MG4 Urban

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VonWolfgang Gomoll

26. März 2026

Raumdeuter

Der MG4 Urban hat außer der Bezeichnung nicht viel mit dem Namensvetter, dem MG4, gemein. Neben einer neuen Plattform und bald Semi-Feststoffbatterien überzeugt der kompakte Stromer mit viel Platz.

Jozef Kaban hat in seiner Karriere als Designer schon einiges erlebt. Er hat das Aussehen des Bugatti Veyron 16.4 maßgeblich mitgestaltet, war bei BMW als Formgeber für Rolls-Royce verantwortlich und hat fast zehn Jahre lang neuen Škoda-Modellen das Aussehen verliehen. Der stets verschmitzt lächelnde Slowake weiß also, wie man den Geschmack der Allgemeinheit trifft. Nicht zu bieder lautet offenbar eine seiner Maximen. Autos dürfen gerne praktikabel sein, aber nie langweilig. Beim MG4 Urban setzt der Vice President of Global Design des chinesischen Autobauers seine Designidee in die Tat um. Die Schulterlinie des kompakten Stromers gleicht der des schmucken E-Roadsters Cyberster, und auch die Grafik der Heckleuchten orientiert sich an der des Oben-ohne-Konzernbruders.

Damit hören die Gemeinsamkeiten dann auch schon auf. Der neue MG4 Urban soll kein verkappter Kurvenräuber sein, sondern ein bezahlbares alltagstaugliches Elektroauto. Noch halten sich die Chinesen beim Preis bedeckt, doch der MG4 Urban dürfte zwischen 25.000 und 30.000 Euro kosten. Kommen dann noch Rabatte dazu, wird die Luft für Konkurrenten wie den VW ID.3, den Škoda Elroq oder den Renault Mégane E-Tech ziemlich dünn. Der Innenraum ist ordentlich verarbeitet, manche chromglitzernden Hebel machen was her, aber die Sitze wirken billig. Die Materialien sollen funktional sein. Das ist auch eine Frage des Geschäftsmodells. Premium-Stoffe kosten halt auch mehr.

Eine andere Form des Luxus in der Kompaktklasse ist Platz. Und das ist eine der Stärken des neuen MG4 Urban. Mit einer Länge von 4,395 Metern, einer Breite von 1,842 Metern, einer Höhe von 1,549 Metern und einem Radstand von 2,75 Metern ist der nominelle Stadt-Stromer etwas länger als der aktuelle MG4. Diese Maße sind nicht nur für das Auto-Quartett gedacht, sie kommen den Passagieren auch im Alltag zugute. Kurz gesagt: Der Innenraum des Urban fühlt sich etwas luftiger an als der des Namensbruders. Im Fond finden auch Erwachsene gut Platz, und der Kofferraum bietet ein Volumen von 568 Litern, das auf 1.362 Liter wächst, sobald man die Lehnen der Rückbank umlegt.

Ein Grund für diese Raumopulenz ist unter anderem der Rohbau. Während der bisherige MG4 auf die MSP-Plattform setzt und mit Hinterradantrieb antritt, fährt der Urban auf einer neuen E3-Architektur mit Frontantrieb vor. Das allein macht schon einen Unterschied. Die Batterie des MG4 Urban ist Teil der Struktur (Cell-to-Body), was sicher neben den Raumverhältnissen auch bei der Steifigkeit und damit beim Komfort hilft. Aktuell sind noch LFP-Energiespeicher (Lithium-Eisenphosphat) verbaut, Ende des Jahres erhält der kompakte E-Crossover MGs neue Semi-Feststoffbatterie.

Zum Marktstart des MG4 Urban stehen zwei Batteriegrößen zur Verfügung: 43 und 54 Kilowattstunden. Damit kommt der Stromer maximal 325 Kilometer oder bis zu 416 Kilometer (WLTP) weit. An der Wallbox mit 11 kW dauert das Laden von 10 auf 100 Prozent fünf beziehungsweise sechs Stunden (bei den 54-kWh-Akkus). An einer DC-Stromtankstelle sind maximal 150 kW möglich. Dadurch reduziert sich die Standzeit von 10 auf 80 Prozent auf rund 28 bzw. 30 Minuten. Diese Ladeleistung ist zwar kein Spitzenwert, aber absolut in Ordnung. Zwei Motoren stehen zur Auswahl: 110 kW / 149 PS und 118 kW / 160 PS mit jeweils 250 Newtonmeter Drehmoment. Auch das passt ins Konzept.

Das gilt ebenso für das Infotainment mit dem zentralen 12,8-Zoll-Touchscreen. Darunter macht es ein chinesischer Automobilhersteller offenbar nicht. Bei der ersten Sitzprobe stellte die Bedienung auch kein großes Problem dar. Zumal auch haptische Bedienelemente Teil des Konzepts sind.

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