
Starke Nummer
Hyundai setzt seine Edelmarke Genesis mit dem Crossover GV60 unter Strom und hat damit gegenüber dem Porsche Macan deutlich die Nase vorne. Der technische Verwandte des Brüderpaars Kia EV6 und Hyundai Ioniq 5 überzeugt bei der ersten Probefahrt eines Prototypen.
Ausländische Premiummarken haben es im Land von Mercedes, BMW und Audi alles andere als einfach. Beispiele hierfür sind Nissan mit Infiniti oder die Hyundai mit Genesis. Die Koreaner bauen vernünftige Autos, tun sich aber noch schwer, in Europa Fuß zu fassen. Das soll sich schnell ändern. Jetzt eröffnet die Elektromobilität aber eine neue Chance, in die Phalanx der deutschen Edelmarken einzubrechen. Zumal die E-GMP (Electric-Global Modular Platform) Architektur der Hyundai Motor Corporation mit technischen Details wie der 800- Volt-Ladetechnik, die kurze Ladezeiten ermöglicht, ganz vorne dabei ist. Neben dem Kia EV6 und dem Hyundai Ioniq 5 bietet auch der Porsche Taycan die breiten Ladeautobahnen. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Während der Zuffenhausener Autobauer noch an dem elektrischen Macan tüftelt, machen die Koreaner Nägel mit Köpfen. Ab 2025 will die Edelmarke nur noch elektrische Fahrzeuge bauen. Den Anfang macht der E-Crossover GV60.
Neben dem 800-Volt-Netz überzeugt die Hyundai-Technik auch fahrdynamisch. Also gute Voraussetzungen für den Genesis GV60, der auf dieser Architektur basiert. Genesis bietet den vollelektrischen GV60 in zwei Versionen mit Allradantrieb an. Die schwächere hat einen 74 kW / 101 PS Motor vorne und einen 160 kW / 245 PS Motor hinten. Bei der Topversion sorgen zwei E-Maschinen mit jeweils 160 KW / 245 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern für Vortrieb, per Boost steigt die Leistung pro Triebwerk für zehn Sekunden auf 180 KW / 245 PS an. Trotz des Gewichts des E-SUVs von über zwei Tonnen sind so mehr als ordentliche Fahrleistungen drin: Nach vier Sekunden knackt dieser GV60 die 100-km/h-Marke und stürmt weiter bis 235 km/h.
Die 479 Kilogramm schwere Batterie hat eine Kapazität von 77,4 Kilowattstunden und versorgt den E-Crossover mit genug Strom für eine Reichweite von maximal 466 Kilometern^. Als wir hinter dem Lenkrad Platz nehmen, waren die Akkus zu 89 Prozent geladen und der Bordcomputer zeigte eine Reichweite von 251 Kilometern an. Genug für eine Tour im Rhein-Main-Gebiet. Das Cockpit stellt und vor keine großen Probleme. Die Kamera zur Gesichtsüberwachung, die es in den europäischen Modellen nicht geben wird, erinnert uns daran, dass wir in einem Prototypen aus Korea sitzen.
Gewohnte funktionelle Praktikabilität
Nichtsdestotrotz funktionieren das Infotainment und die Technik schon ziemlich gut. Der Vorserien Genesis GV60 bietet vier Fahrmodi: Eco, Comfort, Sport und Snow, die sich spürbar unterscheiden. Aber selbst im zurückhaltenden Eco-Modus ist man mit dem Korea-Crossover noch bestens gerüstet für jede deutsche Straße. Für die koreanischen Entwickler sind die Begriffe wie „Comfort“ offenbar ein Arbeitsauftrag, den sie auch pflichtbewusst umsetzen. Wird spannend, wie sich die europäische Adaption des Genesis GV60 in dieser Disziplin schlägt. Deutlich knackiger geht es im Sport-Programm voran, in dem der Genesis GV60 schnell auf die Lenk- und Fahrwünsche des Piloten reagiert, ohne übernervös zu agieren. Auch das Fahrwerk strafft sich in dieser Einstellung nicht über Gebühr, sodass das Spiel mit den Kurven nicht auf Kosten der Bandscheiben geht.
Der Innenraum liefert mit zwei großen Monitoren zwar die gewohnte funktionelle Praktikabilität der Koreaner, ist aber durch Chromelemente und eine Bedienkugel für die Automatik in der Mittelkonsole aufgelockert. Anstelle von Außenspiegeln hat der GV60 Kameras, wie man sie vom Audi e-tron kennt. Die Tatsache, dass man auf Monitore, die innen an den Türen angebracht sind, schaut anstelle von klassischen Spiegeln irritiert nur kurzzeitig, dann kommt man mit dem System klar. Vor allem, weil man sich schnell an die Kombination von Toter-Winkel-Warner und die eingeblendeten Linien gewöhnt. Platz ist in dem E-SUV genug. Auch im Fond finden Erwachsene genug Platz.
Autor:Wolfgang Gomoll, Frankfurt am Main, Stand: 2022-03-06 08:00:00
Fotos: press-inform / Genesis










