Reportage: Opel Astra L

Opel setzt viel Hoffnung auf den neuen Astra. Schließlich soll der Kompaktwagen dringend benötigtes Geld in die Kassen spülen und endlich mal wieder am Thron des schwächelnden Klassen-Primus VW Golf rütteln. Wir haben uns das Infotainment mal genauer angeschaut.
Foto: press-inform / Opel
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)

Ein Hauch von Apple

Opel setzt viel Hoffnung auf den neuen Astra. Schließlich soll der Kompaktwagen dringend benötigtes Geld in die Kassen spülen und endlich mal wieder am Thron des schwächelnden Klassen-Primus VW Golf rütteln. Wir haben uns das Infotainment mal genauer angeschaut.

Da steht er nun. Golden lackiert und ziemlich breitbeinig. Wie Cristiano Ronaldo vor einem Freistoß, 4,374 Meter lang, 1, 860 Meter breit und mit einem Radstand von 2,675 Metern (das sind 1,3 Zentimeter mehr als beim Vorgänger). Dazu noch ein Kofferraum, der ein Volumen von bis zu 1.250 Litern hat. Dennoch finden wir hinten und vorne genügend Platz. Doch wir haben uns nicht auf den Weg nach Rüsselsheim gemacht, um nur in dem Astra der Generation L Platz zu nehmen. Schließlich haben wir schon eine Fahrt in einem Prototypen absolviert. Apropos fahren: Den neuen Opel Astra wird auch als Kombi geben und es ein Jahr nach der Markteinführung Anfang nächsten Jahres als reines Elektroauto.

Damit ist der Chronistenpflicht genüge getan. Wir schauen mal genauer unter die Blechhaube, auf die Technik, die Fahrassistenzsysteme und vor allem auf das Infotainment. Denn der Rüsselsheimer Autobauer kündigt in diesen Bereichen einen großen Fortschritt an. Der ist auch nötig, denn der aktuelle Astra hinkt der Konkurrenz, die allerdings teilweise mit neueren Modellen unterwegs ist, hinterher. „Pure Panel“ heißt die Bildschirmanordnung aus zwei bis zu zehn Zoll großen Monitoren, mit deren Hilfe der Mensch mit der Maschine interagieren und Opel in dem Bereich vorne mitspielen soll.

Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)
Opel Astra L (Foto: press-inform / Opel)

Klingt wie ein aus einer Werbeanzeige eines TV-Geräteherstellers und genau diese Analogie haben die Opel-Techniker auch im Sinn, die darauf verweisen, dass die Pure Panel-Version im Astra einen Schritt weiter ist als die im Mokka und im Grandland. Die Bildschirme im Astra kommen ohne eine Hutze aus, die die Displays der anderen Modelle vor dem Sonnenlicht schützen und so die Informationen ablesbarer machen. Der Kniff ist eine spezielle Folie, die sich unterhalb des Glases befindet. Die Idee ist eine Ähnliche, wie bei den Beschichtungen, die auf ein PC- oder Laptop Display geklebt werden, damit niemand anderer den Inhalt auf dem Bildschirm erkennen kann. „Wir haben den Ingenieuren erklärt, dass es ohne Sonnenschutz gehen muss und sie haben eine Lösung gefunden“, verdeutlicht Thomas Overhaus.

Klaviertasten als Shortcut

Der Baureihenleiter erklärt auch im nächsten Atemzug das Prinzip hinter dem Infotainment: „Hände am Lenkrad, Augen auf der Straße.“ Das ist ein klassisches GM-Motto, ganz können die Rüsselsheimer ihre Vergangenheit nicht abstreifen. Damit dieses Konzept auch funktioniert, ist ein verbessertes Head-up-Display nötig. Die aufklappende Plastikscheibe ist passé, jetzt werden die Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert. Teil des Konzepts sind auch die Klaviertasten unterhalb des zentralen Displays, mit denen Funktionen wie die Klimatisierung oder die Sitzheizung schnell verändert werden können. Damit ist eine Idee des Astra-Bedienkonzepts schon klar. Dem Touchscreen-Fetischismus wird nur bis zu einem gewissen Grad gefrönt. Wir halten die Wähltasten für eine sinnvolle Idee.

Der wesentliche Teil der Bedienung spielt sich aber auf den beiden Bildschirmen ab, wo die eben erwähnte Idee der kurzen Wege und der geringen Ablenkung weiterverfolgt wird. „Wir haben auf aufwendige Grafiken wie sich drehende Autos verzichtet“; so Thomas Overhaus. Dennoch finden sich im Opel-Infotainment erklärende Illustrationen, die die Funktionen erklären. Die Bedienung orientiert sich an aktuellen Smartphones. Durch den neuen Opel Astra weht ein Hauch von Apple. Inklusive einer Sprachbedienung, die mit „Hey Opel“ gestartet wird.

Konfigurierbare Displays

Vom Hauptbildschildschirm gelangt mit einem Klick auf die darunterlegende Ebene mit zehn Apps, die für verschiedene Funktionen stehen. Darunter die Navigation und die Fahrassistenten, bei denen der Astra ebenfalls einen deutlichen Sprung hinlegt. Neben der letzten Ausbaustufe des LED-Lichts ist der Opel mit insgesamt fünf Kameras sowie Ultraschallsensoren bestückt. Damit kann der Astra in einem Stau automatisch anfahren und bremsen. Wie bei anderen Marken auch, sind die jeweiligen Menüs mit kachelförmigen Apps anwählbar, die beim Opel groß genug sind, um auch während der Fahrt zielsicher angewählt zu werden. Beim An- und Abwählen mancher Einstellungen, wie zum Beispiel der Traktionskontrolle sind die Schiebeknöpfe im Smartphone-Look ziemlich klein ausgefallen, sodass man das nur im Stand vernünftig bedienen kann. Das ist vermutlich auch gewollt.

Sowohl das virtuelle Cockpit als auch der Touchscreen sind vom Fahrer nach eigenem Gusto konfigurierbar. Auch die Apps kann man sich nach den eigenen Vorlieben zusammenstellen und anordnen. Damit sind die Wege zum Anklicken der persönlichen Präferenzen kurz. Eine Besonderheit des Infotainments des Astras ist, dass je nach Ort und Straße, auf der man sich befindet, verschiedene Informationen im Cockpit angezeigt werden. Auf der Autobahn, wenn man schneller unterwegs ist, weniger, in der Stadt mehr.

Autor:

Wolfgang Gomoll, Rüsselsheim, Stand: 2021-09-01 10:30:00
Fotos: press-inform / Opel