
Uber statt Taxi?
Während Fahrdienste wie Uber, Lyft oder Grab in vielen Regionen der Welt eine preisgünstige Alternative zu lokalen Taxis sind, tun sich privaten Fahrdienstanbieter in Europa und speziell in Deutschland unverändert schwer. Wir zeigen, warum Uber und Co. gerade in den USA eine sinnvolle Ergänzung zum Taxigeschäft sein können.
Die Gründungsgeschichte von Uber könnte aus einem blassen Hollywood-Streifen stammen. Einfacher Plot – großer Erfolg. Die beiden Freunde Travis Kalanick und Garrett Camp versuchen im Winter 2008 an einem verschneiten Abend in Paris ein Taxi zu ergattern – ohne Erfolg. Kurzerhand ist die Idee zu Uber geboren. Ein paar Monate später bringen die beiden Amerikaner im März 2009 in San Francisco den Fahrdienst Uber CAB an den Start – eine private Ergänzung zu den dortigen Taxianbietern. Per Smartphone App kann sich jeder angemeldete Nutzer eine Fahrt von A nach B buchen. Nach und nach breitet sich Uber zunächst in den USA. Immer mehr laden sich die einfach gestrickte Uber App auf das eigene Smartphone während gleichzeitig die Zahl der Uber-Fahrer in die Höhe schießt. 2012 expandierte Uber ins Ausland und ist in der westlichen Welt die Nummer eins, während in Asien gerade Grab besonders erfolgreich ist.
2020 war ein hartes Jahr für die Anbieter von Fahrdiensten, denn die Corona Pandemie ließ die Zahl der Fahrten weltweit ins bodenlose sinken. Erst in diesem Frühjahr erholte sich die Branche. Uber investierte jüngst 250 Millionen US-Dollar, um die eigenen Fahrer wieder ins Cockpit zu bekommen. Doch seit dem Marktstart gab es weltweit immer wieder Diskussionen um Uber. Gerichte untersagten die Fahrdienste; mussten sie dann aber immer wieder erlauben. Kritik wurde an verschiedenen Geschäftsgebaren laut und daran, dass Uber die Daten seiner Nutzer munter weiterverwertet. Gerade die lokalen Taxler gingen gegen die verschiedenen Uber-Dienste immer wieder auf die Barrikaden. Sie fürchten um das eigene Geschäft und die eigene Existenzgrundlage. Gerade in Deutschland tut sich Uber schwer – die Taxi-Seilschaften der vergangenen Jahrzehnte sind mächtiger als von vielen befürchtet.
Wer in den USA mit einem Uber- oder Lyft-Fahrer unterwegs ist, weiß die exzellente Vernetzung zu schätzen. Alles wird vom Smartphone erledigt. Hier wird vorab der Festpreis angezeigt; egal wie lange man unterwegs ist. Der Kunde kann sich entscheiden, ob er mit UberX besonders günstig unterwegs sein will oder bei Uber XL oder Uber Comfort mehr Platz im Fahrzeug hat. Ökofans können sich mit Uber Green sogar ein Elektroauto oder einen Plug-In-Hybriden bestellen – auch hier mit festem Preis. Wer den Fahrer bestellt, bekommt eine Minutenangabe, wie lange es dauert, bis dieser vorfährt und sieht, wo er sich aktuell befindet. Nicht nur jüngere Leute wissen den kalkulierbaren Festpreis der Fahrdienste von Uber oder Lyft als Teil der modernen Mobilität zu schätzen. Wer will, kann sich seine Uber-Tour mit anderen Personen teilen und reduziert seinen Fahrpreis so nochmals nennenswert. Längst hat Uber seine Fahrdienste weiter aufgefächert und gibt in vielen Städten die Möglichkeit, Essen auszuliefern, bietet Frachttouren an und arbeitet an autonomen Fahrdiensten.
Die Fahrer sind nach eigenen Aussagen mit den Einkünften zufrieden. Am besten verdienen die Uber-Fahrer in New York mit knapp 38 Dollar pro Stunde und auch in Städten wie Chicago oder Philadelphia sind es durchschnittlich mehr als 30 Dollar pro Stunden. In den meisten Regionen sind es rund 25 Dollar. Miguel fährt sein vielen Jahren im Großraum Salinas / Monterey für Uber. „Pro Schicht mache ich 15 bis 20 Fahrten. Manchmal auch mehr“, erzählt der Amerikaner, „wir dürfen offiziell zwölf Stunden fahren, doch nach sieben oder acht Stunden mache ich Schluss. Dann wird es zu anstrengend.“ Bei kurzen Fahrten teilen sich Uber als Betreiber und die Fahrer nach Aussage von Tom das Fahrgeld im Verhältnis von 70:30. Bei längeren Strecken bekommt der Fahrer einen höheren Anteil. Das Trinkgeld – zumeist zwischen 15 und 20 Prozent – geht an den Fahrer. Und je mehr Fahrten der Fahrer macht und online in dem Uber-Portal gut bewertet wird, gibt es ein Bonusprogramm. „Das können schon einmal 80 Dollar pro 15 Fahrten sein“, erzählt Miguel, der mit einem blauen Toyota Prius unterwegs ist. Viele Fahrer setzen mittlerweile auf etwas größere Fahrzeuge, weil dann auch mehr Geld für Gruppen- oder Gepäckfahrten verdient werden kann.
Autor:Stefan Grundhoff, Stand: 2021-08-12 13:44:00
Fotos: press-inform / Uber








