Reportage: Europäische Union

Die Europäische Union hat ihre Entscheidung getroffen: die automobile Zukunft ist elektrisch. Danach wird es nicht nur für synthetische Kraftstoffe oder die Brennstoffzelle schwer, sondern auch Verbrennermotoren dürften in Europa bald der Vergangenheit angehören.
Foto: Ionity
Ionity Schnelllader (Foto: Ionity)

Starkstrom

Die Europäische Union hat ihre Entscheidung getroffen: die automobile Zukunft ist elektrisch. Danach wird es nicht nur für synthetische Kraftstoffe oder die Brennstoffzelle schwer, sondern auch Verbrennermotoren dürften in Europa bald der Vergangenheit angehören.

2035 ist Schluss mit neuen Verbrennern – zumindest in der Europäischen Union. Nach der jüngsten Entscheidung für Elektroautos und gegen die bisherigen Diesel oder Benziner sind die Zeichen für die Zukunft gestellt. Der Rat der EU wollte klare Verhältnisse schaffen, damit Verbraucher und Industrie sich gleichermaßen mit entsprechendem Vorlauf auf die automobile Zukunft einstellen können. Die meisten Autobauer sind ohnehin schon zwei Schritte weiter. Viele Marken werden ab 2030 oder noch früher keine neuen Verbrenner mehr anbieten; andere folgen 2032 und viele Experten sind der Ansicht, dass sich das Ende der Verbrenner eher noch nach vorne ziehen könnte. Nach der EU-Entscheidung sind auch die Analysten von Dataforce der Ansicht, dass sich in der EU bis 2035 Elektroautos flächendeckend durchsetzen werden. Investitionen in Infrastruktur, Batterierecycling und Rohstoffgewinnung werden jedoch deutlich zunehmen müssen, damit der Umstieg in die Elektrowelt rechtzeitig gelingt.

Doch die Europäische Union hat in der vergangenen Woche nicht allein beschlossen, dass PKW ab 2035 lokal keine CO2 mehr emittieren dürfen. Zudem wurde das Reduktionsziel für das Jahr 2030 von minus 35 auf minus 50 Prozent verschärft. Nach Ansicht der Dataforce-Analysten sind diese strengeren Vorgaben für die Industrie zu meistern. „Der nun gefundene Kompromiss erlaubt aber, in den Nischen weiter Verbrenner anzubieten, wo der Umstieg auf E-Mobilität zu unverhältnismäßig hohen Kosten führen würde“, so Dataforce-Experte Marc Odinius, „die größere Herausforderung besteht in der Elektrifizierung der LCVs (leichte Nutzfahrzeuge). Mit dem aktuellen Stand der Technik können viele Einsatzzwecke in Unternehmen noch nicht abgedeckt werden. Jedoch hat die Industrie immer wieder bewiesen, dass Sie derartige Herausforderungen meisten kann.“

Mercedes AMG EQS 53 4matic (Foto: Oliver Schwarz)
Kia Sportage PHEV (Foto: Kia)
Ionity Schnelllader (Foto: Ionity)
Ionity Schnelllader (Foto: Audi / Ionity)
Citroen e C4x (Foto: Stellantis)
Ionity Schnelllader (Foto: Audi / Ionity)
Ionity Schnelllader (Foto: Audi / Ionity)
Ionity Schnelllader (Foto: Audi / Ionity)
Ionity-Ladesäulen an dem Tank & Rast-Rastplatz Brohltal-Ost (Foto: press-inform / Tank & Rast)

Nach wie vor hapert es aktuell jedoch an der Ladeinfrastruktur. Nach einer Analyse des Verbands der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) verteilt sich die Hälfte aller Ladepunkte für Elektroautos in der Europäischen Union auf gerade einmal zwei Länder: die Niederlande mit 90.000 Ladepunkten und Deutschland mit 60.000. Dabei machen die beiden Staaten weniger als zehn Prozent der gesamten EU-Fläche aus. Die andere Hälfte aller Ladesäulen ist über die übrigen 25 Länder verstreut, die 90 Prozent der Fläche der Region abdecken.

Derweil wächst die Nachfrage nach Elektroautos immer weiter. Nach einer Umfrage von Castrol und BP können sich über 40 Prozent der Befragten vorstellen, bald auf ein Fahrzeug mit Elektroantrieb umzusteigen. Niemand der auf ein Elektroauto umgestiegen ist, will nach der Studie zurück auf ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zurückwechseln. Die Studie zeigt zudem, dass mit 97 Prozent die große Mehrheit der befragten Automobilmanager davon ausgehen, die staatlich gesetzten Fristen für die Abschaffung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einhalten zu können. Klare Konzepte für die Umstellung vom Verbrenner- zum Elektrofahrzeug fehlen allerdings noch, denn nur 40 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen aktuell für den Umstieg bereit sei. Im Monat Mai 2022 lag der Verkaufsanteil der rein elektrisch angetriebenen Fahrzeuge bei 14,1 Prozent, was einem Plus von knapp neun Prozent entspricht. 11,2 Prozent der Zulassungen entfielen auf Plug-in-Hybriden. Rückläufig ist der durchschnittliche CO2-Ausstoß, denn 120,3 g / CO2 pro Kilometer sind ein Rückgang von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Autor:

Stefan Grundhoff, Stand: 2022-07-04 17:35:00
Fotos: Ionity