Neuvorstellung: Porsche Mission S

Neuvorstellung Porsche Mission S: Hypercar-Mittelmotor-Studie über dem 911 mit 750 PS-Achtzylinder? Alle Details im Überblick.

1953 gingen von einem Pier in Queens die ersten Bilder eines Porsche 550 Spyder um die Welt, aufgenommen mit Blick auf die Skyline von Manhattan. Der kleine Mittelmotor-Renner machte aus einer schwäbischen Sportwagenschmiede ein Gesprächsthema in den USA. 73 Jahre später steht Porsche wieder an derselben Stelle und zieht das Tuch von einem Auto, das ebenfalls einen Mittelmotor hat und wieder die Welt beeindrucken soll. Der Ort ist klug gewählt, das muss man den Stuttgartern lassen.

Mission S – Auftrag erkannt, Antrieb unbekannt

Mit dem Mission S zeigt Porsche ein Visionsmodell, das zugleich die Designrichtung der Marke und eine neue Mittelmotor-Supersportwagenplattform oberhalb des 911 ankündigt. Das Auto setzt auf eine puristische Formensprache, analoge Rundinstrumente und ein auf den Fahrer ausgerichtetes Cockpit. Technische Daten nennt Porsche allerdings nicht.

Strategie: Der Anspruch einer großen Mission

Im Rahmen der Neuausrichtung „Sportwagenschmiede ‚35“ präsentiert Porsche das Auto als ersten Ausblick auf die weiterentwickelte Designidentität der Marke. Vorstandschef Dr. Michael Leiters sagt: „Ein Porsche muss auf den ersten Blick als Porsche erkennbar sein.“ Der Mission S steht zugleich für eine Plattform oberhalb des 911, die nicht als einmaliges Hypercar gedacht ist, sondern als dauerhaftes und vielfältiges Zusatzangebot.

Style-Leiter Tobias Sühlmann beschreibt das Konzept als gesamthaft gedachte Designstrategie, die zeitnah in das künftige Produktportfolio übersetzt werden soll. Die drei Leitbegriffe lauten authentisch, konsequent und zeitlos. Aus redaktioneller Sicht ist die Richtung nachvollziehbar, die Begriffe sind allerdings so allgemein gehalten, dass sie sich schwer überprüfen lassen.

Exterieur: Reduktion auf alte Tugenden

Typische Merkmale werden in die Zukunft übersetzt: Torpedo-Kotflügel, eine ikonische Dachlinie und ein dramatisches Verhältnis von Breite zu Höhe. Daraus entstehen sogenannte „floating volumes“, also fließende, schwebende Flächen, die wie eine technische Skulptur wirken. Eine umlaufende Hauptlinie verbindet die Lichtsignaturen an Front und Heck. Oberhalb betonen die Flächen Muskulosität, unterhalb machen sie technische Funktionen sichtbar und unterstreichen die Leichtbauphilosophie.

Die Anleihen sind zahlreich: Runde Scheinwerfer und markante Kotflügel erinnern an den 911, die in die Lichtgrafik übergehenden Fugen zitieren das G-Modell. Die flache Front orientiert sich am GT1, von dem auch das Car-in-Car-Konzept am Heck stammt. Die Dachlinie unter dem Heckflügel erinnert an den 959 und ist beim Mission S bis ins Heck durchgezogen. Stilistisch ist die klare Linie des neuen Designteams aus unserer Sicht ein Schritt zurück zu den Kernwerten der Marke. Die sehr ausladenden und überladenen Details der zuletzt überarbeiteten Modelle wie 911 und Panamera trafen nicht immer den Kundengeschmack.

Mittelmotor-Architektur: Technik-Hinweise zwischen den Zeilen

Die Proportionen sind von der Mittelmotor-Architektur geprägt. Der Motor sitzt zentral, was die typische Flyline ermöglicht. Besonders auffällig ist der Lüfter. Porsche erwähnt eine Reminiszenz an den Lüfter des 917 als Kühllösung. Ein horizontal liegendes Lüfterrad hat es bei Porsche eigentlich nur bei Rennsport-Prototypen mit acht und zwölf Zylindern gegeben. 

Wir ziehen daraus einen Schluss, den Porsche nicht bestätigt: Die Serienversion müsste mindestens einen Achtzylinder-Boxer bekommen. Dazu passen die Gerüchte vom Sommer, Porsche habe sich für einen Kauf von Ruf Automobile interessiert. Ruf hat gerade den B8 vorgestellt, einen Mittelmotor-Supersportwagen mit Achtzylinder-Boxer und zwei Turbos. Auch das Preview-Video von Porsche passt ins Bild: Es zeigt eine Drehzahlgrenze von 7.500 Umdrehungen, was zu einem Turbo-Setup passt.

Und wenn der Mission S eine Rangordnung oberhalb des 911 herstellen soll, muss Porsche schon allein dafür mehr bieten als den bekannten Sechszylinder-Boxer. Die Leistung dürfte mit Blick auf 911 Turbo S und einen kommenden GT2 RS beim Serien-Hypercar gerne oberhalb von 750 PS liegen. Allein deshalb erscheint ein 8er-Boxer mit vier oder mehr Litern Hubraum das Triebwerk der Wahl, zumal Porsche im Teaser-Video keinen Hybrid-Modus auf dem Display zeigte. Der Supersportler könnte also tatsächlich analog und nicht elektrifiziert auf den Markt kommen.

Interieur: Rückbesinnung auf Rundinstrumente statt Display-Landschaft

Der Innenraum orientiert sich am 550 Spyder und am 356. Zwei prägende Linien verlaufen durch Armaturentafel und Türen und vermitteln das Gefühl, tief im Fahrzeug zu sitzen. Klassische Schalter und Tasten werden mit modernen Anzeigen kombiniert. Neue Lösungen an den Sitzen sind ein integrierter Gurtverschluss in der Mittelwange und neu positionierte elektrische Verstellmöglichkeiten.

Im Fokus steht der Fahrer. Hinter dem Lenkrad sitzen fünf Rundinstrumente. Im Zentrum steht der Drehzahlmesser mit analoger Nadel und einem Display dahinter. Je nach Fahrmodus rückt der Drehzahlmesser näher an den Fahrer, und die Instrumententuben ordnen sich nebeneinander oder hintereinander an. Die Schlüsselaufnahme liegt wie bei Porsche üblich links vom Lenkrad. Push-Pull-Bedienelemente im Dashboard ermöglichen den direkten Zugriff auf Komfort- und Fahrfunktionen, das Sport-Chrono-Element wurde neu interpretiert.

Porsche verzichtet auf ein dauerhaft integriertes Center-Display und ein fest installiertes Beifahrer-Display. Stattdessen lässt sich ein Smartphone-System ausfahren, das mit MagSafe kompatibel ist, und das eigene Smartphone wird zum Navigations- oder Informationsdisplay. Eine reduzierte MyPorsche-App ermöglicht den Zugriff auf alle Funktionen und die Auswahl historisch inspirierter Styles für die Rundinstrumente.

Preis des Porsche Mission S

Porsche nennt keinen Preis. Das Fahrzeug ist ein Visionsmodell, und auch zum Marktstart gibt es bislang keine Angaben. Porsche kündigt lediglich an, erstmals ein dauerhaft verfügbares Supersportwagenangebot oberhalb des 911 zu entwickeln. Der Preis dürfte sich im Bereich von 500.000 Euro abspielen und damit den großen Ferrari- und McLaren-Modellen das Wasser abgraben und gehörig in der Hypercarliga rund um die echten Exoten mitfischen. Die Marge der Stuttgarter kann den Erfolg der großen Mission gut gebrauchen.

Technische Daten: Porsche Mission S

  • Fahrzeugtyp: Visionsmodell, Mittelmotor-Supersportwagen-Plattform
  • Antrieb/Motor: nicht genannt
  • Leistung/Drehmoment: nicht genannt
  • Kühlung: Lüfter-Reminiszenz an den 917
  • Heckflügel: aktiv, vollständig integriert
  • Felgen: Design nach 928-Wählscheibe, auf Leichtbau ausgelegt
  • Außenfarben: Firnweißmetallic, Lichtrotmetallic, Black Chrome
  • Innenfarbe: Special Black
  • Instrumente: fünf analoge Rundinstrumente
  • Display: kein festes Center- oder Beifahrer-Display, ausfahrbares Smartphone-System (MagSafe)
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