Geschmeidige Vernunft
Hyundai spendiert dem Hybridantrieb im Tucson mehr Vitamine. Das wirkt sich positiv auf das Fahrverhalten und den Verbrauch aus.
In Deutschland ist der Hyundai Tucson so etwas wie der Gegenentwurf zur hiesigen SUV-Leitplanke namens VW Tiguan. Im vergangenen Jahr kamen laut KBA 20.907 neue Tucson auf die bundesdeutschen Straßen. Damit ist der Koreaner im wichtigen Segment der kompakten SUVs alles andere als ein Ersatzspieler. Auch wenn es zum Mannschaftskapitän, dem VW Tiguan mit 63.316 Zulassungen 2025, noch einen Respektsabstand gibt. Konkurrenten wie der Škoda Kodiaq, der Toyota RAV4, der Ford Kuga, der VW Tiguan und der Opel Grandland sind da schon eher in Reichweite oder sogar vom Koreaner überholt.

Um in diesem automobilen Haifischbecken nicht zur leichten Beute zu werden, muss man stets auf dem Gas stehen und die Autos verbessern. Nach der Modellpflege im Jahr 2024, bei der die das Infotainment mit den zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen auf den neuesten Stand gebracht wurde, haben die Koreaner die Vollhybridversion aufgepeppt. Zwei Fakten fallen sofort ins Auge: Zum einen die Erhöhung der Anhängelast um 150 Kilogramm auf 1.510 Kilogramm (gebremst) erhöht. Das ist für viele, die einen Anhänger oder einen kleineren Wohnwagen ihr Eigen nennen, ein Argument. Damit dieses zusätzliche Gewicht nicht zum Bremsklotz wird, muss auch der Antrieb zulegen.
Zudem haben die koreanischen Ingenieure auch beim Hybrid ein paar Pferdestärken aus dem Hut gezaubert, genau genommen aus den vier Zylindern des Verbrennungsmotors. Die Systemleistung des elektrifizierten Antriebsstrangs steigt um 18 kW / 24 PS auf 176 kW / 239 PS. Das Power-Plus kommt vom 1,6 T-GDI, der nun aufgrund einer neuen Motorsteuerung 132 kW / 180 PS in die Vortriebswaagschale wirft. Die restlichen 48 kW / 65 PS des Elektromotors bleiben unverändert. Die Fahrleistungen verbessern sich dementsprechend: Jetzt ist der Hyundai Tucson HEV mit Vorderradantrieb bis zu 196 km/h schnell und absolviert den Standardsprint von null auf 100 km/h in 7,8 Sekunden.

Was diese nüchternen Zahlen nicht wiedergeben, ist das Fahrverhalten. Zwar ist der Tucson HEV immer noch kein Längsdynamik-Bestseller, aber im Alltag machen sich die gewachsenen Muskeln durchaus bemerkbar. Vor allem bei kurzen Zwischensprints oder beim Überholen von Lkws an leichten Steigungen. Natürlich meldet sich der Vierzylinder nach wie vor, wenn man es wissen will, aber unterm Strich agiert der Tucson HEV unaufgeregter und geschmeidiger als bisher. Da die Batterie nach wie vor eine Kapazität von 1,49 Kilowattstunden hat, sind auch kurze vollelektrische Strecken drin. Vor allem in der Stadt. Da sinkt der Verbrauch schnell. Mit dem Tucson ist es aber wie mit den meisten elektrifizierten Fahrzeugen: Um das Potenzial auszunutzen, muss man sich auf das Konzept einlassen. So hat auch die Batterie immer genug Energie. Wir waren mit dieser Strategie auf Autobahnen, in der Stadt sowie auf Landstraßen unterwegs und kamen laut Bordcomputer auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,1 Litern pro 100 Kilometer. Das sind 1,2 l/100 km mehr, als Hyundai im Datenblatt angibt. Wer mit dem Gasfuß im Takt eines Techno-Musikstücks mitwippt, wird wohl kaum ein Geringverbrauchsweltmeister.
Deshalb reicht auch der Eco-Fahrmodus völlig aus und ist sogar der angenehmere. Im Sport-Programm agiert der Tucson HEV etwas übereifrig. Der heimliche Star ist die Sechsgangautomatik. Klassisch, für manche antiquiert, aber unterwegs mit weniger CVT-Gummiband-Beschleunigung. Aufgrund der gestiegenen PS-Zahl muss sich das Getriebe auch weniger häufig sortieren, um dann den Motor unter nervigem Gejaule hochjubeln zu lassen, ehe die Fahrstufe gewechselt wird. Dabei hilft auch das leicht gestiegene Drehmoment von 379 Newtonmetern. Wer nicht in einer schneereichen Gegend wohnt, ist mit dem Vorderradantrieb gut ausgestattet.

Ob Hybrid oder nicht. Das Interieur und vor allem das Infotainment sind eine weitere Stärke des Tucson. Die Unterhaltungsinfrastruktur des Kompakt-SUV ist mit den beiden 12,3-Zoll-Displays auf dem neuesten Stand der Hyundai-Technik. Die zwei zu einer Einheit zusammengefassten Monitore schauen modern aus. Dass die Koreaner nicht dem Touchscreen-Only-Wahn anderer Tesla-Nachahmer verfallen und weiterhin auch auf analoge Bedienelemente – sprich Tasten, Hebel und Knöpfe – setzen, sieht nicht nur gut aus, sondern hilft beim schnellen Einstellen der Klimaanlage. Damit die digitalen Elemente immer Up-to-Date bleiben, wird die Software drahtlos auf dem neuesten Stand gehalten. Das gilt auch für die umfangreichen Assistenzsysteme, die sich typisch asiatisch akustisch bemerkbar machen. Wer sich durch die Menüs klickt, kann viele davon abschalten. Hilfreich sind die Rückfahrkamera, die Einparkhilfe vorn und hinten, das Head-up-Display und das Matrix-LED-Licht.
Bei der Raumökonomie gibt sich der Hyundai Tucson ebenfalls kaum eine Blöße. Bei einer Länge von rund 4,51 Metern bietet er ordentliche Platzverhältnisse. Vor allem vorne. Im Fond geht es zwar etwas enger zu, aber auch Erwachsene müssen keine Angst vor klaustrophobischen Erlebnissen haben. Der Kofferraum fällt mit einem Volumen von 616 Litern bis 1.795 Litern, sobald man die Rücksitzlehnen umklappt, auch nicht ab. Das Ganze hat mit mindestens 48.830 Euro in der zweithöchsten Ausstattungslinie Prime auch seinen Preis. Bei unserem Testwagen kamen noch das Assistenzpaket (1.150 Euro), das Panorama-Glas-Schiebedach (1.200 Euro) und die Lackierung (450 Euro) hinzu. Los geht es bei 41.240 Euro. Beim Toyota RAV4 Hybrid (FWD) sind es 40.990 Euro.

Datenblatt Hyundai Tucson Hybrid 1.6 T-GDI HEV
- Typ: Kompakt-SUV
- Motor: Vierzylinder-Turbo
- Hubraum (cm3): 1.598
- Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 239 (176) bei 6.000
- Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 379 bei 1.500 bis 4.500
- Höchstgeschwindigkeit (km/h): 196
- Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 7,8
- Getriebe: 6-Gang-Automatikgetriebe
- Antrieb: Vorderradantrieb
- Treibstoffsorte: Superbenzin
- Tank (L): 52
- Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 5,9
- CO2-Ausstoß (g/km): 133
- Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.647
- max. Zuladung (kg): 543
- Abmessungen (L/B/H): 4.525 / 1.865 / 1.650 (L/B/H)
- max. Ladevolumen (L): 616 bis 1.795
- Preis (Euro): 48.830
- Basismodell (Euro): 41.240
- Effizienzklasse: D

