Genesis Magma GT

Avatar-Foto

VonZaid Hamid

24. Juni 2026

Koreas Angriff auf die Supersportwagen

Vom Luxusgleiter zum Sportwagen-Schreck. Genesis will mit einem 800 PS-Paukenschlag der alteingesessenen Elite das Fürchten lehren. Der Genesis Magma GT nimmt dabei insbesondere den Porsche 911 Turbo und Ferrari 296 ins Visier. 

Le Mans, Offenbach – Genesis will nicht länger nur die feine, gut ausgestattete Alternative zu Mercedes, BMW und Audi sein. Die koreanische Premiummarke arbeitet seit längerem an einer zweiten Identität, die Image, Volumen und sportliche Erfolge bringen soll. Einer, die nicht mehr nur über Leder, Lichtsignaturen und Garantieversprechen wirkt, sondern über Performance und Emotionen. Der Genesis Magma GT ist dafür das bislang radikalste Ausrufezeichen. Offiziell ist der Magma GT Concept nur eine Studie, doch inoffiziell wirkt er längst wie eine leistungsstarke Absichtserklärung auf sehr breiten Rädern. Flache Silhouette, breite Schultern, Mittelmotor-Proportionen, dramatische Türen und ein Auftritt, der weniger an ein klassisches Premium-Coupé erinnert als an einen kommenden Gegner für die ganz Großen. Doch kann er wirklich mehr als ein Porsche 911 Turbo S, Aston Martin Vantage und vielleicht sogar Ferrari 296?

Nachdem Genesis bereits Ende vergangenen Jahres im französischen Le Castellet mit dem Magma GT Concept für offene Münder sorgte, formten die Koreaner im Rahmen des 24h Rennens von Le Mans nun ein deutlich klareres Bild dieses ambitionierten Projekts. Die Verzahnung mit dem traditionsreichen Langstreckenrennen macht Sinn: Genesis will seine Straßenfahrzeuge zunehmend mit dem frisch ausgebauten Motorsport-Engagement in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC zu mehr Strahlkraft verhelfen. Der Magma GT soll dabei exakt jene Rolle übernehmen, die einst der Lexus LFA für die Japaner oder der 918 Spyder für Porsche spielte: ein rollendes Manifest der eigenen Ingenieurskunst. Das Erstaunliche daran: Herzstück des Magma GT ist wie bei den alten Halo-Cars der Konkurrenz ebenfalls ein hochdrehender Ottomotor. Damit sendet Genesis eine klare Botschaft. Es geht der Performance-Mannschaft um mehr als Marketing und orangefarbene Bodykits. Es geht um die Liebe zum Automobil. Und man darf das gerne glauben, schließlich hat der Mutterkonzern Hyundai es selbst mit seiner N-Sparte bewiesen. Was Alt-BMWler Albert Biermann dort vor einigen Jahren auf die Beine gestellt hat, hat nicht weniger als die gesamte GTI-Szene auf den Kopf gestellt. Viele markentreue Kunden aus Wolfsburg und Rüsselsheim nach Korea wechseln lassen.

Mit Genesis scheint sich dieses Kuriosum unter Ex-Porsche-Mann Manfred Harrer nun zu wiederholen. Was er im vergangenen Herbst in Paul Ricard präsentierte, ließ viele vom Elektrifizierungsjoch gequälte Hardliner mit der Zunge schnalzen: Opulente Cabriolets, hinreißende Coupés und sogar einen Shooting Brake hatte der globale Entwicklungschef der Hyundai Group im Gepäck und überraschte damit nur die Branche, sondern gleich die ganze Szene. Wenn er also mit einem Leuchten in den Augen davon spricht, dass er im Magma GT mehr als ein Konzept sieht, dann darf man davon ausgehen, dass er den Supersportler schon ein paar Mal mit vollem Ladedruck auf der Ideallinie entlangbalanciert hat. Druck dürfte reichlich vorhanden sein. Der GT wird aller Voraussicht nach den Technologietransfer zum Le-Mans-Prototyp von Genesis Magma Racing vollziehen dürfen und dessen 3,2-Liter-V8-Biturbo-Hybrid nutzen. Abgeleitet wurde das Aggregat übrigens aus der Rallye-Erfahrung von Hyundai Motorsport. Vereinfacht gesagt: Zwei 1,6-Liter-WRC-Vierzylinder wurden zu einem V8 verschmolzen und mit einer Prise Hybrid-Unterstützung zu 800 PS frisiert.

Wie sehr man in Korea das Thema Freude am Fahren verstanden hat, zeigt auch der Blick in den Innenraum. Während die Konkurrenz ihre Armaturenbretter zunehmend mit überdimensionierten wie seelenlosen Hyperscreens zupflastert, feiert Genesis im Magma GT die Renaissance des Analogen. Das Interieur verströmt pure Oldschool-Vibes. Herzstück bildet dabei die offene Schaltkulisse: Ein mechanischer Schalthebel, der mit metallischem Klacken durch eine präzise gefräste Aluminium-Führung gleitet – geschenkt, dass es sich hierbei nur um einen Automatik-Wählhebel handelt, denn es ist die Geste, die zählt. Flankiert wird das Ganze von wunderschön gearbeiteten, analogen Rundinstrumenten, die an teure Chronographen erinnern. Dennoch zeugen hochwertigste Sattlerarbeiten und feines Leder davon, dass der Über-Genesis nicht als spartanisches Trackday-Tool à la 911 GT3 RS gedacht ist. Die Koreaner streben vielmehr eine faszinierende Nische an: Eine luxuriöse Hochleistungsmaschine, die souveränen Langstreckenkomfort mit gnadenloser Rennstrecken-Performance kreuzt. Im Grunde ein alltagstaugliches Einstiegs-Hypercar. 

Der Magma GT kommt zudem zu einem spannenden Zeitpunkt. Die gesamte Branche steht unter Druck. Das Kostendiktat ist strenger denn je, für Spielzeuge und Fingerübungen ist längst kein Platz mehr. Doch selbst Zuffenhausen würde dieser Tage ein Nachfolger des 918 Spyder gut tun. Ein Auto, dass das Profil schärft, ein Auto, dass zum Träumen anregt, ein Auto, dass man haben will. Und genau das ist der Genesis Magma GT. Über Preise wird natürlich noch lange nicht gesprochen. Doch selbst wenn die Koreaner 250.000 Euro anschreiben würden – die Konkurrenz hat vergleichbares schlicht nicht zu bieten. Und die Tage, dass man mit Sonderangeboten die Kunden locken muss, sind lange vorbei. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Mannschaft um Manfred Harrer die gezeigten Modelle in Serie bringt, dann wird man nicht nur den Wörthersee aufgemischt haben, sondern auch die Prachtboulevards dieser Welt.

Kommentar verfassen