Eingelöstes Versprechen 

Der ID. Polo füllt bei VW eine wichtige Modelllücke. Er macht mit einem Einstiegspreis von unter 25.000 Euro endlich das Versprechen wahr, einen modernen, bezahlbaren Stromer auf den Markt zu bringen.

Zu erfolgreichen Zeiten hat VW die Strategie der Fast Follower perfektioniert. Erst die anderen vorpreschen lassen und, sobald die Verkaufsaussichten gut waren, mit einem möglichst perfekten Produkt den Markt aufrollen. Nach dem Motto: Nicht der Schnellste gewinnt, sondern der Beste. Bei der Elektromobilität hat der Wolfsburger Autobauer das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Während andere Hersteller schon bezahlbare Stromer anbieten, schaut es bei VW noch weitgehend mau aus. Das soll sich mit dem ID. Polo jetzt ändern, denn VW will mit dem Stromer ein Versprechen einlösen: ein günstiger Stromer, der alte VW-Stärken wieder aufleben lässt. Viel Auto fürs Geld und ausgereifte Technik. Der ID. Polo ist eines der entscheidenden Modelle, mit denen Volkswagen unterhalb des VW ID.3 wachsen will.

Technisch tut sich einiges. Der Polo ist der erste VW ID mit Vorderradantrieb. Möglich macht das die Evolutionsstufe des Modularen E-Antriebsbaukastens MEB+, kombiniert mit der neu entwickelten Frontantriebseinheit APP290. Die Abkürzung steht für die achsparallele Anordnung (Axial Parallel Position) der E-Maschine, die Zahl für 290 Newtonmeter Drehmoment. Die Antriebseinheit ist sehr kompakt: Motor, Getriebe und der neu entwickelte Pulswechselrichter sind alle im Vorderwagen untergebracht. Das spart Bauraum, reduziert die Komplexität und wirkt sich somit positiv auf die Kosten aus. Zudem bleibt der Heckbereich frei von Antriebskomponenten.

Das hat direkten Einfluss auf den Kofferraum. Das Gepäckabteil hat ein Volumen von 441 Litern. Das sind 90 Liter mehr als beim aktuellen konventionellen Polo, der auf 351 Liter kommt. Legt man die Rückbanklehnen um, wächst das Ladevolumen des ID. Polo inklusive des großen Fachs unter dem Ladeboden auf bis zu 1.249 Liter. Auch damit zieht der elektrische Polo an der Verbrenner-Version vorbei, die auf 1.125 Liter kommt. Doch der ganze Platz für Taschen und Einkäufe ist nutzlos, wenn nur zwei Menschen gut Platz haben. Das weiß man auch bei VW. Deswegen ist der Innenraum 1,9 Zentimeter länger als beim Bruder-Polo. Und das, obwohl der ID. Polo mit 4,053 Metern Länge um 2,1 Zentimeter kürzer ist. Dass die Karosserie mit 1,816 statt 1,751 Metern breiter ist, hilft der Optik. Der von 2,552 auf 2,600 Metern gewachsene Radstand sowie der Zuwachs der Höhe von 1,451 auf 1,530 Metern helfen der Raumökonomie und geben den Passagieren ein luftigeres, angenehmes Gefühl.

Zum Start gibt es drei Antriebs-Varianten. Die beiden schwächeren Versionen mit 85 kW / 116 PS und 99 kW / 135 PS nutzen eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit einer Kapazität von 37 Kilowattstunden. Die vorläufige WLTP-Reichweite dieser Modelle liegt bei bis zu 329 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 90 kW DC. Damit sind die Energiespeicher in rund 27 Minuten von zehn auf 80 Prozent gefüllt. Die stärkere Version mit 155 kW / 211 PS kombiniert Volkswagen mit einer 52-kWh-Batterie (netto) auf NMC-Basis (Nickel-Mangan-Kobalt). Hier liegt die vorläufige WLTP-Reichweite bei bis zu 455 Kilometern, die maximale DC-Ladeleistung bei 105 kW, und damit soll das Stromtanken von zehn auf 80 Prozent etwa 24 Minuten dauern. Von den Spitzenwerten her liest sich die Ladeleistung nicht besonders überzeugend, doch VW weist auf das gleichmäßig hohe Ladeniveau hin, das die Standzeit an der DC-Säule verkürzen soll. Apropos: Alle Modellvarianten laden an einer Wallbox mit 11 kW. Für 2027 ist zudem ein ID. Polo GTI mit 166 kW / 226 PS angekündigt. Diese Leistung entspricht der des Cupra Raval VZ.

Das Fahrwerk ist auf den Vorderradantrieb abgestimmt. Vorn ist eine MacPherson-Achse verbaut, hinten eine Verbundlenkerachse. Das ist keine Ingenieursrevolution, aber VW betont, dass beide Achsen neu entwickelt wurden. Deswegen hat man angeblich gegenüber dem MQB-Polo die Eigenfrequenzen an Vorder- und Hinterachse um jeweils fünf Prozent reduziert, was den Schwingungskomfort verbessert. Hinzu kommt ein neues One-Box-Bremssystem mit Scheibenbremsen vorne und hinten, das die Dosierbarkeit erleichtert und die Rekuperation effizienter machen soll. Das ist ebenfalls spannend, da die MEB-Modelle des VW-Konzerns hinten auf Trommelbremsen setzen, da die Rekuperationsleistung vorne die hinteren entlastet.

Auch im Innenraum setzt sich die VW-Tendenz „Zurück in die Zukunft” fort. Statt einer Überfrachtung mit Touch-Elementen gibt es beim ID. Polo gibt es vermehrt physische Tasten für die Klimafunktionen, einen Drehregler für die Lautstärke, logisch gegliederte Lenkradtasten sowie die klassischen Lenkstockhebel für Blinker, Licht und Wischer. Ganz ohne Bildschirme geht es natürlich nicht. Das virtuelle Cockpit misst 10,25 Zoll, der zentrale Touchscreen 13 Zoll. Die grafischen Oberflächen wirken aufgeräumter als in den ersten ID-Modellen. Hinzu kommt die „Retro-Anzeige“, die die Instrumente im Stil eines Golf I zurückholt. Klasse VW. Weiter so.

Bei der Ausstattung setzt Volkswagen auf den Dreiklang Trend, Life und Style. Schon der Trend bietet serienmäßig DC-Schnellladen, LED-Scheinwerfer, 10,25-Zoll-Digitalcockpit, 13-Zoll-Infotainment, Klimaautomatik, Side Assist und Spurhalteassistent inklusive Emergency Assist. Life ergänzt unter anderem ACC, Rückfahrkamera, vordere Einparkhilfe, Kreuzungsassistent, App Connect, Sprachsteuerung, induktive Smartphone-Ladung und einen variablen Ladeboden. Bei der Top-Version Style kommen Matrix-Scheinwerfer, 3D-LED-Rückleuchten, beleuchtete VW-Logos, Sport-Komfort-Sitze, Ambientebeleuchtung, Lenkrad- und Sitzheizung, Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie das nun auch in die Türen gezogene ID. Light hinzu. Optional gibt es ein Harman-Kardon-Soundsystem, ein Panorama-Glasdach und sogar eine pneumatische Massagefunktion für die Vordersitze. Praktisch ist auch die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). Hier zieht VW endlich nach und der ID. Polo kann externe Geräte mit bis zu 3,6 kW versorgen.

Bei allen Vorzügen muss auch der Preis passen, sonst verkommt der ID. Polo zum Ladenhüter. Laut VW soll es in für Deutschland ab 24.995 Euro losgehen. Damit würde der kleine Stromer die magische 25.000-Euro-Grenze unterbieten. Wie wichtig das ist, zeigt ein Blick auf die Konkurrenz. Der Citroën ë-C3 YOU wird aktuell online ab 20.140 Euro beworben, liegt also 4.855 Euro darunter. Allerdings hat der Franzose dann nur eine Reichweite von 205 Kilometern. Wählt man die Standard-Range-Version mit maximal 311 Kilometern Reichweite, steigt der Preis beim Franzosen auf 23.450 Euro. Der Renault 5 E-Tech elektrisch startet im Konfigurator mit 28.000 Euro und hat eine Reichweite von 312 Kilometern. Das sind 3.005 Euro mehr als beim ID. Polo. Ähnlich sieht es beim Opel Corsa Electric Edition (Reichweite 355 km) aus, der nicht unter 29.990 Euro zu haben ist.

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