Rekordwagen Auto Union Lucca neu aufgebaut

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VonZaid Hamid

8. Mai 2026

Rasend schnell

Seit einigen Monaten kämpft Audi in der Formel 1 um Sieg und Platz. Rasend schnelle Boliden sind jedoch nichts neues für die Marke mit den vier Ringen. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg donnerten die Ingolstädter mit der internationalen Konkurrenz um die Wette. 1935 war der Auto Union Lucca der schnellsten Straßenrennwagen der Welt. 

Der Name lässt einen die Augenbrauen hochziehen – seine Höchstgeschwindigkeit noch mehr. Der Auto Union Lucca raste im Frühjahr 1935 mit knapp 327 km/h durch die Zeitmessung – das Durchschnittstempo auf der damals noch nicht geschwindigkeitsbeschränkten Autostrada nahe der norditalienischen Stadt Lucca: über 320 km/h. Der Rekord von damals ist dabei kaum weniger beeindruckend als der silberne Rennwagen selbst – gesteuert von Hans Stuck. Die frühen 1930er Jahre waren eine Zeit der Rekorde, denn eine Handvoll tollkühner Piloten lieferten sich am Steuer von Mercedes und Auto Union ein Rennen um die spektakulärsten Rekorde. Stern gegen Ringe, Caracciola und von Brauchitsch gegen Stuck und Rosemeyer, Front- gegen Mittelmotor – der Rekorde bei Rennen und im öffentlichen Straßenverkehr purzeln nur so – alles scheint auf vier Rädern möglich. 

Einen der Rekordwagen hat Audi nunmehr neu erschaffen. Das originale Fahrzeug aus den 1930er existiert nicht mehr und so ist der 4,57 Meter lange Auto Union Lucca ein echtes Neufahrzeug – aufgebaut in drei Jahren nach alten Plänen und Fotos von der britischen Spezialfirma Crosthwaite & Gardiner. Der Lucca war in den turbulenten 1930er Jahren die Antwort von Auto Union – erst 1932 als Fusion von Audi, DKW, Horch und Wanderer entstanden – auf die Rekordfahrten von Rudolf Caracciola. Dieser hatte 1934 neue Bestmarken für Daimler-Benz gesetzt – unter anderem bei fliegendem Start eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 316,592 km/h. Der Auto Union Lucca sollte es schließlich richten, doch die offene Variante schafft es trotz aller aerodynamischen Kniffe nicht, die Daimler-Rekorde zu toppen.

Doch mit der geschlossenen Kanzel nicht genug, denn die Lucca-Karosserie wird fein verschliffen und mit Klarlack überzogen, während die großen Speichenräder mit Verkleidungen bedeckt werden. Der fünf Liter große 16-Zylindermotor bekommt im Winter 1934 eine Hubraumerweiterung auf sechs Liter und einen Kompressor, der die Leistung letztlich von 343 auf 502 PS presst. Doch die Jagd nach neuen Rekorden lahmt, denn sowohl die Testfahrten im ungarischen Gyón als auch südlich von Mailand bringen nicht die gewünschten Erfolge, weil erst Regen und dann Schnee neue Bestmarken unmöglich werden lassen. Bei der Suche nach Sonne und einer geraden Strecke werden die Späher der Auto Union letztlich fündig. Auf der Straße von Florenz nach Viareggio findet sich schließlich ein passendes Teilstück – fünf Kilometer lang, acht Meter breit – zwischen Pescia und Altopascio nahe der Stadt Lucca.

Hans Stuck benötigt mehrere Anläufe, weil der 960 Kilogramm schwere Bolide zwischendurch immer wieder leicht modifiziert wird, um ihn schneller zu machen. Letztlich gelingt der neue Rekord über die Meile bei fliegendem Start mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 320,267 km/h. Unabhängige Chronometreure messen mittels hochmoderner Uhren mit elektrisch auslösender Fotozelle. Zudem zeichnen Messgeräte auf einem Teilstück bei der Rückfahrt eine Höchstgeschwindigkeit von 326,975 km/h auf – der Auto Union mit dem ihm neu verliehenen Namen Lucca ist der schnellste Straßenrennwagen der Welt. „Mich begeistert, mit welcher Dynamik und Geschwindigkeit man schon damals auf den Wettbewerb reagiert hat, sowohl im technischen Bereich, in der Fahrzeugentwicklung, als auch im organisatorischen: Da schlägt das Wetter um und kurzentschlossen zieht das ganze Team schnell weiter“, sagt Projektleiter Timo Witt, „ohne diese große Flexibilität und ohne die Kompetenz, sich rasend schnell auf neue Situationen einzustellen, wäre die Rekordfahrt in Lucca letztlich nicht möglich gewesen.“

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