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Frank Stephenson entwarf einige der wichtigsten Automobile der vergangenen 25 Jahre. Darunter so epochale Autos wie den modernen Mini Cooper und die Neuauflage des Fiat 500.
Frank Stephenson geht nie ohne einen kleinen Block aus dem Haus. Denn der Designer entdeckt an jeder Straßenecke eine Idee, eine Inspiration für seine Werke. Sei es ein Objekt in einem Schaufenster eines Geschäfts oder auch die Form einer Pflanze im Park. Aus diesem Grund besteht der Sohn eines Norwegers und einer Spanierin auch auf das Erstellen von Tonmodellen während des Designprozesses. „Da kann man die Formen und Übergänge einfach am besten fühlen und sehen“, erklärt Stephenson.
So mancher wird fragen? Frank, wer? Lassen wir die Autos sprechen, die Frank Stephenson entworfen hat. Dazu gehören unter anderem der Ferrari F430, der Ferrari FXX, der erste BMW X5, verschiedene McLaren, wie den MP4-12C, den P1 oder den McLaren 675 LT. Neben dem Maserati MC12 und den Maserati GranSport half Stephenson als junger Designer beim Entwurf des Ford Escort V Cosworth. Diese straßentaugliche Homologation eines Rallye-Boliden ist für seinen auffälligen Doppelspoiler bekannt und genau dieses aerodynamische Hilfsmittel stammt von Frank Stephenson. Der wollte eigentlich einen Dreifach-Spoiler installieren, aber letztendlich wurden zwei Platten daraus.
Dieser radikale Ansatz zeigt, dass sich der Designer schon in jungen Jahren nicht in eine Schublade stecken lassen wollte. Von Ford ging es dann zu BMW, dann über die Alpen zu Ferrari-Maserati und schließlich zu Fiat, ehe McLaren rief. In den letzten Jahren hat sich Stephenson mit seinem Designbüro selbstständig gemacht und entwarf unter anderem für das deutsche Start-up Lilium Aviation ein elektrisches Flugtaxi, das senkrecht starten und landen kann: eVTOL (Vertical Take-Off and Landing).
Himmelfahrtskommando
Seine zwei größten Herausforderungen waren Neuauflagen von Ikonen: der neue Mini und der neue Fiat 500. „Beim Mini war das ziemlich knifflig, denn wir mussten die Identität beibehalten und trotzdem sollte das Auto modern aussehen“, beschreibt Frank Stephenson die Herausforderung. Er löste die Aufgabe, indem er die klassischen Merkmale wie den Kühlergrill oder die runden Scheinwerfer beibehielt und die Silhouette des Autos nach seinen Worten wie einen dreilagigen Kuchen aufbaute: Dach, Fenster und die Karosserie. Allerdings interpretierte er das legendäre Fahrzeug auch neu und stellte sich vor, wie ein Mini nach 40 Jahren aussehen würde, wenn er alle zehn Jahre etwas aufgefrischt würde. Schließlich mussten bei der Neuauflage auch modernen Sicherheitsaspekten genügen. Ein hervorstechendes Beispiel (im wahrsten Sinne des Wortes) ist der zweigeteilte Kühlergrill, bei dem der untere Part ein Teil des Stoßfängers ist und etwas hervorsteht. „Das ist wie ein hervorstehender Unterkiefer, den auch Bulldoggen haben“, verdeutlicht Stephenson das Design. Jetzt ist auch klar, warum die Bulldogge immer wieder in der Mini-Werbung vorkommt. „Der Hund ist ja eine andere britische Ikone“, schmunzelt der Formgeber.
Der Erfolg des neuen Minis sprach sich schnell in der Automobilszene herum und bewies, dass Stephenson nicht nur hochgezüchteten Sportwagen die Form geben konnte, sondern auch Ikonen. Und das ist ja eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Designer erfüllen muss, denn da muss jeder Strich sitzen, sondern verkommt die Neuinterpretation zur Karikatur. Die Aufgabe einer britischen Legende auf vier Rädern neues Leben einzuhauchen, war schon schwer genug. Aber ein automobiles Nationalheiligtum in die Moderne zu führen und dann noch in einem Land wie Italien, wo Ferrari-Rennfahrer schon wegen eines zweiten Platzes in Monza geschmäht wurden, kommt die Aufgabe fast einem Himmelfahrtskommando gleich.
Freundliche Augen
Trotzdem folgte Stephenson den Ruf nach Turin, um den neuen Fiat 500 zu entwerfen. Erschwerend kam hinzu, dass sich der italienische Autobauer sich in einer finanziellen Schieflage befand. Der knuffige Kleinwagen sollte die Firma retten und dringend benötigtes Geld in die Kassen spülen. Ein Scheitern hätte fatale Auswirkungen gehabt. „Der Weg, ein ikonisches Design zum Leben zu erwecken, besteht darin, dass man den Charakter des Originals beibehält und die Technologie der Zukunft nutzt. Oder anders gesagt, einfach das Original so designen, dass man es fast nicht bauen kann“, erklärt Frank Stephenson seinen Ansatz und fügt lächelnd hinzu: „Wenn man mit neuen Ideen um die Ecke kommt und den Ingenieuren das Leben schwer machen, ist man auf dem richtigen Weg. Es ist die Aufgabe des Designers, die Technologie auf eine attraktive Art und Weise zu verpacken.“
Dass auch der neue Fiat 500, der passend zum 50 Jubiläum des Kleinwagens 2007 mit einer gigantischen Show in Turin präsentiert wurde, mit großen freundlichen Augen das Kindchen-Schema erfüllt, gehört zum Konzept des Autos. „Das löst einen den will ich Haben-Effekt aus“, sagt Stephenson. Schaut man sich die Linienführung an, sieht man, dass beim neuen Fiat 500 kaum eine Linie gerade ist. Beim Fiat 500 sind diese Maxime umgesetzt, und der Kleinwagen erfüllte sowohl optisch als auch finanziell bei den Verkaufszahlen die in ihn gesetzten Erwartungen. Wie zeitlos Stephensons Neuauflage des Fiat 500 ist, sieht man an der Tatsache, dass die Italiener bislang an der Grundversion des Cinquecento keine großartigen Änderungen vorgenommen haben.
Autor:Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2021-05-15 09:14:00
Fotos: press-inform / Fiat










