Reportage:

Brummende und qualmende Dieselbusse in überfüllten Innenstädten nerven jeden. Doch es gibt gute Nachrichten, denn viele Kommunen werden in den kommenden Jahren auf Busse mit Elektroantrieb umsteigen – kein Lärm – kein Qualm. Bei einer Tour durch ganz Europa hat ein elektrischer MAN Citybus gezeigt, dass die Zukunft längst begonnen hat.
Foto: press-inform / MAN
elektrische MAN-Bustour Europa 2022 (Foto: press-inform / MAN)

Elektrisch durch Europa

Brummende und qualmende Dieselbusse in überfüllten Innenstädten nerven jeden. Doch es gibt gute Nachrichten, denn viele Kommunen werden in den kommenden Jahren auf Busse mit Elektroantrieb umsteigen – kein Lärm – kein Qualm. Bei einer Tour durch ganz Europa hat ein elektrischer MAN Citybus gezeigt, dass die Zukunft längst begonnen hat.

Für kaum einen Bus bietet sich der Elektroantrieb besser an, als für diese, die von Kommunen in den Innenstädten eingesetzt werden. Diese haben eine feste Fahrtroute, planbare Einsatzzeiten und müssen in jeder Schicht eine überschaubare Distanz zurücklegen. MAN ging mit seinem neuesten Elektromodell Lion’s City 12 E auf eine 2.500 Kilometer lange Tour durch Europa, um zu zeigen, dass die elektrische Zukunft der Citybusse längst begonnen hat. In zehn Tagen fuhr der Elektrobus vom Startpunkt in München über Städte wie Zürich, Straßburg, Brüssel bis ins irische Limerick und legte dabei eine Gesamtdistanz von knapp 2.500 Kilometern zurück und verbrauchte auf der Tour de Europe eine Energie von insgesamt 1.763 kWh – das sind gerade einmal 0,72 kWh pro Kilometer. Erreicht werden konnten diese imposanten Werte durch die effiziente Technik an Bord des MAN Lion’s City E und eine stattliche Rekuperationsrate von knapp 21 Prozent. Die Energie für den Dauerlauf unter wechselnden Wetterbedingungen und Überquerung von Bergpassagen stellten die sechs Lithium-Ionen-Akkupakete auf dem Dach des Personentransporters mit ihrer Kapazität von 480 kWh sicher. Nachgeladen wurde wie beim Alltagseinsatz in der City nachts im Depot.

MAN ist sich sicher, dass die Zukunft der europäischen Citybusse allein eine elektrische sein wird. „2025 wird es rund die Hälfte aller neuen Busse sein, die einen Elektroantrieb bekommen“, sagt Viktor Schaub, bei MAN verantwortlich für das Produktmarketing, „bis zum Jahre 2030 rechnen wir dann mit einem Elektroanteil von 80 bis 90 Prozent.“ Gute Aussichten für die Innenstädte, denn aktuell werden die meisten Busse, die auf Citylinien unterwegs sind, von Dieselmotoren angetrieben. Allemal effizient, aber eben auch laut und trotz zunehmender Hybridisierung alles andere als lokal emissionsfrei. Dabei liegen die Vorteile eines Elektrobusses in der Innenstadt auf der Hand. Während Reisebusse lange Strecken mit konstanter Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometer zurücklegen, sieht das bei Bussen in der Innenstadt ganz anders aus. „Sie sind Tag für Tag auf einer festen Route unterwegs, halten sehr häufig, fahren an und bremsen wieder ab“, erklärt Rudi Kuchta, verantwortlich für den Busbereich bei MAN Truck & Bus. Die Personentransporter fahren nachts in ein Depot, haben feste Standzeiten, zu denen problemlos und dann noch zum günstigen Tarif nachgeladen werden kann. Zwei bis drei Stunden reichen aus, um das Akkupaket im Unterboden oder auf dem Dach erstarken und fit für die nächste Frühschicht werden zu lassen. „Das dauert im Depot mit 150 Kilowatt rund drei Stunden“, sagt Busfahrer Heinrich Degenhart, Abteilungsleiter bei MAN.

elektrische MAN-Bustour Europa 2022 (Foto: press-inform / MAN)
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elektrische MAN-Bustour Europa 2022 (Foto: press-inform / MAN)
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Der Lebensraum in den überfüllten Innenstädten scheint ideal für den Elektrobus und den Verkehrsbetrieb der Kommune aus deren Betreiber, doch es geht auch in der Strecke. Wurden auf der 2.500 Kilometer langen Tour durch Europa über 20 Prozent der Leistung durch Bremsenergie zurückgewonnen, so lassen sich durch die Rekuperation in der City bis zu 40 Prozent der verbrauchten Energie wieder zurückholen. Der Citybus von MAN ist als zwölf Meter lange Normalversion und als 18-Meter- Gelenkbus zu bekommen. Quer durch Europa war der 12-E-Citylöwe, der über einen Elektromotor an der Hinterachse angetrieben wird. Seine Dauerleistung liegt bei 160 kW / 218 PS und für einen kraftvollen Antritt am Berg und der Innenstadt bietet er ein gewaltiges Drehmoment von 2.100 Nm. Kurzzeitig kann der tonnenschwere Personentransporter 240 kW / 326 PS / 3.400 Nm auf die Straße bringen. Bergab kann der im polnischen Starachowice gefertigte Elektrobus mit bis zu 300 Kilowatt Energie zurückgewinnen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Europatournee lag bei 41 km/h. Technisch wird der Citybus bei 83 km/h abgeriegelt.

Im vergangenen Jahr gab es bereits einen Test unter Realbedingungen auf einer der bekanntesten Münchner Busrouten in der Innenstadt. Im 24-Stunden-Dauerbetrieb schaffte der Elektrobus Lion’s City 12 E unter Alltagsbedingungen mächtige 550 Kilometer. Diesmal waren es an manchen Tagen mehr als 400 Kilometer, die der MAN Lion’s City 12 E ohne Ladestopp zurücklegen konnte. Aktuell hapert es noch am Preis, denn aktuell ist ein elektrischer Innenstadtbus mit einem Preis von rund 500.000 Euro etwa doppelt so teuer wie ein vergleichbares Dieselmodell. Doch neben den Zuschüssen aus Berlin und Brüssel helfen die Unterhaltskosten, denn der Elektrobus ist mittlerweile genauso teuer oder noch günstiger als vergleichbare Modelle mit Diesel- oder Gasantrieb. Und mit steigender Laufleistung und Haltedauer führt am Elektrobus wohl kaum noch ein Weg vorbei. „Es gibt in einige Ländern mittlerweile Ausschreibungen, in denen nur noch Elektrobusse zugelassen sind“, so Viktor Schaub.

Autor:

Stefan Grundhoff, Europa, Stand: 2022-05-13 07:53:00
Fotos: press-inform / MAN