Taxlers Liebling
Der japanische Hybrid-Kombi hat dem Diesel-Taxi den Rang abgelaufen. Doch im Toyota Corolla Touring Sports stecken noch mehr Talente als das Streben nach Effizienz.
Wer in deutschen Metropolen wie Berlin, München oder Frankfurt am späten Abend die Uber-App öffnet, der muss nicht raten, welches Fahrzeug um die Ecke biegen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Toyota Corolla Touring Sports handelt, grenzt an Gewissheit. Der japanische Kombi hat den Mercedes-Benz E-Klasse-Diesel als unangefochtenen Herrscher der Personenbeförderung längst abgelöst. Doch ist dieses Auto nur das Resultat spitzer Flotten-Kalkulation, oder verbirgt sich hinter der pragmatischen Karosserie wirklich ein brillanter Alltagsbegleiter? Wer in der kompakten Mittelklasse auf Kundenfang geht, muss den automobilen Spagat beherrschen: Praktisch soll der Wagen sein, effizient sowieso, aber bitteschön auch optisch etwas hermachen. Im Gegensatz zu seinen eher beliebig gestylten Vorgängern liefert der Toyota Corolla Touring Sports hier klar ab. Mit einer Länge von 4,65 Metern streckt sich der Japaner elegant über den Asphalt. Die dynamisch gezeichnete, relativ flache Silhouette und die scharfe Frontpartie kaschieren den pragmatischen Kern des Fahrzeugs überaus gekonnt.

Doch wo Licht ist, fällt bekanntlich auch Schatten: Die sportliche Dachlinie und das generelle Packaging fordern im Fond ihren Tribut. In der zweiten Reihe geht es für großgewachsene Passagiere spürbar enger zu als bei ausgewiesenen Raumwundern wie einem Skoda Octavia. Versöhnlich stimmt dafür der Blick hinter die Heckklappe: Das Ladevolumen von 581 bis maximal 1.591 Litern ist famos. Dass der 2.0-Liter-Hybrid im Vergleich zur 1.8-Liter-Version ein paar minimale Liter einbüßt, was der in den Heckunterboden gewanderten 12-Volt-Batterie geschuldet ist, verzeiht man ihm gerne. Eine sehr niedrige Ladekante, ein topfebener Ladeboden bei umgeklappten Sitzen und die rundum solide Nutzbarkeit machen ihn zum verlässlichen Transport-Profi. Auch in der ersten Reihe herrscht eitel Sonnenschein. Fahrer und Beifahrer sinken in exzellent konturierte Sitze, genießen großzügige Platzverhältnisse und eine Ergonomie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, nicht die Maschine.
Denn nimmt man auf dem Fahrersitz Platz, offenbart sich eine der aktuell größten Stärken Toyotas: der Widerstand gegen den grassierenden Touch-Wahn. Erfreulicherweise bewahren die Japaner echte, physische Tasten und sauber rastende Drehregler für die Klimatisierung. Das garantiert eine ablenkungsfreie und völlig intuitive Bedienung während der Fahrt, ein Segen im heutigen Touch-Dschungel. Dennoch ist der Corolla längst im digitalen Zeitalter angekommen. Das Infotainment-System, lange Zeit die Achillesferse der Japaner, wurde mit dem letzten Facelift deutlich aufgewertet. Seit der aktuellen Modellpflege blickt der Fahrer auf ein scharfes, vielfältig personalisierbares 12,3-Zoll-Instrumentendisplay. Das zentrale 10,5-Zoll-Touchdisplay reagiert nun angenehm flott, glänzt mit einer logischen Menüstruktur und bindet das Smartphone über Apple CarPlay und Android Auto komplett kabel- und vor allem nahtlos ein. Die Materialanmutung ist grundsolide: Die Kunststoffe und Oberflächen sind klar auf Dauerhaltbarkeit statt auf kurzfristigen Premium-Schein ausgelegt. Alles ist extrem sauber verarbeitet, absolut knarzfrei und verströmt jene unkaputtbare Aura, die man von der Marke erwartet.

Das eigentliche Herzstück des Corolla bildet jedoch der Antrieb. Schon auf den ersten Kilometern im Großstadtdschungel lüftet der Japaner das Geheimnis seiner Uber-Dominanz: die mittlerweile fünfte Generation des Toyota-Hybridsystems. Während die europäische Konkurrenz lange auf filigrane Doppelkupplungsgetriebe und komplexe Plug-in-Hybride setzte, perfektionierte Toyota den Vollhybrid. Der 2,0-Liter-Vierzylinder arbeitet fast schon symbiotisch mit seinen kräftigen Elektromotoren zusammen. In der Stadt rollt der Corolla verblüffend oft rein elektrisch und flüsterleise, das Fahrerdisplay zeigt teilweise Werte von weit über 50 Prozent elektrisch zurückgelegter Strecke an.
Das berühmt-berüchtigte Planetengetriebe, das bei früheren Generationen oft für lautes Aufheulen bei mäßigem Vortrieb sorgte, wurde im aktuellen Corolla deutlich kultiviert. Zwar ist der sogenannte Gummiband-Effekt bei Vollgas auf der Autobahnauffahrt oder beim Austesten der 7,5 Sekunden für den 100 km/h-Sprint physikalisch bedingt noch immer präsent, doch die 196 PS Systemleistung und der sofortige Elektro-Punch sorgen dafür, dass man diese Drehzahlorigen kaum noch abrufen muss. Der Wagen schwimmt souverän, leise und mit einer geradezu meditativen Entspanntheit durch den Verkehr.

Dass diese entspannte Vernunft nicht zwingend langweilig sein muss, beweist der Corolla beim Einlenken. Die steife TNGA-Plattform ist ein ingenieurstechnischer Leckerbissen. Sie drückt den Schwerpunkt tief nach unten und arbeitet an der Hinterachse mit einer aufwendigen Mehrlenker-Konstruktion. Das Resultat ist ein Handling, das man einem derart auf Vernunft getrimmten Auto kaum zutrauen würde. Der Kombi federt verbindlich, schluckt kurze Querfugen souverän weg und lässt sich auf kurvigen Landstraßen mit einer erstaunlichen, fast schon leichtfüßigen Präzision dirigieren, ohne dabei den alltagstauglichen Federungskomfort einzubüßen. Die einzigen Abstriche verlangt der Corolla auf der schnellen Autobahnetappe: Ab Geschwindigkeiten jenseits der 140 km/h dringen Wind- und Abrollgeräusche etwas präsenter in die Kabine. Hier merkt man, dass im direkten Vergleich zur gehobenen Mittelklasse ein paar Kilo Dämmmaterial eingespart wurden.
Die absolute Paradedisziplin des Toyota Corolla bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit. Selbst bei dynamischerer Fahrweise oder endlosem Stopp-and-Go im Feierabendverkehr ist es ein echtes Kunststück, den Verbrauch über die Sechs-Liter-Marke zu treiben. Realistisch pendelt sich der Zweiliter-Hybrid bei beeindruckenden 4,5 bis 5,5 Litern pro 100 Kilometer ein. Gepaart mit der legendären Zuverlässigkeit der Toyota-Technik und der „Toyota Relax“-Garantie, die sich bei regelmäßiger Wartung beim Vertragspartner auf bis zu 15 Jahre oder 250.000 Kilometer verlängert, wird der Corolla zum absoluten betriebswirtschaftlichen No-Brainer.

Dazu kommen die drastisch minimierten Verschleißkosten: Die starke Rekuperation des Elektromotors verzögert das Auto in den meisten Situationen weich und schont die hydraulische Bremsanlage deutlich.
Unter dem Strich ist der Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid eine automobile Vernunftentscheidung, die überraschend viel Spaß macht. Die Uber-Fahrer dieser Welt irren sich nicht. Wer ein Auto sucht, das Prestige gegen unerschütterliche Zuverlässigkeit tauscht, das mit einem überlegenen, extrem sparsamen Antrieb glänzt und dabei im Alltag keine Rätsel aufgibt, findet im aktuellen Corolla den perfekten Begleiter.
Technische Daten Toyota Corolla Touring Sports 2.0 Hybrid
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner + Elektromotor (Vollhybrid) |
| Getriebe | Stufenloses Automatikgetriebe (e-CVT) |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Leistung (Verbrenner) | 98 kW / 133 PS |
| Drehmoment (Verbrenner) | 190 Nm |
| Leistung (Elektromotor) | 83 kW / 113 PS |
| Systemleistung | 132 kW / 180 PS |
| Systemdrehmoment | 190 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| 0-100 km/h | ca. 7,5 Sekunden |
| Verbrauch (WLTP) | 4,6 l/100 km (Testverbrauch: 5,1 l/100 km) |
| CO₂-Emissionen (WLTP) | 100 g/km (CO₂-Klasse C) |
| Batteriekapazität | 1,4 kWh (Nickel-Metallhydrid) |
| Länge x Breite x Höhe | 4.650 mm x 1.790 mm x 1.460 mm |
| Kofferraumvolumen | 581 – 1.591 Liter |
| Leergewicht | 1.515 kg |
| Listenpreis | ab 39.090 Euro |










