Der R8 ist zurück

Der Audi R8 ist zurück – zumindest als Kleinserie von 499 Fahrzeugen, doch dafür mit den Genen eines echten Supersportwagens, Hybrid-V8 und Karbon-Karosse. Den Namen hat man doch irgendwo in der Audi-Historie schon einmal gehört: Nuvolari.

Audi will endlich den Anschluss finden – nach dem Ende von Coupés, Cabrios und Sportwagen wieder echte Gefühle wecken und nicht allein der übermächtigen Konkurrenz aus München aus Stuttgart hinterherfahren, die nicht allein bei den Verkaufszahlen enteilt ist. Insbesondere ins Image soll investiert werden und dafür dürfte neben dem Serienmodell der elektrischen Roadsterstudie Concept C die Neuauflage des Audi R8 sorgen. Von dem Mittelmotorsportwagen hatten sich die Ingolstädter erst vor zwei Jahren verabschiedet. Einen Nachfolger wünschten sich nicht allein Touren- und Sportwagenfans, sondern auch die Audi-Tochterfirma Lamborghini, denn die mussten den Temerario als Nachfolger des erfolgreichen Huracan allein auf die Räder stellen. 

Nachdem der Lamborghini Temerario als Mittelmotorsportwagen mit einer Kombination aus einem vier Litern großen V8-Turboaggregat und einer elektrischen Vorderachse nunmehr seit knapp einem Jahr auf dem Markt ist, hat sich Audi doch entschieden, wieder einen Sportwagen zu fertigen. Weil die nötigen Werkzeuge für eine echte Großserie fehlen, der Fertigungsaufwand mit einer modulartigen Produktion in Norditalien und Deutschland zu groß ist und die Begehrlichkeiten hoch gehalten werden sollen, gibt es den Audi Nuvolari nur in einer limitierten Stückzahl von 499 Stück. Der Preis ist gigantisch: 590.000 Euro. Dafür gibt es eine Karbonkarosserie, Plattform und Antrieb vom Lamborghini Temerario und ein betont puristisches Design.

Nach gerade einmal eineinhalbjähriger Entwicklungszeit kommt der Mittelmotorsportler bereits Ende des Jahres auf den Markt und wird ab Anfang 2027 ausgeliefert. Schneller als erwartet und ebenso wie mancher Konkurrent nicht als Elektroversion, sondern als leistungsstarker Powerhybrid mit 736 kW / 1.001 PS. Die Höchstgeschwindigkeit: über 350 km/h. Entstanden ist der geschlossene Doppelsitzer in einem streng gesicherten Geheimprojekt in einem separaten Teil des Audi-Designcenters in Ingolstadt, zudem nur wenige Zutritt hatten. Ein großer Vorteil: als die Kleinserie bereits beschlossen war, tauschte Audi seinen Entwicklungsvorstand aus. Der farblose Geoffrey Bouquot wurde zum März 2026 von Konzerngewächs Rouven Mohr ausgetauscht. Der 47jährige Saarbrücker war als CTO vorher für die Entwicklungen bei Lamborghini verantwortlich und kannte den Plattformgeber Temerario bestens. Das beschleunigte das Projekt deutlich. „Der Nuvolari ist der erste Supersportwagen mit High-Performance-Hybridantrieb von Audi und definiert mit seiner Aerodynamik und der Weltneuheit Quattro Predictive Ride neue Maßstäbe“, kündigt Rouven Mohr einen besonders fahrdynamischen Allradantrieb für den neuen Sportler an.

Doch ansonsten halten sich die Ingolstädter mit technischen Nuvolari-Details noch zurück. Für den Antrieb sorgt jedoch ein aufgeladener V8-Benziner mit vier Litern Hubraum und 588 kW / 800 PS und 730 Nm maximalem Drehoment. Elektrisch unterstützt wird der Verbrenner ebenso wie der Temerario von einem Axialfluss-Elektromotor im Doppelkupplungsgetriebe und zwei Elektromotoren mit jeweils 110 kW / 150 PS an der Vorderachse, die für einen Allradantrieb sorgen und von einem 7,3 kWh großen Batteriepaket mit Energie gespeist werden. Aus dem Stand geht es in 2,6 Sekunden auf Tempo 100 und die nach 6,8 Sekunden wird die 200er-Marke durchbrochen. 

Neu entwickelt wurde der Allradantrieb des Sportwagens, der den aktuellen Fahrzustand auf Basis von detaillierten Sensordaten wie Beschleunigung, Lenkwinkel, Gierrate und das aktuelle Grip-Niveau in Sekundenbruchteilen in die Systemregelung einbringt. Die Antriebseinheiten aus Verbrenner und den drei Axialflussmotoren verteilen das Drehmoment dabei gezielt in Längs- und Querrichtung, während die Bremsen den Schlupf reduzieren und eine aktive Aerodynamik für den rechten Anpressdruck sorgt. Für maximaler Verzögerungen sorgt eine Hochleistungsbremsanlage mit Zehnkolben-Festsättel (420 × 40 mm Durchmesser) vorn und Vierkolben-Sättel mit Scheiben im Format 410 × 32 mm an der Hinterachse. Eine speziell abgestimmte Innenbelüftung der Bremsscheiben verbessert den Luftdurchsatz und steigert die Wärmeabfuhr gegenüber herkömmlichen Karbon-Keramik-Systemen um rund 20 Prozent. Das Rekuperationspotenzial der Bremse liegt bei 2,8 Megawatt – das ist Formel-1-Niveau.

Die Bezeichnung Nuvolari gab es bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten bei einer 2+2-sitzigen Konzeptstudie, die später ins Audi A5 Coupé mündete. Die Namensgebung geht zurück auf das Jahr 1933 als Tazio Nuvolari das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. 1892 in Mantua geboren war Tazio Nuvolari einer der erfolgreichsten Rennfahrer der Vorkriegszeit. Bekannt war der zierliche Italiener, einst Werksfahrer der Auto Union, bis zu seinem Tod im Jahre 1953 durch seinen spektakulären Fahrstil und den obligatorisch gelben Pullover, den er im Rennwagen stets trug. 

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