Reportage: Electrify America

Nirgends auf der Welt wurden bisher mehr Tesla-Modelle verkauft als in den USA und auch bei den anderen Autoherstellern kommt die Elektrowelle in den Vereinigten Staaten mittlerweile ins Rollen. Helfen soll dabei insbesondere der Ladeverbund Electrify America.
Foto: press-inform / Electrify America
Electrify America (Foto: press-inform / Electrify America)

Für die breite Masse

Nirgends auf der Welt wurden bisher mehr Tesla-Modelle verkauft als in den USA und auch bei den anderen Autoherstellern kommt die Elektrowelle in den Vereinigten Staaten mittlerweile ins Rollen. Helfen soll dabei insbesondere der Ladeverbund Electrify America.

Die meisten amerikanischen Kunden eines Elektroautos laden dies aktuell zu Hause und dann vorrangig an einer ganz normalen Steckdose. Das bedeutet endlose Ladezeiten und ist schon deshalb alles andere als bequem. Die Zahl der öffentlichen Ladesäule ist je nach Region sehr unterschiedlich und in vielen Bundesstaaten gibt es aktuell kaum mehr als ein paar Supercharger und Alibi-Ladesäulen vor öffentlichen Gebäuden. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Nachdem die Demokraten mit Präsident Joe Biden das politische Regiment übernommen haben, gibt es deutlich mehr Druck in Sachen Elektromobilität. Ein weit verzweigtes Ladenetz soll staatenübergreifend dafür sorgen, dass immer mehr Amerikaner Lust auf die Elektromobilität bekommen und auf ein Elektrofahrzeug umsteigen. Hinzu kommen elektrische Volumenmodelle, die neben dem Tesla Model 3 und dem Model X die breite Masse ansprechen sollen.

Für das öffentliche Ladenetz ist in erster Linie das Unternehmen Electrify America verantwortlich, die ursprünglich aus dem Dieselskandal des Volkswagen Konzerns entstanden sind. Im Rahmen der rechtlichen Auseinandersetzung verpflichtete sich Volkswagen zwei Milliarden US-Dollar zu investieren, damit das Unternehmen für ein entsprechende Ladeinfrastruktur sorgen könne. Ende vergangenen Jahres hatte das Unternehmen mit Sitz in Reston / Virginia 500 Ladestationen und rund 2.200 Ladestationen im ganzen Land aufgebaut – nicht viel für einen Flächenstaat wir die USA. Doch der Ausbau schreitet mit großen Schritten voran – nicht zuletzt auf Druck von Joe Biden. Ende dieses Jahres sollen es 800 Stationen und mehr als 3.500 Ladepunkte sein. Bis 2025 sind 1.800 Ladeparks und 10.000 Ladestationen über die ganzen USA geplant.

Electrify America (Foto: press-inform / Electrify America)
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„Wir haben beschlossen, unsere derzeitige Ladeinfrastruktur in Nordamerika in den nächsten vier Jahren zu verdoppeln, um den Bedarf für das von praktisch allen Autoherstellern erwartete rasche Wachstum von Elektrofahrzeugen zu decken und dazu beizutragen, die Einführung von Elektrofahrzeugen zugänglicher und attraktiver denn je zu machen“, so Giovanni Palazzo, Präsident und Chief Executive Officer von Electrify America., „wir unterstützen mit dieser Zusage die Pläne der großen Automobilhersteller und der Regierungen der USA und Kanadas, den Übergang zu einem elektromobilen Verkehrssystem zu fördern.“

150 bis 350 kW

Gerade an den in den USA so beliebten Malls, Shopping Centern und Outlets entstehen aktuell kleinere und mittlere Ladeparks, wo die Amerikaner während des Einkaufs ihre Fahrzeuge ohne Mühen aufladen können. Die anderen Ladesäulen sollen auf Großparkplätzen und in Parkhäusern aufgebaut werden. Anders als in Europa sind die Einkäufe der Amerikaner nicht nur am Wochenende deutlich größer und länger als wir es in unseren Breiten kennen. An den DC-Schnellladern können wir Fahrzeuge daher wieder stattlich erstarken, ehe es zurück nach Hause geht.

Das Ladenetz von Electrify America bietet aktuell ein Spektrum von 50 bis 350 kW, wobei die meisten Ladesäulen Geschwindigkeiten von mehr als 150 kW realisieren sollen. Um gegen das Ladenetz von Tesla mit seinen Superchargern bestehen zu können, soll nicht nur die Ladegeschwindigkeit, sondern auch die Lokalitäten konkurrenzfähig sein. Ähnlich wie bei Ionity oder EnBW in Deutschland und Europa gibt es auch bei Electrify America entsprechende Ladetarife, wobei die Hersteller einiger Fahrzeuge Vereinbarung über kostenloses Aufladen getroffen haben. Wer sich zum Beispiel einen der der ab Dezember verfügbaren Lucid Air gesichert hat, lädt im Ladenetz von Electrify America die ersten drei Jahre komplett kostenlos – eine Kopie des alten Tesla-Systems, so die Tesla-Modelle an den Superchargern ebenfalls kostenlos nachladen konnten. Ähnlich sieht es mit den Modellen von Mercedes, Audi, Hyundai, Kia, Volkswagen oder Volvo aus – auch deren neue Elektromodelle zahlen mindestens zwei Jahre im Ladenetz von Electrify America keinen Cent, wenn es an die Steckdose geht.

Die Abrechnungen der normalen Ladung geschieht entweder per Ladedauer oder der nachgetankten Energiemenge. Aktuell kostet eine Kilowattstunde 0,43 US-Dollar für Fremdkunden und 0,31 US-Dollar für Mitglieder, für die eine zusätzliche Monatsgebühr von vier Dollar anfällt, die oftmals jedoch der Autohersteller bezahlt. Wird per Dauer abgerechnet, sind es zumeist drei Cent pro Minute oder 40 Cent nach einer Dauer von zehn Minuten.

Autor:

Stefan Grundhoff, Stand: 2021-08-24 06:41:00
Fotos: press-inform / Electrify America