Reportage: Absatzzahlen Elektrofahrzeugen

Der Absatz von Elektrofahrzeugen hat in den letzten Jahren Rekordzahlen erreicht. Mittelfristig sollen sich die Verkaufszahlen verzehnfachen. Vor allem in China und Europa sorgen die politischen Rahmenbedingungen für einen gewaltigen Schub.
Foto: press-inform / Renault
Der Renault 5 Prototyp ist vollelektrisch (Foto: press-inform / Renault)

Das erste Drittel ist geschafft

Der Absatz von Elektrofahrzeugen hat in den letzten Jahren Rekordzahlen erreicht. Mittelfristig sollen sich die Verkaufszahlen verzehnfachen. Vor allem in China und Europa sorgen die politischen Rahmenbedingungen für einen gewaltigen Schub.

Der Automarkt wird sich bis zum Jahre 2030 gigantisch verändern. 18 Länder haben sich bisher selbst verpflichtet, den Verkauf von Benzin- und Diesel-Pkw sukzessive vollständig einzustellen – fast die Hälfte davon will das bereits bis zum Ende des Jahrzehnts umgesetzt sehen. Darüber hinaus will China als größter Automarkt der Welt bis 2025 jedes vierte Neufahrzeug elektrisch betreiben und Indien plant überaus mutig bis 2030 einen Elektroanteil von 30 Prozent an. Selbst die benzingetränkten USA wollen in den nächsten acht Jahren die Hälfte der Neufahrzeuge mit einem Stromstecker ausstatten. 2021 wurden mehr als 6,5 Millionen Elektroautos verkauft – das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch der Marktanteil hat sich von 4,7 auf 9,5 Prozent verdoppelt. Europa und China geben bei der Elektromobilität aktuell im Gleichklang den Takt vor. Während China mit einem Absatz von über drei Millionen elektrifizierter PKW 2021 der größte Markt weltweit war, ist Europa mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent aller verkauften Neufahrzeuge führend. Die acht Länder, in denen prozentual am meisten Elektrofahrzeuge verkauft werden, liegen allesamt in Europa. Auf Platz eins nach wie vor der kleine Markt in Norwegen mit fast 90 Prozent.

Die Vereinigten Staaten fielen im Vergleich zu China und Europa zuletzt zurück: Zwar haben sich die Elektroverkäufe im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten 2021 auf knapp 700.000 Fahrzeuge ebenfalls verdoppelt – allerdings auf niedrigerem Niveau. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des McKinsey Electric Vehicle Index, mit dem die Unternehmensberatung McKinsey & Company regelmäßig die Entwicklung der E-Mobilität in den 15 wichtigsten Ländern misst. Der Analysebericht „Oil and Gas Sector Strategies for Electric Vehicles“, erstellt von Global Data belegt, dass die Elektromobilität zunehmend auch führende Öl- und Gasunternehmen dazu bringt, ihr Geschäft an die bereits begonnene Energiewende anzupassen. Konzerne wie Shell, Total Energies oder Mitsui entwickeln durch Übernahmen und Partnerschaften Kapazitäten für das Laden von Elektrofahrzeugen, die Herstellung von Batterien und andere Bereiche der Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge.

BMW iX M60 (Foto: press-inform / BMW)
Mercedes EQS SUV 2023 (Foto: Mercedes Group AG)
Opel Mokka-e (Foto: Stellantis)
Mini Cooper SE 2024 (Foto: Mini)
VW ID. Buzz (Foto: Volkswagen)
Skoda Enyaq Coupé iV (Foto: press-inform / Skoda)
Peugeot e-208 (Foto: Stellantis)
Kia Sportage PHEV (Foto: Kia)
Toyota bZ4X 4×4 (Foto: Toyota)

„Exxon Mobil hat die Ladeinfrastruktur bisher ignoriert und stattdessen Lösungen zur Verbesserung der Leistung von Elektrofahrzeugen angeboten, wie zum Beispiel das Wärmemanagement von Batterien. Das Unternehmen entwickelt auch Flüssigkeiten, Schmiermittel und Kühllösungen speziell für EV-Motoren. Dies ist ein weniger riskanter Vorstoß in den Markt für Elektrofahrzeuge als der Aufbau einer physischen Infrastruktur und überschneidet sich mit der derzeitigen Produktion von Flüssigkeiten auf Erdölbasis des Unternehmens“, sagt Miles Weinstein, Energie-Analyst bei Global Data. Nach wie vor tut sich die Brennstoffzelle in der Mobilitätsbranche schwer. Global Data geht davon aus, dass sich die Wirtschaftlichkeit verbessern wird, insbesondere angesichts der steigenden Gaspreise, und erwartet, dass Brennstoffzellenfahrzeuge aufgrund ihrer größeren Reichweite und kürzeren Betankungszeit im Segment der mittelschweren und schweren Nutzfahrzeuge eine größere Bedeutung bekommen werden. Bei den PKW dürfte ihnen hingegen kaum mehr als eine Nischenposition zufallen.

Nutzfahrzeugen bleiben Verbrenner

Die Verkäufe von leichten Elektrofahrzeugen, insbesondere von PKW und nicht gewerblich genutzten Nutzfahrzeugen, übertreffen in den meisten Ländern bereits jetzt die Verkäufe von Plug-in-Hybriden. Das dürfte sich mit sinkenden Subventionen für Plug-in-Hybriden wie wohl ab 2023 auch in Deutschland noch verstärken. Mehrere Autohersteller haben sich Ziele für den Absatz von Elektrofahrzeugen gesetzt und entsprechende Mittel für die Elektrifizierung bereitgestellt. Zu den ehrgeizigsten gehören die Ziele von Daimler und Volvo, bis 2025 die Hälfte aller Verkäufe rein elektrisch tätigen wollen, während die Renault- Markengruppe bis 20230 komplett elektrisch werden will. Der Volkswagen-Konzern plant, bis zum Jahre 2024 insgesamt 35 Milliarden Euro in die Elektromobilität zu investieren.

Ladesäulen bleiben entscheidend

Analyst Miles Weinstein: „Fast alle der bisher festgelegten nationalen Ziele schließen mittlere und schwere Nutzfahrzeuge aus, was darauf hindeutet, dass diese Segmente auch über die 2030er Jahre hinaus weitgehend mit konventionellen Kraftstoffen betrieben werden könnten. Die Nachfrage nach Erdölprodukten hat sich nach 2020 erholt, wird aber voraussichtlich erst 2026 wieder das Niveau von 2019 erreichen, was zum Teil auf die steigende Nachfrage nach E-Fahrzeugen zurückzuführen ist.“ Der Absatz von Elektroautos hat zuletzt gegen den allgemeinen Markttrend zugenommen. Während der Gesamtmarkt weltweit 2021 von 66 auf 68 Millionen verkaufter Neufahrzeuge nur leicht wuchs, legten die Verkäufe von Elektrofahrzeugen um 108 Prozent zu. McKinsey-Analyst Patrick Schaufuss: „Dies ist auch ein Indikator dafür, dass die Autohersteller in Zeiten angespannter Lieferketten und des Halbleitermangels die Produktion und den Verkauf von E-Autos priorisiert haben.“

Entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität bleibt die Ladeinfrastruktur, denn hierbei zeigen sich im weltweiten Vergleich gravierende Unterschiede: In China kommen rechnerisch im Schnitt sieben Elektroautos auf einen öffentlichen Ladepunkt; in Deutschland sind es hingegen 27 und in den USA 21. Auch absolut betrachtet führt China diese Rangliste an: hier stehen 1,1 Millionen öffentliche Ladepunkte, während es in Deutschland gerade einmal 50.000 Stück sind. Patrick Schaufuss: „In Europa gilt es, das Ausbautempo hochzuhalten- bis 2030 müssten wöchentlich 5.000 bis 10.000 neue Ladepunkte hinzukommen, um den reibungslosen Ausbau der E-Mobilität zu ermöglichen.

Autor:

Stefan Grundhoff, Stand: 2022-05-26 20:32:00
Fotos: press-inform / Renault