Reportage: Mini John Cooper Works

Mini wird elektrisch – nunmehr also auch die bayrischen Briten. Wenn 2023 die neue Generation der Mini-Modelle aus der Great- Wall-Kooperation an die Kunden heranrollt, dann zunächst auch noch als Verbrenner. Doch am besten, man sichert sich bis dahin noch einen der aktuellen Spaßmacher, denn so puristisch werden die Mini-Gefühle wohl nie wieder. Und wenn schon Kurvenjagd – dann auch gleich im John Cooper Works.
Foto: MIni
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)

Schnell, bissig und viel mehr

Mini wird elektrisch – nunmehr also auch die bayrischen Briten. Wenn 2023 die neue Generation der Mini-Modelle aus der Great- Wall-Kooperation an die Kunden heranrollt, dann zunächst auch noch als Verbrenner. Doch am besten, man sichert sich bis dahin noch einen der aktuellen Spaßmacher, denn so puristisch werden die Mini-Gefühle wohl nie wieder. Und wenn schon Kurvenjagd – dann auch gleich im John Cooper Works.

Bevor es auf eine lange Fahrt geht, sollte man die Wahl des geeigneten fahrbaren Untersatzes nicht dem Zufall überlassen. Fraglos gibt es auf langen Strecken geeignetere und entspanntere Fahrzeuge als einen Mini John Cooper Works. Doch wenn man nicht nur auf, sondern auch um den Nürburgring herum ein paar Tage in der Eifel seine helle Fahrfreude genießen möchte, ist der Mini in seiner heißen Ausprägung des John Cooper Works auch ohne GP-Signet eine sehr adäquate Wahl. 170 kW / 231 PS verheißen eine ganze Menge Dampf, wenn man es wirklich einmal darauf anlegt, Spaß zu haben. Die Zeiten, in denen das schärfste Pferd aus dem Mini-Stall dabei ein nur schwer zu bändigender Zosse war, sind lange vorbei. In Sachen Fahrwerk wurde im Laufe der Jahre nachgelegt und auch wenn es vielen Mini-Fans es schwerfällt, das zuzugeben: Mit der optionalen Achtgangautomatik ist der Mini auch als Sportskanone die bessere Wahl. Wer will, kann immer noch manuell in die Schaltvorgänge eingreifen – und macht es dann doch nicht. Allenfalls bei kurvenreichen Bergstraßen kommt der Wunsch hoch, einmal herunter- und vielleicht auch einmal hochzuschalten.

Ändert nichts daran, dass die Achtgangautomatik eine Wucht ist und zur sportlichen Fahrweise mit viel Dynamik und jeder Menge Drehzahl genauso passt, als wenn man die Zügel auf Autobahn oder Landstraße einmal schleifen lässt. Die Lenkung ist trotz spürbarer Antriebskräfte der Vorderachse eine der starken Seiten des Mini John Cooper Works. Stellkräfte, Rückmeldung und Präzision – für einen Fronttriebler ist das vielleicht keine Referenz, aber allemal top. Die Sitze bieten dabei sehr guten Seitenhalt und so darf es gerne eben auch einmal eine längere Tour in dem kleinen Flitzer sein. Die fehlende elektrische Verstellung ist entbehrlich – die manuelle Sitzverstellung jedoch von der Bedienung selbst ein Witz. Das macht kaum einer schlechter.

Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)
Mini John Cooper Works (Foto: MIni)

Bei den Instrumenten blickt der Fahrer auf ein Sammelsurium von Anzeigen. Hinter dem Lenkrad zunächst ein mattes Display mit mäßigem Informationsgrad und einem Head-Up-Display, das mit seiner ausfahrbaren Kunststoffscheibe eine schlimme Billiglösung bleibt. Während die Instrumente eine matte Kunststoffoberfläche haben, ist das großen Zentralinstrument in der Mitte der Armaturentafel glänzend und somit ebenso wenig stimmig. Bedient werden die einzelnen Funktionen über Berührung, Sprache oder die Schaltereinheit auf der Mittelkonsole, die zu weit hinten positioniert ist. Ergonomie ist wahrlich nicht die Stärker des Mini – auch wenn die Integration von Smartphone abgesehen vom allzu kleinen Display vorbildlich ist. Leider patzt er bei den Fahrerassistenzsystemen. Einen Totwinkelassistenten sucht man vergeblich und der Abstandstempomat steigt nicht nur bei der Fahrt gegen die niedrige Sonne gerne einmal aus – er funktioniert ohnehin nur bis Tempo 140.

Klasse-Turbomotor

Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit dem 3,88 Meter langen Mini John Cooper Works seine helle Freude haben kann und vielleicht auch muss. Das gilt auch für den Innenraum, denn der präsentiert sich im Laufe der Jahre wertiger denn je und besonders die beheizbaren Ledersitze gefallen. Schwer verständlich, wieso Mini seine Kunden in den nächsten Jahren bevormunden und diese entfallen lassen will. Stattdessen soll es nur noch Textil- und Kunststoffsitze geben – passt kaum zu einem sportlichen Mini John Cooper Works, der mit ein paar netten Dreingaben die 40.000-Euro-Marke knackt und sich ab die 50.000er-Grenze macht. Das überschaubare Platzangebot mag einen nicht stören – denn wer sich für einen Mini- Dreitürer entscheidet, der weiß, worauf er sich einlässt und als Spaßmaschine für zwei bietet der britische Fronttriebler allemal genug Raum. Der winzige Laderaum wird damit überspielt, die Rücksitze für Kleidung oder weitere Taschen zu nutzen. Hier braucht es nicht mehr, denn der Mini ist auch auf längeren Strecken ein Kleinwagen.

Ab auf die Landstraße

Aber einer, der es faustdick hinter seinen farblich abgesetzten Außenspiegeln hat. Mit über 1,3 Tonnen ist der Mini JCW kein Leichtgewicht, doch der lange Radstand und der willige Zweiliter-Turbo spielen über die Kilos zuviel auf dem Rippen locker hinweg. Dank 170 kW / 231 PS und 320 Nm Drehmoment geht es bissig und auf Wunsch mit leicht durchdrehenden Rädern los wie bei der Feuerwehr. In kaum mehr als sechs Sekunden knackt der Kurvenjäger die 100er-Marke und brüllt sich mit lauter werdendem Auspuffklang in noch höhere Geschwindigkeitssphären. Man muss jedoch nicht erst die Höchstgeschwindigkeit von 246 km/h – auf dem Tacho 256 km/h – knacken, dass es einem zu laut wird. Die Geräuschdämmung gehört nicht zu starken Seite des sportlichen Mini-Modells, sodass man sich schnell darauf beschränkt 180 bis 200 km/h zu fahren. Mehr ist tatsächlich anstrengend und macht es einem schwer, Telefonate zu führen oder die Lieblingsmusik aus dem überzeugenden Soundsystem zu genießen.

Besser als im Hochgeschwindigkeitsbereich schlägt sich der Mini John Cooper Works im sehr flotten Galopp auf der kurvigen Landstraße – zum Beispiel in der Eifel. Dort tritt das Großereignis auf der Nordschleife schnell in den Hintergrund, so viel Laune macht es durchs Ahrtal zu fahren und kleine Verbindungsstraßen auszukundschaften. Dabei ist das normale Fahrprogramm durchweg die beste Wahl, denn der Ecomodus nimmt dem aufgeladenen Vierzylinder seinen Biss und das Sportprogramm wirkt schneller als gewünscht allzu angestrengt. Eine Qualität hätte man dem Mini John Cooper Works kaum zugetraut, denn wie man ihn auch bewegt, ein Spritfresser ist die Sportskanone aus Oxford nicht. Wer es darauf anlegt, verbraucht deutlich unter sieben Liter auf 100 Kilometer und selbst bei schneller Gangart knackt er nicht die Acht-Liter-Marke. Und das bei einem Normverbrauch zwischen 6,6 und 6,9 Litern. Der aufgeladene Vierzylinder ist gerade in dieser Hinsicht eine echte Wucht.

Autor:

Stefan Grundhoff, Nürburgring, Stand: 2022-06-14 03:29:00
Fotos: MIni