Aston Martin DB 12 S

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VonZaid Hamid

8. Mai 2026

Mitten ins Herz

Aston Martin schärft seinen DB12 nach – mit einem kleinen S im Signet und einem winzigen Leistungsplus von gerade einmal 20 PS. Nicht viel – doch für einige Aston-Martin-Fans genug, um mehr als aufgeregt zu sein.

Aston Martin scheint genau zu wissen, wie sein DB 12 S positioniert werden soll. Im Gespräch mit dem Entwicklungsteam wird deutlich, dass sie das neue Topmodell als sportives Bindeglied zwischen dem luxuriösen Grand-Touring-Charakter des Bentley Continental GT und der betont sportlichen Dynamik des Ferrari Amalfi wähnen. Der Bentley ist zutiefst beeindruckend und sein Hybrid-V8-Antrieb ist enorm leistungsstark, doch er fühlt sich in erster Linie immer noch wie ein Luxuscoupé an. Selbst bei sportlicher Fahrweise auf kurvenreichen Landstraßen spürt man das gewaltige Gewicht und den technischen Aufwand, der nötig war, um alles so präzise abzustimmen. Der Ferrari ist dagegen ein völlig anderes Kaliber. Der Amalfi reagiert direkter, agiler und deutlich sportlicher. Und der neue Aston Martin DB12 S? Der positioniert sich irgendwo dazwischen – und genau das macht ihn so faszinierend. Er bietet genug Tempo und Souveränität, um sich vom Ferrari nicht einschüchtern zu lassen, bewahrt aber gleichzeitig die Langstrecken-Komfort und das besondere Flair, das man von einem Aston Martin erwartet. Das hat seinen Preis: wenig überraschende 250.000 Euro.

Die Leistung des 4,0-Liter-V8-Biturbomotors steigt nach der S-Kur auf 514 kW / 700 PS, während das mächtige Drehmoment bei 800 Nm verharrt. Nahezu unverändert auch der Imagesprint 0 auf 100 km/h in 3,4 Sekunden an und eine Höchstgeschwindigkeit von 325 km/h. Schon wichtiger für die Experten im Sportledersitz: der DB12 S verfügt über eine neu kalibrierte Gaspedalkennlinie, um mehr als 50 Prozent verkürzte Schaltzeiten, frisch abgestimmte Bilstein DTX-Dämpfer, einen steiferen hinteren Stabilisator, überarbeitete Sturz-, Spur- und Nachlaufwerte sowie eine Optimierung der Lenkung und des elektronischen Hinterachsdifferenzials. Karbon-Keramik-Bremsen gehören nun ebenfalls zur Serienausstattung und reduzieren die ungefederten Massen um stattliche 27 Kilogramm, während gleichzeitig die Bremsleistung verbessert wurde.

Einiges der Detailarbeit lässt sich am griffigen Ledersteuer spüren. Die Lenkung selbst bietet zwar noch nicht die direkteste Rückmeldung, aber die Vorderachse reagiert aufmerksam und agil, wodurch die Front beim Einlenken in Kurven ein überzeugendes Feedback bietet. Das Fahrgefühl ist präziser und die Vorderachse bietet gerade im Grenzbereich noch mehr Vertrauen als bisher. Die Optimierung von Differenzial und Hinterachse macht sich bemerkbar, sobald man dem Auto das nötige Vertrauen schenkt und in Kurven schneller aufs Gas geht. Mit seinen Michelin Pilot Sport S 5 Reifen bietet der DB12 S eine beeindruckend gute Traktion, und man hat das angenehme Gefühl, dass das Fahrwerk mit dem Fahrer zusammenarbeitet, anstatt den Motor nur zu bändigen.

Dabei präsentiert sich der Fahrkomfort als nahezu perfekt abgestimmt. Er bietet genügend Geschmeidigkeit für das edle, souveräne Fahrgefühl, das man von einem Aston Martin GT erwartet, aber gleichzeitig genügend Karosseriekontrolle, um die sportlichere Fahrdynamik des S zu unterstützen. Auf engen Landstraßen ist die größte Herausforderung nicht das Fahrwerk oder die Leistung, sondern schlicht die Größe des Wagens. Der DB12 S wirkt immer noch massiv, und es dauert einen Moment, bis man sich auf kurvigen Straßen an seine Breite gewöhnt hat. Dabei passt das Achtgang-Automatikgetriebe hervorragend zum Gesamtcharakter des Wagens. Es arbeitet sanft, intelligent und kultiviert – genau so, wie es sich für einen Frontmotor-GT gehört. Nur selten vermisst der Fahrer die direktere, fast schon bissige Reaktion eines Doppelkupplungsgetriebes. Genau das beherrscht der Ferrari Amalfi meisterhaft, und es bleibt eines der prägendsten Merkmale dieses Wagens. Der Aston Martin enttäuscht nie, doch seine Leistungsentfaltung ist spürbar zurückhaltender.

Der Sound trägt zur theatralischen Atmosphäre bei. Beim Kaltstart, insbesondere mit der optionalen Titan-Abgasanlage, glänzt der DB12 S mit einer immensen Präsenz, einem tiefen, sonoren Bass und viel Biss. Während der Fahrt bleibt er angenehm kultiviert, doch im Sport+-Modus wird er deutlich lebhafter und belohnt ambitioniertes Fahren mit kernigen Knallgeräuschen beim Herunterschalten. Er ist unterhaltsam, ohne jemals kindisch zu wirken. Dennoch schwingt im V8-Sound noch immer ein Hauch von AMG GT mit, und wer sich nach dem klassischen Aston Martin V12-Grollen sehnt, wird dem Vanquish mit Wehmut hinterherschauen.

Der Innenraum des Zweitürers aus Gaydon bleibt ein besonderer Ort zum Verweilen. Die Kabine verströmt eine besondere Atmosphäre und hebt sich irgendwo zwischen gesten und heute angenehm von vielen Konkurrenten ab. Dabei hat sich Aston Martin einem reinen Touchscreen widersetzt. Es gibt physische Bedienelemente für die Funktionen, auf die man schnell zugreifen möchte, und diese fühlen sich hochwertig und wertig an, was die Bedienung sehr angenehm macht. Apple CarPlay Ultra ist ebenfalls vorhanden, bietet aber derzeit außer der Integration der Klimasteuerung in die CarPlay-Umgebung kaum Mehrwert. Hier besteht Verbesserungspotenzial, insbesondere da die Bedienelemente bei der Nutzung von Google Maps mitunter die Geschwindigkeitsanzeige im Infotainment-Display verdecken. Wenn es nur das ist…

Technische Daten: Aston Martin DB 12 S

  • Motor: V8-Biturbo
  • Hubraum: 3.982 ccm
  • Leistung: 514 kW / 700 PS
  • Max. Drehmoment: 800 Nm bei 2.750 bis 6.000 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 325 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 3,4 Sekunden
  • Getriebe: Achtgangautomatik
  • Antrieb: Hinterrad
  • Tank: 78 Liter
  • Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.685
  • Abmessungen (L/B/H): 4.725 / 2.060 / 1.295 (L/B/H)
  • max. Ladevolumen: 262 Liter
  • Preis: 250.000 Euro

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