Totgesagte leben bekanntlich länger. In den vergangenen Jahren galt der Pariser Salon vielen Herstellern als Pflichttermin, bei dem man einen Stand buchte, um Präsenz zu zeigen. In diesem Jahr ändert sich das: Chinesische Anbieter nutzen die Messe als Brückenkopf nach Europa, und die französischen Marken wollen sich im Heimspiel nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.
Heimspiel mit Gästen
Der Pariser Automobilsalon vom 12. bis 18. Oktober bekommt wieder Gewicht: Französische Marken setzen auf Wiedergeburt großer Namen, chinesische Hersteller auf Europa-Strategien, während BMW und Mini abgesagt haben. Die Messe zeigt ungewöhnlich viele Konzeptfahrzeuge und echte Welt- sowie Europapremieren. Ein Überblick, was in der Porte de Versailles zu erwarten ist.
Renault und Alpine: Elektrische Renaissance mit Bodenhaftung
Bei den Franzosen steht der Salon im Zeichen der Wiederbelebung. Die glorreiche Vergangenheit soll die elektrische Zukunft mit Leben füllen. Renault hat das mit dem R4 und dem R5 bereits vorgeführt und legt mit dem Renault 8 Gordini Concept nach: Er ist eine elektrische Neuinterpretation des R8 Gordini von 1964. Der Zweitürer ist nur 1,27 Meter hoch, treibt die Hinterräder an und leistet 199 kW / 270 PS. Trotz Studienstatus wirkt das Konzept recht realistisch. Es zeigt zudem, wie Renault emotionale Elektroautos unterhalb von Alpine inszenieren könnte; ob das Fahrzeug so in Serie geht, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.

Bei Alpine ist die dritte Generation der A110 das Thema, die elektrisch ausfallen wird. Konkrete Details bleibt die Marke allerdings schuldig: In Paris steht lediglich eine Skulptur, die erstmals Proportionen und charakteristische Linien des künftigen Modells erkennen lässt. Größere Aufmerksamkeit dürfte der PS1 („Projet Spécial 1“) erhalten, eine Studie, die in Paris Weltpremiere feiert und an die A310 erinnert. Dacia zeigt den neuen Spring und den Striker und gibt sich damit zurückhaltender, was die Zukunftsplanung betrifft.
Stellantis: Neun Konzepte, einige Hinweise, einige Vermutungen
Der Konzern bringt acht Marken und neun Konzeptfahrzeuge nach Paris. Bei Citroën gilt eine elektrische Interpretation des 2CV, der legendären Ente, als so gut wie sicher; Peugeot stellt vermutlich eine elektrische Neufassung des 205 Turbo 16 aus. Dafür spricht, dass sich die Marke den Namen E-T16 hat schützen lassen und zuletzt mehrfach die Rallye-Ikone erwähnte. Beide Angaben beruhen auf Indizien, nicht auf offiziellen Bestätigungen.

Alfa Romeo enthüllt den Cuorerosso (rotes Herz). Die Studie soll eine auf den Fahrer zugeschnittene Zukunftsvision mit italienischem Design, innovativer Technologie und Fahrspaß zeigen. DS bringt neben dem bekannten N°7 ein noch namenloses „exploratives Concept Car“, das die künftige Designsprache der Marke widerspiegeln soll. DS-CEO Xavier Chardon hatte zuvor eine mutigere und eigenständigere Vision der Marke angekündigt, was Raum für Spekulationen lässt.

Konkreter fällt Opel aus. Der STX Concept (Sports Tourer eXperimental) feiert Weltpremiere und fällt durch einen neu gestalteten Vizor, ein steil abfallendes Heck und aktive Aerodynamikelemente auf. Opel bestätigt nicht, dass die Studie den nächsten Astra vorwegnimmt; denkbar wäre aber ein Ausblick auf den kommenden Astra Sports Tourer. Fiat setzt auf Praktikabilität: Das Multiplay Concept greift Ideen der historischen Multipla-Modelle auf, ohne ein simpler Retro-Van zu sein. Laut Fiat verbindet es die offene Ladefläche und Outdoor-Vielseitigkeit eines Pick-ups mit dem Komfort und der Flexibilität eines SUV. Ergänzend feiern der Fiat Grizzly und der Grizzly Fastback ihre Europapremiere.

Chinesische Hersteller: Lokalisierung und KI statt Wow-Effekt
Auf den Ständen der chinesischen Marken gibt es weniger Nostalgie und weiterhin eine hohe Schlagzahl; der Überraschungseffekt hat sich allerdings abgenutzt. Viele Anbieter wollen in Europa mit Lokalisierung und künstlicher Intelligenz punkten. BYD hebt sich die wichtigste Überraschung bis zum 12. Oktober auf. Zu erwarten ist ein Auto im B- oder C-Segment, speziell für Europa entwickelt – dafür sprechen Aussagen von Europachefin Stella Li, wonach BYD künftig auf den Kontinent zugeschnittene Modelle in diesen Segmenten entwickeln will. Das bleibt eine Annahme. Konkreter ist Denza: Die Marke zeigt neben dem SUV BAO 5 auch den Denza Z in den drei Varianten Coupé, Spider und Racing.

SUV-Flaggschiffe und Hybridtechnik: Die Europapremieren im Detail
Geely bringt den Monjaro EM-i nach Paris, den ersten globalen Plug-in-Hybrid-SUV der Marke im D-Segment. Technisch kombiniert er die neue GEA-Evo-Architektur mit dem EM-i Super Hybrid und einem intelligenten elektrischen Allradsystem. Für die Expansion in Europa gilt das Modell als wichtiger Baustein.

XPeng setzt mit dem G9L ähnliche Akzente. Das SUV-Flaggschiff ist 5,12 Meter lang, hat einen Radstand von 3,10 Metern und feiert seine Europapremiere. Für den hiesigen Markt entstand eigens eine Variante mit sechs Einzelsitzen.
Leapmotor kommt mit zwei Europapremieren: dem Kompakt-BEV B03 und dem 5,25 Meter langen Flaggschiff-SUV D19. Besonders interessant ist der D19 mit Range-Extender. Seine 80,3-kWh-Batterie soll mehr als 300 Kilometer WLTP-Reichweite ermöglichen, Werte, die bis vor Kurzem reinen Elektroautos vorbehalten waren. Der Verbrennungsmotor dient hauptsächlich als zusätzliche Reichweitenversicherung; das Konzept lautet: Elektromobilität ohne Reichweitenangst.
GAC zeigt den Aion UT Cross, der speziell für europäische Kundenbedürfnisse entwickelt wurde. Bemerkenswert: Der Hersteller hat den UT Cross bereits als EU-Marke angemeldet, weshalb weitere Crossover folgen dürften. Zeekr reiht sich mit dem 9X in die Riege der großen SUV ein.
Deutsche Marken: Zurückhaltung mit Ausnahmen
Die deutschen Hersteller üben sich überwiegend in Zurückhaltung. BMW und Mini hatten ihre Teilnahme zunächst angekündigt und wieder abgesagt. Smart debütiert mit dem #2, dem elektrischen Zweisitzer und Nachfolger des Fortwo, dem der Kultfaktor in die Wiege gelegt ist.

Mercedes-Benz präsentiert Messepremieren: den neuen GLA, den AMG CLA 45, den GLE, den AMG GT 4-Türer und den elektrischen VLE. Audi zeigt den A2 e-tron erstmals öffentlich auf einer Automesse. Auch Volkswagen ist vertreten.


