
Wenn Milliardäre träumen….
Sir Jim Ratcliffe, Abenteurer und Firmenchef eines britischen Petrochemie-Imperiums, hatte einen Narren im historischen Land Rover Defender getroffen. Als dieser eingestellt wurde, entschied Ratcliffe den besten Defender aller Zeiten zu bauen – mit moderner Technik – unter eigenem Label.
Der Traum von Sir Jim Ratcliffe wurde 2017 automobile Realität und im Sommer nächsten Jahres soll es losgehen. Der Ineos Grenadier, bei Magna in Steyr entwickelt und dann im alten Smart Werk in Hambach produziert, soll eine Marktlücke füllen, die nach dem Produktionsende des alten Land Rover Defender offenblieb: ein puristischer, betont nutzenorientierter Geländewagen nach Vorbild von Defender, Toyota Land Cruiser oder Mercedes G-Klasse, die mittlerweile ins Luxussegment abdrifteten. Dafür wurde nicht nur die neue Firma Ineos Automotive als Tochter der Ineos Group gegründet, sondern der 4,93 Meter lange Klettermaxe von Grund auf neu konzipiert. Im Lastenheft standen Langlebigkeit, rustikale Offroad-Fähigkeiten und ein nicht zu unterschätzender lässiger Brit-Charme, der Käufer bringen soll, die derzeit kein geeignetes Fahrzeug auf dem Markt finden.
Derzeit sind rund 130 Grenadier-Prototypen an aller Welt unterwegs, um weltvolle Testkilometer abzuarbeiten und im Juli 2022 bereit für den harten Kundeneinsatz zu sein. Insgesamt soll die Prototypenflotte des Ineos Grenadier dann 1,8 Millionen Testkilometer zurückgelegt haben. Neben den Testfahrten auf europäischen Straßen mussten die Modelle des Grenadier unter anderem auf dem ehrwürdigen Magna-Hausberg Schöckl zeigen, was sie können. Hier lernte schon die Mercedes G-Klasse das famose Klettern. Und ganz nebenbei wird die G-Klasse seit vier Jahrzehnten bei Magna Steyr in Graz gebaut. Wenn das kein gutes Omen ist. Als nächstes geht es für die Entwickler nach Marokko zu Erprobungsfahrten in den Dünen.
Die kantige Optik des Offroaders erinnert alles andere als verschämt an die Optik des Defenders und auch die legendäre Mercedes G-Klasse stand bei der Kreation des Grenadier fraglos Pate. Im Innenraum geht es jedoch noch rustikaler zu als von außen. Gerade die Mittelkonsole lockt nicht nur die einem 12,3 Zoll großen Touchscreen, sondern bietet dem Auge mit seinen Kippschaltern und Drehregler ungewöhnliches. Pfiffig: Hilfsschalter sind eingebaut und bereits vorverkabelt, um die Ergänzung von Seilwinden, Arbeitsleuchten und anderem Zubehör zu erleichtern. „Als wir mit den Planungen für den Innenraum des Grenadier begonnen haben, haben wir uns davon inspirieren lassen, wo die Schalter für eine optimale Nutzung in modernen Flugzeugen, Booten und sogar in Traktoren angeordnet sind: Die häufig Benötigten sind in direkter Griffweite, die anderen etwas weiter weg“, sagt Designleiter Toby Ecuyer, „der Grenadier befolgt das gleiche Grundprinzip. Das Layout ist funktional, logisch und bedienungsfreundlich konzipiert. Er ist ausgestattet mit allem, was notwendig ist – und mit sonst nichts.“
BMW-Power an Bord
Genauso robust wie das Design muten die Materialien an. So bietet der Grenadier mit seinen strapazierfähigen Oberflächenmaterialien echte Offroadgefühle. Zudem offeriert der französische Brite mit dem österreichischen Technikdialekt im Innenraum einen gummierten Boden nebst Ablassstopfen und abwischbare Polster. Wenn es sein muss, kann der Innenraum mit Wasser ausgespritzt werden. Unter der Rücksitzbank gibt es ein Trockenlagerungsfach ergänzt von einer abschließbaren Ablagebox in der Mittelkonsole. Wer es strapazierfähigen Stoffstühle nicht will, kann auch edles Leder ordern.
Angetrieben wird der Ineos Grenadier übrigens von zwei allzu bekannten Triebwerken aus dem Hause BMW. Die beiden Reihensechszylinder, ein Diesel und ein Benziner, jeweils mit drei Litern Hubraum leisten 183 kW / 249 PS / 550 Nm (Diesel) sowie 211 kW / 285 PS / 450 Nm (Benziner), die ihre Leistung über eine Achtstufenautomatik aus dem Hause ZF an beide Achsen übertragen. Um eine Version mit Plug-In-Hybridantrieb und eine Elektroversion wird der Ineos Grenadier mittelfristig jedoch nicht umhinkommen. Für das artgerechte Fortkommen abseits befestigter Straßen sorgt zudem eine Bodenfreiheit von knapp 26 Zentimetern und eine Geländeuntersetzung. Auf Wunsch kann der Grenadier Anhänger bis 3,5 Tonnen an den Haken nehmen.
„Der Grenadier ist innen wie außen dazu konzipiert, eine Aufgabe zu erfüllen – Menschen und ihre Ausrüstung dorthin zu bringen, wo sie hin möchten. Komfortabel, kontrolliert und ohne Umstände. Er funktioniert einfach“, betont Dirk Heilmann, CEO von INEOS Automotive. Bestellbar ist der Ineos Grenadier ab Oktober, während die Auslieferungen im Sommer 2022 starten sollen. Und viele Fans warten sehr sehnsüchtig. Preislich dürfte es rund 50.000 Euro losgehen.
Autor:Stefan Grundhoff, Stand: 2021-07-25 21:00:00
Fotos: Ineos










