30 Jahre Citroen Berlingo

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VonZaid Hamid

22. April 2026

Skischuh auf großer Reise

Es gibt sportlichere, schönere und sicher auch bessere Autos als den Citroen Berlingo. Doch gerade in Europa wurde der Hochdachkombi Mitte der 1990er Jahre ein wahres Erfolgsmodell. Für viele kaum zu glauben, dass der Franzose bereits seinen 30. Geburtstag feiert und bereits 1997 als Elektroversion vorgestellt wurde.

In den späten 90er und frühen 2000er Jahren waren Hochdachkombis ein völlig neuer Trend. Viel Platz für Familie, Freizeit und dabei nicht so teuer wie die parallel aufkommenden SUV machten sie sich gerade in Europa mächtig in den Zulassungsstatistiken breit. Noch vor dem Renault Kangoo (ab 1997) begründete der Citroen Berlingo ein Segment neu, dass es so ähnlich mit einem Modell wie dem Talbot Matra Rancho schon einmal gegeben hatte. Hatte dieser jedoch mit rustikalen Offroad-Gefühlen gespielt, setzte der Citroen Berlingo kompromisslos auf die Familie. Dabei hatte Citroen nach dem Zweiten Weltkrieg bereits verschiedene Nutzfahrzeuge im Programm, deren Gene denen des späteren Berlingo entsprachen. Handwerker und Kleinunternehmen wie Bäcker, Installateure oder Marktbeschicker liebten speziell in Südeuropa Modellen wie den Citroen Azu (Nutzfahrzeug-2CV), die Acadiane oder den moderneren C15. 

Viel Nutzen für wenig Geld und insbesondere geringe Unterhaltskosten – das sprach in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre insbesondere junge Familien an, denen Image und automobile Außendarstellung allerdings nicht wichtig sein durften, denn im Freundeskreis konnte man mit dem Citroen Berlingo im eigenen Fuhrpark kaum glänzen oder Eindruck schinden. Der Name Berlingo ist dabei ein Kunstwort, das mit der Kombination aus „Berlin“ und „Go“ wenig zu tun hat, sondern seinen Ursprung im französischen Wort „Berlingot“ hat, was für eine verkürzte Kutschenform steht. Die Mischung aus Kombi und Nutzfahrzeug punktete damals wie heute in erster Linie mit seinem gigantischen Laderaum und Schiebetüren, über die sich Kindersitze und der Nachwuchs praktisch in die zweite Reihe verpacken ließen. Eine Art Anti-SUV, der viel Autonutzen für wenig Geld bot und sich in den drei Jahrzehnten mehr als drei Millionen Male verkaufte. 

Auch wenn sich der Citroen Berlingo zusammen mit seinem Schwestermodell Peugeot Partner über die Jahre weiterentwickelte und früher als die meisten anderen sogar als Elektroversion zu bekommen ist, blieb er seinem Design in Skischuhform ebenso treu wie dem gigantischen Alltagsnutzen und so sind nach wie vor Familien und Handwerker gleichermaßen mit ihm unterwegs – Tag für Tag. 

Die erste Berlingo Generation, gebaut von 1996 bis 2008, begründete auf Plattform des damaligen Peugeot 306 das sogenannte Skischuhdesign mit hohem Dach, kurzer Motorhaube und großem Laderaum. Neben dem großen Platzangebot und dem hohen Dach waren die seitlichen Schiebetüren charakteristisch für die neu erschaffene Fahrzeugklasse, die sich nicht allein beim Familien, sondern eben auch Handwerkern sowie Camping- und Freizeitfans großer Beliebtheit erfreute. Die Kunden hatten beim gerade einmal 4,15 Meter langen Citroen Berlingo die Wahl zwischen einer oder zwei Schiebetüren an den Flanken und einem Heck, dessen Laderaum sich wahlweise über eine große Heckklappe oder seitlich angeschlagene Türen beladen ließ. Das Antriebsportfolio war überschaubar, denn während die Nutzfahrzeugversion von einem 1,1 Liter großen Vierzylinder mit 44 kW / 60 PS angetrieben wurde, gab es für die Pkw-Varianten immerhin einen 1,4-Liter-Vierzylinder mit 55 kW / 75 PS. Kurz danach wurde ein besonders sparsamer 70-PS-Diesel eingeführt, der sich nicht allein bei gewerblichen Kunden einer großen Beliebtheit erfreute. Später folgten stärkere Antriebe mit 90 und 109 PS. Besonders beliebt bei den Familienversionen: das Multifunktionsdach Modutop und das elektrische Faltschiebedach. Bereits ab 1997 in einer kleinen Serie produziert: ein elektrischer Berlingo mit 15,5-kW-Motor.

War dem ersten Berlingo seine Nutzfahrzeug-Abstammung noch deutlich anzumerken, wurde die zweite Generation von 2008 bis 2018 produziert, deutlich moderner. Die neue Plattform bot mehr Komfort, eine bessere Sicherheitsausstattung und insbesondere eine verbesserte Geräuschdämmung, die sich nicht allein auf längeren Fahrten angenehm bemerkbar machte. Die dritte Berlingo-Generation, seit 2018 auf dem Markt, brachte nochmals mehr Pkw-Gene, ein verbessertes Fahrverhalten und moderne Fahrerassistenzsysteme gepaart mit einem größeren Platzangebot der verschiedenen Längen. Der aktuelle Citroen Berlingo ist entweder als Diesel für Gewerbekunden (ab 23.720 Euro) oder als e-Berlingo (ab 37.120 Euro) mit einem 100 kW / 136 PS starken Elektroantrieb mit 50-kWh-Akku zu bekommen. 

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