
Doppelter Stromschlag
Gerade erst hat Ford mit dem Bronco eine rustikale Neuauflage seines Offroad-Klassikers auf den amerikanischen Heimatmarkt gebracht, da freuen sich die ersten Elektrofans bereits auf einen kantigen Stromer. Auch er dürfte die Bezeichnung Lightning tragen.
Ford stellt in den nächsten Jahren einen großen Teil seiner neuen Modelle auf Elektroantriebe um. Star des Portfolios wird der elektrische Ford F-150 Lightning, der Anfang 2022 seine Premiere feiern soll. Doch beim F-150 Lightning und dem ebenfalls noch jungen Ford Mustang Mach E, der wegen seiner Bezeichnung bei vielen Fans des legendären Ponycars für Ärgernis sorgt, soll es nicht bleiben. Spätestens nach der Investorenkonferenz Ende Mai steht fest, dass auch der Ford Bronco, aktuell das wohl begehrteste Auto auf dem US-Markt, bald eine Elektroversion bekommen soll. Und damit dürfte er interessanter denn je für Europa Markt werden.
Auf dem Markt der jungen Gebrauchtfahrzeuge werden die Bronco-Modelle aktuell für mitunter das Doppelte ihres offiziellen Neupreises – 28.500 bis 58.000 – Dollar gehandelt. Wegen der Wartezeiten von mitunter mehr als einem Jahr wird einem für einen knapp 52.000 Dollar teuren Ford Bronco 2.7 Ecoboost Outer Banks bis zu 100.000 Dollar geboten. Anders sieht es bei der optisch ähnlichen viertürigen Variante des Bronco Sport mit langem Radstand aus, der technisch mit der urwüchsigen Neuauflage des Klassikers nicht viel zu tun hat. Sie kommt an den Legendenstatus des 1996 eingestellten Geländeklassikers nicht an. „Wir haben die Bronco-Familie gegründet, um jeden Aspekt des Offroad-Abenteuers zu verbessern, und sie mit erstklassiger Chassis-Hardware und exklusiven Technologien ausgestattet, um die Messlatte im robusten 4×4-Segment höher zu legen und die Menschen weiter in die Wildnis zu führen“, so Ford-CEO Jim Farley, „sie sind mit der Robustheit eines Pick-Ups der F-Serie und dem Leistungsgeist eines Mustang gebaut. Und in einem der beeindruckendsten und funktionalsten Offroad-Designs verpackt, das der ursprünglichen Bronco-Design-DNA entspricht.“
Aktuell hat der US-Kunde hat die Wahl zwischen einem 2,3 Liter großen Vierzylinder-Turbo mit 270 PS und dem 2.7 Ecoboost, der stattliche 228 kW / 310 PS leistet und an eine gut abgestimmte Zehngangautomatik gekoppelt ist. Normalbetrieb wird die Motorleistung an die Hinterachse übertragen. Über einen Drehschalter am Mitteltunnel gibt es Allradantrieb oder gar eine Untersetzung. Oben am Armaturenbrett können die Differenzialsperren zugeschaltet werden, wenn es abseits befestigter Pisten besonders brenzlig wird. Die stattliche Bodenfreiheit von rund 30 Zentimetern sorgt dafür, dass man bestens auch abseits befestigter Straßen unterwegs sein kann. Unterschiedliche Fahrprogramme sorgen dafür, dass der Bronco bestens durch Geröllfelder, Schneepisten, Matsch oder Sand kommt. Die Wattiefe durch Wasser liegt bei über 85 Zentimetern. „Ähnlich wie beim Modell der ersten Generation sind die quadratischen Proportionen, die kurzen Überhänge und die breite Haltung von Bronco für Offroad-Abenteuer optimiert“, so Bronco-Chefdesigner Paul Wraith, „das Seitenprofil verfügt über eine flache, schnörkellose Oberfläche mit klaren Kanten und robust ausgestellten Kotflügeln.“
Start wohl 2023
Schalter, Bedienmodule und Karosseriedetails – alles wirkt wie aus einem Guss und eben perfekt für ein amerikanisches Freizeitmobil. Dabei ist der Bronco als Badlands oder Wildtrak sogar mit Offroadreifen bis zu seiner Größe von 35 Zoll zu bekommen. Mit einigen Handgriffen lassen sich bei Zwei- und Viertürer die Dachmodule in einzelnen Segmenten entfernen und hinten etwas ungelenk im Fahrzeug verstauen, wo die Rücksitze eher zum Umklappen, denn zum realen Personentransport taugen. Doch auf Wunsch geht es eben auch oben ohne. Neben diesem mehrteiligen Hartschalendach gibt es auf Wunsch auch ein Softtop, wobei sich die rahmenlosen Türen mit etwas mehr Aufwand ebenfalls entfernen lassen – ganz wie beim Jeep Wrangler.
Spätestens 2023 dürfte dann der elektrische Ford Bronco Lightning folgen, der auf der neuen Elektroplattform von Ford unterwegs ist, auf der SUV, Geländewagen und kleine Transporter rein elektrisch über die Hinterachse oder Allrad angetrieben werden. Das Leistungspektrum dürffte ähnlich wie bei den Verbrennervarianten bei mindestens 300 PS liegen, wobei der E-Bronco wohl nur als Allradversion angeboten werden dürfte. Wer die langen Wartezeiten beim aktuelle Ford Bronco in den beiden Verbrennervarianten mit vier und sechs Zylindern sieht, dürfte keinen Zweifel daran haben, dass der elektrische Ford Bronco ähnlich begehrt sein wird. Schließlich ist auch der Ford F-150 Lightning Monate vor seinem Marktstart bereits ausverkauft.
Autor:Stefan Grundhoff, Stand: 2021-08-09 18:21:00
Fotos: Ford










