Reportage: BMW Modellbau

Wir alle bewundern oft die Konzeptautos. Doch nur wenige wissen, wieviel Schweiß, Arbeit und Improvisationstalent hinter einem Fahrzeug wie den Mini Vision Urbanaut steckt.
Foto: press-inform / Mini
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)

So werden Visionen Realität

Wir alle bewundern oft die Konzeptautos. Doch nur wenige wissen, wieviel Schweiß, Arbeit und Improvisationstalent hinter einem Fahrzeug wie den Mini Vision Urbanaut steckt.

VW braucht sich nicht einzubilden, mit dem ID.Buzz den einzigen vollelektrischen Personentransporter zu haben. Mini könnte den Wolfsburgern mit einem eigenen hippen Bulli schon bald Konkurrenz machen. Mini Vision Urbanaut heißt das Konzeptfahrzeug, das coole Lounge und lässiges Fortbewegungsmittel in einem ist. Klar ist der Kleinbus mit den Genen des Kultflitzers eine ambitionierte Vorstellung, wie die Zukunft der lifestyligen BMW Tochter aussieht. Aber oft werden gerade die gewagtesten Zukunftsprognosen Tatsache. Wenn es mit dem autonomen Fahren der Level 4 und 5 zügig vorangeht, dürften mobile Wohnzimmer über die Straßen rollen. Dann ist der Vision Urbanaut mit seiner Rückzugsecken und den Entspannungsmöbeln ein durchaus vorstellbares Automobil.

Doch wie wird aus einer Vision der Designer eine Realität, in der man es sich heute schon bequem machen kann. Dafür sind bei BMW die Modellbauer zuständig, die mit viel Geschick und klassischer Handwerkskunst aus einer Computergrafik ein Konzeptfahrzeug entstehen lassen, dass die Zukunft greifbar macht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bettina Raith ist eine von den Spezialisten, die aus Skizzen sowie Bits und Bytes Fahrzeuge aus Blech und Stoff entstehen lassen.

Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)
Mini Vision Urbanaut (Foto: press-inform / Mini)

Die sportliche Frau, der man ansieht, dass sie in der Freizeit gerne auf dem Mountainbike Berge erklimmt, hat eine Ausbildung zur Architektur-Modellbauerin absolviert und schraubt, sägt, schleift und klebt seit 20 Jahren bei BMW an solchen Konzeptstudien. Beim Mini Vision Urbanaut war sie verantwortlich für den Innenraum und oft sind es Kleinigkeiten, die nach wenig und selbstverständlich ausschauen, die die meiste Arbeit machen. Der Mini Token, ein runder Puck, der in eine passende Mulde eines kleinen Tisches gesteckt wird und verschiedene Atmosphären mit Duft, Licht sowie Musik im Innenraum erzeugt, ist so ein Beispiel beziehungsweise ein Teil davon. Der Tisch war die Herausforderung. „Der Teufel steckt im Detail. Es musste wahnsinnig viel Technik in wenig Platz untergebracht werden“, schmunzelt Raith, wohlwissend, dass die Künstler im Schatten des Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) die Aufgabe gemeistert haben.

Alleingänge sind kontraproduktiv

Insgesamt umfasst die Abteilung rund 20 Modellbauer, dazu kommen zum Beispiel Fräser oder Lackierer. „Das Schöne am Modellbau ist, dass wir uns austoben können“, sagt Bettina Raith. Doch wer jetzt glaubt, dass sich eine Bande Handwerks-Freestyler nach Lust und Laune selbst verwirklicht, liegt komplett falsch. Es geht vielmehr darum, dass man Erfahrung braucht und kreativ sein muss, um scheinbar Unmögliches möglich zu machen. Von heute auf morgen passiert ohnehin nichts: Für eine Studie brauchen die Modellbauer rund ein halbes Jahr. Wenn nicht eine Pandemie wie das COVID-19 Virus den ganzen Zeitplan durcheinanderwirbelt. Deswegen hat es der Vision Urbanaut nur virtuell auf die #NEXTGen geschafft. „Wir hatten das Chassis ein Jahr bei uns herumstehen“, erzählt Bettina Raith. An dem Plan, den Prototypen zusammenzubauen, wurde aber nicht gerüttelt. Das Prozedere ist für die Modellbauer Routine, die Einzelheiten dann oftmals nicht.

Erst kommen die Vorstellungen der Formgeber, die dann erfüllt werden sollen. Beim Modellbau herrscht das Prinzip der kurzen Wege. „Manchmal schaut ein Element in der Realität ganz anders aus als auf dem Computerbildschirm, dann muss eine Lösung gefunden werden“, verdeutlicht Raith. Oft wird mit Designern inmitten der Modellbauwerkstatt diskutiert. Dann sind das Improvisationstalent und die Erfahrung der Modellbauer gefragt. Dazu gehören die klare Kommunikation und der Blick fürs Ganze. Nur so kann die anspruchsvolle Aufgabe gelöst werden.

Wer nur mit Scheuklappen vor sich hinwerkelt, scheitert. Vor allem, weil keine Universallösung auf Knopfdruck existiert. „Es gibt kein perfektes Teil, nicht einmal aus dem 3-D-Drucker“, sagt Bettina Raith. Und wenn etwas nicht passt, wird es passend gemacht. Das beste Beispiel ist die Schiebetüre des Mini Vision Urbanaut. „Die war ein großes Thema“, lächelt Bettina Raith. Die Pforte durfte keine Schiene haben und wird mit Elektromotoren bewegt. Die grundsätzliche Mechanik ist klar, die Umsetzung umso schwerer. Schließlich wiegt die Türe einiges und muss auf Knopfdruck millimetergenau passen. „Jedes Teil ist ein Einzelstück und das Ganze ein Meisterwerk“, strahlt Bettina Raith. Und wer weiß, wie professionell die Modellbauer ihren Job erledigen, kann sich in etwa vorstellen, wie stolz sie ist.

Autor:

Wolfgang Gomoll, Markt Kaltental, Stand: 2021-06-26 20:16:00
Fotos: press-inform / Mini