Batteriegröße: 54 kWh – 49,2 kWh nutzbar
  • Laderaum: 300 – 1.005 Liter
  • Reichweite: 405 km
  • Antrieb: Front
  • Leergewicht: 1.785 kg
  • Preis: ab 34.450 Euro

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