
Auf der Suche nach Alternativen
Auch wenn sich die Kraftstoffpreise Ende der vergangenen Woche wieder etwas beruhigt haben, noch immer kostet der Liter Benzin fast 2,20 Euro – Diesel ist noch teurer. Erneuerbare Kraftstoffe – kurz E-Fuels – könnten zumindest langfristig eine Ergänzung zu den fossilen Brennstoffen bieten.
Neben dem Tempolimit diskutieren die Autofahrer über kaum etwas so gerne wie über die Kraftstoffkosten. Nach dem der Krieg in der Ukraine mittlerweile in die dritte Woche geht und ein Ende nicht abzusehen ist, sind Alternativen zu den Erdöl- und Gaslieferungen aus Russland nach wie vor ein heißes Thema, denn die gestiegenen Energie- und Spritkosten setzen nicht nur viele Fuhrunternehmer und Transportfirmen unter Druck. Denn eines steht für die meisten fest. Auch wenn die Preise von Benzin und Diesel sich in ungeahnte Höhen verabschiedet haben, soll die Energiewende darunter nicht leiden. Trotzdem muss zunächst einmal eine sichere und bezahlbare Energieversorgung gewährleistet werden. Die sich selbst gesetzten Klimaziele kommen seit ein paar Wochen erst danach. Aktuell wird der europäische Energiebedarf zu etwa 60 Prozent aus importierten, fossilen Energieträgern und nur zu 15 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt.
Die einen, wie VW-Chef Herbert Diess halten die Akkupakete ungeachtet des CO2-Fußabdruckes für den einzig gangbaren Weg. Andere sehen synthetische Kraftstoffe als eine wichtige Alternative, den Kohlenstoffausstoß zu senken, da damit auch die Verbrennungsmotoren weiter genutzt werden können. Schließlich werden die klassischen Automobile noch lange das Rückgrat der Individualmobilität bleiben. Damit ist schon einer der großen Vorteile der synthetischen Kraftstoffe genannt. Sie können im Grunde ohne große Probleme die klassischen fossilen Brennstoffe ersetzen. Auch das Problem der Infrastruktur stellt sich bei den E-Fuels nicht. Das aktuelle Tankstellennetz kann ohne große Probleme weiterverwendet werden. Auch der Transport des künstlichen Treibstoffes ist weniger aufwendig als zum Beispiel der des Wasserstoffs. Klingt klasse, doch der Teufel steckt hier nicht einmal im Detail. Denn die Herstellung des E-Benzins oder E-Diesels ist sehr energieaufwendig. Allerdings werden im Zuge der Energiewende werden die Kapazitäten der Stromherstellung mit regenerativen Energien ohnehin ausgebaut, um die Versorgung stets gewährleisten zu können. Der anfallende Energie-Überschuss kann genutzt werden, um E-Fuels herzustellen.
Zudem gibt es einige Gegenden auf der Welt, an denen viel Wind-, Wasser- oder Solarkraft verfügbar ist und die sich daher für die Produktion von synthetischen Kraftstoffen eignen. Porsche springt jetzt auf den E-Fuels-Zug auf und installiert in der chilenischen Provinz Magallanes eine Pilotanlage, in der pro Jahr rund 130.000 Liter des künstlich generierten Treibstoffes erzeugt werden. Das aufwendige Prozedere birgt aber auch Chancen. Durch das künstliche Herstellen und Zusammensetzen der Moleküle besteht die Möglichkeit, dass der Kraftstoff bestimmte Eigenschaften erfüllt, für die sonst Additive nötig wären. Die energieintensive Herstellung ist jedoch nicht billig. Doch mit der steigenden Menge soll auch der Preis pro Liter E-Kraftstoff unter die zwei Liter-Marke fallen. Das wäre immer noch günstiger als die aktuellen Kraftstoffpreise. Aktuelle Studien halten sogar einen Literpreis von 1,20 Euro bis 1,70 Euro für möglich (vor Steuern). Allerdings wird bis dahin noch einige Zeit vergehen. Momentan sind die E-Fuels noch viel zu teuer. Damit die Autofahrer die neuen Kraftstoffe auch annehmen, ist es wichtig, möglichst schnell den Preis in die prognostizierten Regionen zu drücken. Dazu ist aber ein klares Bekenntnis der Politik nötig, um die entsprechenden Parameter zu schaffen.
Um den Bedarf an synthetischen Kraftstoffen decken zu können, müssen die E-Fuels im industriellen Maßstab, also in großen Mengen, hergestellt werden. Die Kapazität der eingangs im Zusammenhang mit Porsche erwähnte Anlage „Haru Oni“ an der unter anderem auch Siemens Energy beteiligt ist, soll bis 2024 auf 55 Millionen und bis 2026 auf 550 Millionen Liter jährlich gesteigert werden. Die Dresdener Firma Sunfire will ebenfalls den Reagenzglassprit salonfähig machen. Allerdings ist für die Verfechter des synthetischen Kraftstoffs auch klar, dass der Reagenzglas-Sprit kein Ersatz für die batteriebetriebene Elektromobilität sein wird, sondern eine Ergänzung, die zum Beispiel die umweltfreundliche Bewältigung von langen Strecken mit einem Verbrennungsmotor-Vehikel zu ermöglichen.
Die eFuel Alliance setzt sich als Interessensgemeinschaft für die industrielle Produktion von synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbaren Energien ein. Mit seinen 174 Mitgliedern repräsentiert die eFuel Alliance die gesamte Wertschöpfungskette der eFuel-Produktion. Zu den Firmen gehören Start-ups wie Synhelion, Siemens Energy, Bosch, Mazda, die Mineralölindustrie, Liebherr oder ADAC. Ziele der Initiative ist in erster Linie die Anerkennung von E-Fuels als wesentlicher Baustein einer europäischen, technologieoffenen Klimaschutzpolitik. Ralf Diemer der Geschäftsführer der eFuel Alliance: „Wenn der Aufbau der eFuels-Produktion jetzt beginnt, sind bereits 2025 erste Mengen von klimaneutralen Kraft- und Brennstoffen verfügbar und das zu bezahlbaren Preisen. Allerdings fehlen nach wie vor die notwendigen politischen Rahmenbedingungen, um eine eFuel- Produktion im industriellen Maßstab zu ermöglichen. Die eFuel Alliance hat bereits politische Vorschläge gemacht, die den Nachhaltigkeitskriterien der Renewable Energy Directive entsprechen.
Die Allianz verweist darauf, dass sich die Reserven der fossilen Energieträger sich auf wenige Regionen der Welt konzentriere, was die Abhängigkeit von einzelnen Staaten erhöhe. Die Speicherung von erneuerbarem Strom ist jedoch vergleichsweise aufwendig und somit setzt die gemeinsame Initiative auf die Umwandlung in chemische Energieträger wie eFuels. Die künstlichen Kraftstoffe können dort hergestellt werden, wo die klimatischen und geografischen Voraussetzungen eine Produktion ermöglichen. „Wir sind überzeugt, erneuerbare Kraftstoffe können bis zu 70% des russischen Rohölimports bis 2030 ersetzen, wenn die Treibhausgasminderungsquote auf 20% in der Revision der Renewable Energy Directive festgelegt wird“, so Monika Griefahn, die Sprecherin der eFuel Alliance, „zusätzlich werden 60 Millionen Tonnen CO2 reduziert und die gesetzten Klimaziele sind aus unserer Sicht zu erreichen, wenn technologieoffen diskutiert wird, also eFuels mitgedacht werden.“
Autor:Administrator, München, Stand: 2022-03-21 09:45:00
Fotos: Porsche










