Reportage: Jaguar ePace P300e

Jaguar kombiniert beim E-Pace das Plug-in Hybridmodul mit einem Dreizylinder Benziner und generiert so eine Systemleistung von mehr als 300 PS. Solange beide Antriebswelten im Saft stehen, verhilft die Kombination dem kompakten Crossover zu einem souveränen Vorankommen, wenn sich die elektrifizierte Hinterachse verabschiedet, wird es etwas zäher.
Foto: press-inform / Gomoll
Jaguar E-Pace P300e (MJ 2022) (Foto: press-inform / Gomoll)

Elektro-Katze

Jaguar kombiniert beim E-Pace das Plug-in Hybridmodul mit einem Dreizylinder Benziner und generiert so eine Systemleistung von mehr als 300 PS. Solange beide Antriebswelten im Saft stehen, verhilft die Kombination dem kompakten Crossover zu einem souveränen Vorankommen, wenn sich die elektrifizierte Hinterachse verabschiedet, wird es etwas zäher.

Leistungsfetischisten werden den Anblick, der sich ihnen nach dem Anheben der Motorhaube des Jaguar E-Pace bietet, mit einem Stirnrunzeln quittieren. Drei magere Töpfe verrichten da ihren Dienst. Ein Dreizylinder? Das klingt nach Kleinwagenverzicht, aber nicht nach der britischen Raubkatzenmarke. Sobald man sich dem Crossover von hinten nähert, ist die Tierwelt wieder in Ordnung: E-Pace P300e AWD steht auf dem Heck. Übersetzt: 227 kW / 309 PS und Allradantrieb. Ein Dreizylinder müsste schon ziemlich überzüchtet sein, um diese Leistung zu generieren. Aber das „e“ ist natürlich auch bei diesem Modell des britischen Autobauers des Rätsels Lösung. Denn eine elektrifizierte Hinterachse trägt 80 kW / 109 PS zur Gesamtleistung bei.

Solange beide Antriebsarten im Saft stehen und an einem Strang ziehen, agiert der Crossover sehr souverän. Sei es in der Stadt oder auf der Langstrecke. Die Fahrmodi sind bei diesem PHEV zweigeteilt. Mit der Wahl zwischen „EV“, „Hybrid“ oder „Save“ bestimmt man die Antriebsart und mit den bekannten „Eco“, „Comfort“ und „Dynamic“ das Temperament. Im Stop and Go-Verkehr der Innenstadt ist „EV“ also rein elektrisch eine gute Wahl. Da der E-Pace bis zum Tempo 135 stromern kann und damit mehr als schnell genug ist. Die Reichweite von 55 Kilometern (nach dem WLTP-Zyklus) können wir nicht ganz bestätigen, aber die 15 Kilowattstundenbatterie war bei uns für immerhin 41 Kilometer gut.

Jaguar E-Pace P300e (MJ 2022) (Foto: press-inform / Gomoll)
Jaguar E-Pace P300e (MJ 2022) (Foto: press-inform / Jaguar)
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Wir haben uns für das Hybrid-Fahrprogramm entschieden und dem Fahrzeug damit die Entscheidungshoheit über den Einsatz der Antriebsmodule gegeben. Das Resultat war ein Durchschnittsverbrauch von 1,6 l/100 km. Allerdings haben wir uns mit dem 2.173 Kilogramm schweren SUV nicht auf Rekordjagd gegeben. Mit der Kraft der zwei Herzen ist der Jaguar E-Pace P300e flott unterwegs. Mit einer Sprintzeit von 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h ist man im alltäglichen Verkehr gut dabei und kann ganz entspannt agieren. Bei der Spitzengeschwindigkeit von 216 km/h wirkt das Ganze schon angestrengter. Wir empfanden 160 km/h als entspannte Reisegeschwindigkeit. Dass der Verbrauch bei längeren und etwas forcierteren Überlandfahrten auf 5,2 l/100 km ansteigt, verwundert nicht. Das Fahrwerk erledigt seine Aufgabe meistens ziemlich gut, nur bei größeren Unebenheiten oder tieferen Schlaglöchern, macht sich die Kombination von 2,68 Meter Radstand, dem Gewicht und 20 Zoll Reifen bemerkbar.

Hohe Ladekante

Wer aufgrund des einphasigen Onboardlader, der Stromtanken bei Wechselstrom nur mit maximal 7 kW zulässt, den Weg zur Ladesäule scheut, kann mit Save den Ladezustand der Batterie einfrieren. Sobald es dann etwas flotter auf der Autobahn vorangeht, kommt da der Dreizylinder mit seinem Hubraum von 1,5 Litern und den 147 kW / 200 PS an seine Grenzen und man hat das Gefühl, als sei der Jaguar E-Pace P300e etwas mit gebremstem Schaum unterwegs ist. Also lieber Fuß vom Gas. Dass diese Art der Fortbewegung nicht die effizienteste ist, liegt auf der Hand und so verwundert es nicht, dass der Verbrauch auf 11,2 l/100 km ansteigt.

Im Alltag kommt man mit dem 4,39 Meter langen Crossover sowohl in der Stadt als auch auf der Landstraße gut zurecht. Zumal unser Modell mit allerlei Extras ausgestattet war, die einem das Leben erleichtern. Eine gute Wahl ist immer die 360 Grad Kamera, um beim Rangieren ganz auf Nummer sicherzugehen. Ähnliches gilt auch für den Toter-Winkel-Warner, da die Übersicht seitlich nach hinten durch die breiten C-Säulen beeinträchtigt wird. Die durch eine Kickbewegung zu öffnende elektrische Heckklappe ist hilfreich, aber die Ladekante ist ziemlich hoch, was bei kleineren Menschen das Stemmen von schweren Gegenständen erschwert. Auch der Laderaum ist nicht so üppig, wie der Nominalwert von 601 Litern vermuten lässt. Nach der mit Messquadern (Größe 20 x 10 x 5 Zentimetern) bestimmten VDA Norm beträgt das Volumen des Gepäckabteils 491 Liter und da ist schon die Reserveradmulde miteinberechnet. Wenn man größere Gegenstände unterbringen will, legt man besser die Lehnen der Rückbank um, dann vergrößert sich das Fassungsvermögen auf 1.170 Liter (VDA-Norm) beziehungsweise 1.386 Liter.

Die Sitze sind so bequem, dass man auch längere Strecken damit zurücklegen kann, ohne übermäßig zu ermüden. Dass es an Seitenhalt fehlt, spielt beim E-Pace keine Rolle, da das elektrifizierte SUV wohl selten auf der Rennstrecke zu unterwegs sein wird. Hilfreich sind die LED-Scheinwerfer, die Straße gut ausleuchten, wobei der Fernlichtassistent sehr aktiv ist. Außerdem kommt auch der E-Pace nun in den Genuss der neusten Ausbaustufe des Infotainments. Beim „Pivi Pro“-System blickt der Fahrer auf ein 12,3 Zoll großes virtuelles Cockpit und einen Touchscreen, der 11,4 Zoll misst. Die Darstellung der Instrumente und der Menüs ist einwandfrei, allerdings könnte die Bedienung noch etwas intuitiver erfolgen. Wenngleich das neue System einen deutlichen Fortschritt darstellt. Allerdings hat so viel Ausstattungs- und Antriebsopulenz auch seinen Preis. Unser Testwagen kostet 61.020 Euro, eine Menge Holz für einen kompakten Crossover.

Autor:

Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2021-08-04 09:54:00
Fotos: press-inform / Gomoll