Reportage: Die Rückkehr zum Individualverkehr

Die Corona Krise bestimmt seit rund einem Jahr unser alltägliches Leben. Dem Auto hat sie eine wahre Renaissance gebracht. Öffentliche Verkehrsmittel tun sich stattdessen schwerer denn je und selbst bei Jüngeren wird das Auto wieder wichtiger.
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Das Auto liegt im Trend

Die Corona Krise bestimmt seit rund einem Jahr unser alltägliches Leben. Dem Auto hat sie eine wahre Renaissance gebracht. Öffentliche Verkehrsmittel tun sich stattdessen schwerer denn je und selbst bei Jüngeren wird das Auto wieder wichtiger.

Für die Deutschen ist das Auto absolut unabkömmlich. Egal ob dienstlich oder privat, ob für kurze oder lange Strecken: Fast die Hälfte der Autofahrer (44 Prozent) nutzt das eigene Auto jeden Tag – sowohl für berufliche als auch freizeitliche Zwecke. Dabei sind die zurückgelegten Strecken länger als man meinen dürfte. Während gerade einmal 17 Prozent der Befragten unter 100 Kilometer pro Woche zurücklegen, fährt ein Viertel der Teilnehmer zwischen Montag und Sonntag Strecken von über 300 Kilometer. Das spiegelt sich auch im Tankverhalten wider. 14 Prozent müssen mehrmals an die Tankstelle und gut ein Drittel füllt den Tank einmal die Woche neu auf. Dabei sind die am häufigsten getankten Kraftstoffe Benzin (54 Prozent), Diesel (31 Prozent) und Super E10 (überschaubare acht Prozent).

Nach einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts Innofact gewinnt das eigene Auto insbesondere bei Jüngeren wieder an Bedeutung, denn hier fühlen sich viele der Pandemie im Auto deutlich wohler als in öffentlichen Verkehrsmitteln und nutzen es daher verstärkt. Am stärksten ausgeprägt ist der Trend zu den eigenen vier Rädern bei den 18- bis 39-Jährigen. Hierfür wurden im Dezember 2020 online 1.000 Autofahrer aus ganz Deutschland befragt. 27 Prozent der Befragten nutzen seit Beginn der Pandemie verstärkt das Auto, um Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln zu vermeiden. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es sogar 37 Prozent. Zudem habe sich die Nutzung verändert, gaben 39 Prozent aller Teilnehmer zu Protokoll. Bei den Jüngeren traf das auf mehr als die Hälfte zu (51 Prozent). Sie gaben an, das Auto verstärkt für Wege zu nutzen, die sie sonst in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt haben, etwa um einzukaufen (26 Prozent) oder zur Arbeit zu fahren (24 Prozent).

Das veränderte Mobilitätsverhalten schlägt sich auch in der Nutzungsdauer des Fahrzeugs nieder: Trotz der Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der zunehmenden Arbeit im Homeoffice verbringen 26 Prozent der Befragten mehr Zeit im Auto als vor Beginn der Pandemie. Unter den 18- bis 39-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 35 Prozent. Nur 19 Prozent aller Teilnehmer halten sich kürzer im Fahrzeug auf als früher, bei 55 Prozent ist die Zeit gleich geblieben. Aus der Studie geht ebenfalls hervor, was der Hauptgrund für die stärkere Nutzung des Autos ist: Angesichts von Corona fühlt sich mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) heute im Auto wohler. Bei den 18- bis 39-Jährigen trifft das in noch höherem Maße zu (58 Prozent). Nur zwei Prozent aller Teilnehmer fühlen sich im Auto daher weniger wohl als vor der Pandemie.

Teure Benzinpreise

Bei der Frage, wodurch sich das Wohlbefinden im Auto noch steigern ließe, steht entsprechende musikalische Unterhaltung mit 62 Prozent der Befragten an erster Stelle. Einen hohen Stellenwert haben zudem bequeme Sitze (51 Prozent), genügend Platz (46 Prozent) sowie die Möglichkeit, Ruhe genießen zu können (47 Prozent). Genau die gleichen Faktoren zählen auch für die 18- bis 39-Jährigen, sie sind ihnen aber durchweg noch wichtiger (Musik: 74 Prozent; Sitze: 60 Prozent; Platz: 52Prozent; Ruhe: 53 Prozent). Zum Trend des Cocoonings auf vier Rädern passt auch, dass 24 Prozent aller Befragten – und 39 Prozent der Jüngeren – seit Beginn der Pandemie Dinge gekauft haben, die das Interieur ihres Autos verschönern oder gemütlicher machen. Am häufigsten ging es dabei um einen angenehmen Raumduft, gefolgt von funktionellen und komfortsteigernden Elementen bis hin zu dekorativen Accessoires.

Was den Deutschen jedoch ernsthafte Sorgen bereitet, sind die steigenden Spritpreise. Jeder Zweite empfindet die aktuelle Entwicklung rund um den Benzinpreis beunruhigend, während jedoch nur 22 Prozent ihn allgemein für zu hoch halten. Doch die deutschen Autofahrer wissen sich auch zu helfen. Denn mehr als die Hälfte der Befragten nutzt eine Smartphone-App, um Preise zu vergleichen und entscheidet erst dann, welche Tankstelle sie anfährt. Immerhin 15 Prozent nutzen das Angebot mit der freundlichsten Bedienung. Knapp jeder Dritte nutzt die Tankstelle, die auf dem Weg liegt. Die Veränderungen in der Automobilindustrie gehen auch an den Nutzern nicht vorbei. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) ist davon überzeugt, dass auch zukünftig vor allem Benzin und Diesel als Antriebsform genutzt werden. Während der elektrische Antrieb mit 13 Prozent bloß auf dem dritten Platz landet, glaubt immerhin noch ein Fünftel an die Zukunft des Wasserstoffs bzw. der Brennstoffzelle.

Generell sind die Deutschen nicht besonders empfänglich für die Idee, auf ein Elektroauto umzusteigen. Ganze 65 Prozent sind davon abgehalten, was zum einen an der geringen Reichweite (36 Prozent) sowie den hohen Leasing- bzw. Anschaffungskosten (32 Prozent) und der verbesserungswürdigen Ladeinfrastruktur (31 Prozent) liegt. Gerade einmal 35 Prozent der Teilnehmer haben überhaupt schon mal in Betracht gezogen, sich ein E-Auto anzuschaffen. Dabei ist der stärkste Beweggrund für 41 Prozent der Umweltaspekt. Und was ist sonst eine Alternative zum Auto für die Deutschen? Laut der Studie sehen immerhin 42 Prozent die öffentlichen Verkehrsmittel als gute Ausweichmöglichkeit. Die am zweithäufigsten genannte Antwort ist für 21 Prozent der Befragten das Elektrofahrrad.

Autor:

Patrick Solberg, Stand: 2021-02-08 15:29:00
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