Im norditalienischen Himmel
Wer am Comer See einmal den Concorso d’Eleganza, die zahlreichen Fantreffs und den Fuori Concorso besucht hat, millionenschwere Oldtimer, Einzelstücke sowie Studien im Schein von Sonne und blauen Fluten bestaunen konnte, der wird sich in diese Szenerie verliebt haben. Eine glückliche Autowelt, wie es diese schon lange nicht mehr gibt – außer bei der Como Car Week . jedes Jahr im Mai.
Die Bilder am Ufer des Comer Sees, in den Gärten von Luxusanwesen wie Villa Erba, Villa del Grumello oder Villa d’Este sind surreal schön – wenn das Wetter passt. Und das hatte nach dem düsteren, aber letztlich doch trockenen Auftakt am Freitagabend mit dem Markenneustart von BMW Alpina und der spektakulären Premiere des Brabus Bodo nach regennassen Vortagen ein Einsehen. Auf der Como Car Week, zu der sich das verlängerte Mai-Wochenende mit den Veranstaltungen zwischen Como und Cernobbio im Laufe der Jahre gemausert hat, gibt es keine schlechte Stimmung in der Autobranche, keine müden Werksauslastungen, aufstrebende Marken aus China oder gar nur Modelle mit Elektroantrieb – eine schöne, alte Autowelt, die so wohl nur noch hier am Comer See existiert.

Die Fans sitzen dicht gedrängt an Kreisverkehren, sind aus Rom, Chur, München, Paris oder London nach Como gereist. Manche Campen, andere bevölkern Luxushotels und Pensionen rund um den See, um drei Tage lang dem Automobil zu huldigen. Während die Eintrittspreise für die Luxusevents hoch und die Wartelisten lang sind, warten hunderte von Autofans an den schmalen Straßen oder an Waschanlagen und Tankstellen, um die begehrten Boliden vor das eigene Smartphone zu bekommen. Fanclubs von Alfa Romeo, BMW, Porsche, Mazda oder Ferrari zieht es an den Südzipfel des Comer Sees. Egal ob Barsitzplatz an der Via Cinque Giornate oder das langsame Abschreiten der 50 Fahrzeuge beim Concorso d’Eleganza oder eine Stippvisite bei den lässigeren Treffs an Villa Erba oder dem Fuori Concorso – die tausenden von Autofans sind begeistert – jedes Jahr aufs Neue.
Längst ist aus dem Klassiktreff in Norditalien ein automobiles Hochamt geworden, das das Goodwood Festival of Speed ebenso in den Schatten stellt wie jede Automesse. Intensiver, breiter und besser ist es nur noch bei der Monterey Car Week, die jedes Jahr an der kalifornischen Westküste in der dritten Augustwoche zelebriert wird. Neben exklusiven Studien machen sich immer wieder auch Weltpremieren in den sattgrünen Gärten rund um Cernobbio breit. So soll in diesem Jahr das strahlend schöne Luxuscoupé Vision BMW Alpina mit eleganten Formen und einem leistungsstarken Achtzylinder den Start der Edelmarke Alpina – nunmehr unter offiziellem BMW-Dach – einläuten. Eine schmale Lücke füllen zwischen edelsten BMW-Modellen, M GmbH und der Nobelmarke Rolls-Royce, die dem Concorso d’Eleganza in diesem Jahr fernblieb. Erst einmal dürfen sich potenzielle Kunden auf einen 7er von Alpina freuen und wenn es dann nach dem X7 ein Coupé mit Alpina-Signet geben dürfte – die Besucher des Comer-See-Festivals dürfte es freuen. Nicht mehr ganz so lange warten müssen Interessenten auf den Brabus Bodo – ein Luxuscoupé, das es so bisher nicht gegeben hat. 1.000 PS, 360 km/h schnell und rund 1,2 Millionen Euro teuer ist es in einer 77er-Auflage der Traum des Brabus-Firmengründers Bodo Buschmann, der 2018 überraschend verstarb. Sein Sohn Constantin – mittlerweile Firmen-CEO – setzte den Traum in schwarz und kreierte den 2+2 auf technischer Basis des Aston Martin Vanquish.

Natürlich geht es am Comer See nicht allein um neue Traumwagen, begehrte Klassiker, Versteigerungen oder Einzelstücke, die Fans den Atem rauben. Man präsentiert nicht allein seine sehenswerten Fortbewegungsmittel, sondern nicht zuletzt sich selbst – stilecht mit Hut und immer eine Smartphone-Kamera in der Hand, die versucht, Zagato Tutto Rosso, Kimera K39 oder einen Porsche 718 RSK ins rechte Sonnenlicht vor dem bläulich schimmernden See zu locken. Wo lassen sich schon Delage D12, BMW M1, Ferrari Testarossa Roadster oder Cadillac Eldorado Brougham bestaunen, während ein süßlicher Zigarrenduft einen zurück in die Historie katapultiert? Mächtig gemacht haben sich in den vergangenen Jahren die Veranstaltungen an der Villa Erba, wo Autoclubs aus ganz Europa ihre Schönheiten präsentieren oder der 2019 ins Leben gerufene Fuori Concorso, der mit wechselnden Themen eine neue Lässigkeit an den See brachte. Für viele Autofans ist ein Mercedes 190 E 2.5-16 V Evo II, der Gumpert Apollo oder ein Koenig Special interessanter als Vorkriegsmodelle oder Concours-Modelle. Gut, dass es am Comer See beides zu bestaunen gibt.













