
Deutlich schwächer als erwartet
Die Halbleiterkrise hat die Autoindustrie weltweit weiterhin fest im Griff. Diese sorgt zusammen mit der anhaltenden Corona-Pandemie dafür, dass die Fahrzeugproduktion deutlich schwächer ausfällt als ehemals angenommen.
Die Analysten von IHS Markit gehen nach den letzten Untersuchungen davon aus, dass die Produktion von PKW und Vans in diesem Jahr um 6,2 Prozent oder 5,02 Millionen Einheiten auf 75,8 Millionen Fahrzeuge gesenkt werden muss. Im kommenden Jahr 2022 sieht es mit einem kalkulierten Rückgang um 8,45 Millionen Fahrzeuge auf 82,6 Millionen (minus 9,3 Prozent) noch schwerwiegender aus. Selbst für das Jahr 2023 rechnen die IHS-Experten mit einem Minus von über einer Million Einheiten, sodass insgesamt 92 Millionen Fahrzeuge gefertigt werden könnten. Erst in den Jahren 2024 und 2025 soll sich die Lage nach einem sukzessiven Hochfahren der Lieferketten langsam wieder normalisieren. Für 2024 wird mit einem Produktionsvolumen von 97,3 Millionen Einheiten gerechnet und 2025 könnte es einen weiteren Anstieg um 2,4 Prozent auf 98,9 Millionen Einheiten weltweit geben.
Durch die anhaltenden Probleme im Bereich der Halbleiterfertigung geht IHS davon aus, dass allein im ersten Quartal 2021 mehr als 1,4 Millionen Einheiten verloren gingen und sich die Zahl im zweiten Quartal um weitere 2,6 Millionen Fahrzeuge nahezu verdoppelte. Die Verluste im dritten Quartal belaufen sich derzeit auf 3,1 Millionen Fahrzeuge – Tendenz steigend. Die Aussichten für das vierte Quartal spiegeln ein erhöhtes Risiko wider, da die Herausforderungen in den Lieferketten – speziell bei Halbleitern – unverändert weiter bestehen. Kürzlich teilte selbst Toyota mit, dass es seine Produktionsziele im Oktober reduzieren wird, nachdem man eine 40prozentige Kürzung des Fertigungsplans für September angekündigt hatte. Bisher war der japanische Großkonzern von den Problemen durch seine In-House-Fertigungen kaum betroffen gewesen.
In der ersten Jahreshälfte war die Hauptursache für die Störungen die Verknappung der Front-End-Wafer-Fertigung für Mikrocontroller. Dies war die Lieferkette, die durch den Eissturm in Texas und den Brand im Renesas-Werk Naka 3 in Japan in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zusätzlich zu diesen Ereignissen, die die Schwierigkeiten in einer ohnehin eingeschränkten Lieferkette weiter verschärften, hat sich die Lage in den Halbleiterbetrieben speziell in Malaysia weiter verschärft, da es an der Verpackung und Prüfung der Produkte fehlt. Die Maßnahmen, die ursprünglich Ende Juni auslaufen sollten, wurden bis Mitte August verlängert und die Rückkehr zur vollen Betriebskapazität wird nicht vor Ende Oktober erwartet.
Der Produktionsrückstand von zweieinhalb Monaten, der sich seit Juni schrittweise aufgebaut hat, wird sich nur langsam abbauen und voraussichtlich bis weit ins Jahr 2022 erstrecken. „Die angespannte Fertigungs- und Lieferlage in Malaysia ist unserer Einschätzung für 13 Prozent des weltweiten Halbleiterangebots für die Automobilindustrie verantwortlich“, erläutert Mark Fulthorpe von IHS, „zusätzlich zu dem verlängerten Zyklus von Sperrungen, die wiederum die Möglichkeit einer Verbesserung in diesem Kalenderjahr verringert haben, hat sich die Backend-Situation auch auf ein breiteres Spektrum von Halbleiteranwendungen als nur MCUs ausgewirkt.“
Autor:Patrick Solberg, Stand: 2021-09-17 01:58:00
Fotos: press-inform / Toyota









