R4, R5 und Twingo – Renault und sein elektrischer Retro-Trend

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VonStefan Grundhoff

22. April 2026

Zwischen den Generationen

Renault setzt kompromisslos auf die Retro-Welle, ohne dabei altbacken zu wirken. Doch während der elektrische Renault 5 prächtig läuft, tut sich der R4 schwerer als erwartet. Und was wird auch dem neuen Twingo als Einstiegsmodell?

Dass der Renault R5 nach seiner Neuauflage zum europäischen Erfolgsmodell werden würde, ist keine Überraschung. Auch wenn sich die Fahrleistungen im Rahmen halten, Batteriekapazität und Ladegeschwindigkeit hinterherhinken, ist es der französische Charme, der die Kunden zu Preisen ab stattlichen 28.000 Euro begeistert. Der Renault 5 E-Tech hat mit seinem ebenso kompakten wie pausbäckigen Ahnen – von 1972 bis1996 angeboten – nichts zu tun; ist nennenswert größer, bietet fünf Türen und insbesondere ein Preisniveau, das mit dem 3,52 Meter langen Ursprungsmodell aus den 1970ern nichts zu tun hat. Doch neben dem Retrocharme sind es Proportionen und das Design, die angepasst an die heutige Zeit einfach passen. In den ersten 15 Monaten wurden mehr als 100.000 Fahrzeuge verkauft. Hier fährt der elektrische R5 in einer Klasse mit dem einstigen New Mini, den BMW Anfang der 2000er Jahre neu auflegte. Auch hier hatte die Neuauflage mit dem Classic Mini von Sir Alec Issigonis nichts zu tun, doch Proportionen und ikonische Elemente sorgten für freudige Kunden. Der preisliche Premiumaufschlag wurde von den oftmals weiblichen Kunden aus urbanen Gegenden nur allzu gerne bezahlt. Über Nacht wurde der New Mini zum BMW-Premiumauto einer neuen Generation.

Ein ähnliches Konzept fährt nun Renault – seinerzeit noch eingeleitet vom mittlerweile ausgeschiedenen CEO Luca de Meo – mit seinen Einstiegsmodellen R4, R5 und Twingo – ohne jeden Premiumanspruch zu allerdings stattlichen Preisen. Doch was beim Renault 5 E-Tech europaweit prächtig funktioniert, sieht beim 4,14 Meter langen R4 ganz anders aus. Der ist auf der gleichen Plattform unterwegs, tut sich auf vielen europäischen Märkten bei den Kunden jedoch spürbar schwerer als der technisch eng verwandte R5. Ein elementares Problem ist sein Preis, denn einst war der Renault 4 ein echtes Billigmodell wie der Fiat Panda oder der Citroen 2CV, das sich insbesondere auf preissensiblen Märkten wie in Frankreich, Spanien oder Italien großer Beliebtheit erfreute. Schiebefenster, einfaches Fahrwerk oder fehlende Sicherheitsausstattungen wurden ihm zu Preisen von deutlich unter 10.000 D-Mark verziehen, ehe er Anfang der 1990er Jahre vom Markt verwand und vom modernen Twingo ersetzt wurde. 

Die neue, nunmehr ebenfalls elektrische R4-Generation erinnert allenfalls durch seine Proportionen und einige Designdetails wie Leuchten an seinen Ahnen, der als besonders beliebter R4 GTL schmale 25 kW / 34 PS leistete. Die Neuauflage spricht eben nicht das trendige und betont urbane Publikum des Renault 5 an. Mit den 88 kW / 120 PS als Basis könnten sich einige potenzielle Kunden wohl ebenso anfreunden wie mit dem allzu kleinen 40-kWh-Batteriepaket der Einstiegsversion und einer entsprechenden Reichweite von gerade einmal 300 Kilometern. Doch der Preis von 29.500 Euro ist Interessenten schlicht zu hoch und wer sich für das lässige Plein-Sud-Faltdach nebst 52-kWh-Akku entscheidet, drückt den Basispreis zusammen mit dem deutlich passenderen Antrieb mit immerhin 110 kW / 150 PS auf mindestens 36.700 Euro. Das ist für eine überschaubare Ausstattung trotz Retro-Reminiszenzen wie Jeans-Sitzbezüge und eben das nunmehr elektrische Faltdach etwas viel des Guten. Dafür gibt es Elektroautos, die die Familie ebenso ansprechen, länger Fahren und schneller laden, denn maximal 100 kW Ladetempo sind allzu wenig. Eine geplante Allradversion 4×4 Savane kaum etwas an der zögerlichen Nachfrage ändern. 

Bleibt die Frage, was aus dem 3,79 Meter langen Renault Twingo wird, denn der kleine Franzose wurde nunmehr ebenfalls neu als Elektromodell aufgelegt. Das Design mit seinem hohen Wiedererkennungswert passt und auch wenn die Plattform den elektrischen Twingo allenfalls in der dritten Reihe parken lässt, hat er das Zeug zum urbanen Frauenversteher – wie einst bei seinem Start im Jahre 1992. Doch der Preis an der Grenze zur 20.000 Euro-Marke liest sich auf den ersten Blick gut. Doch eine nicht einmal 28 kWh große Batterie schränken den Lebensraum ebenso ein wie die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Denn aus den versprochenen 260 Kilometer Normreichweite werden im winterlichen Alltag schnell 150 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp. Für 20.000 Euro ist der Renault Twingo ein cooles Citymobil mit 60 kW / 82 PS Hingucker-Charakter – doch nichts für mittlere oder gar längere Strecken. Dafür sind auch 20.000 Euro eine Menge Geld, die sich mit Entertainmentbildschirm und weiteren Details nochmals spürbar nach oben schrauben. Trotzdem ist die Ladegeschwindigkeit von maximal 50 kW alles andere als zeitgemäß und auch an einer Wallbox sind maximal 6,6 kWh drin. 

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