
Blick in die Zukunft
Peter Pfeiffer führte das Mercedes-Design in eine neue Richtung und scheute sich dabei nicht, alte Zöpfe abzuschneiden. Selbst wenn es um Kreationen handelte, an denen er selbst mitgewirkt hatte.
Als Peter Pfeiffer 2008 sich in den Ruhestand verabschiedete, war der damalige Mercedes Technik-Chef voll des Lobes. „Mit der Realisierung der aktuellen Mercedes-Formensprache gab Peter Pfeiffer nicht nur unseren Automobilen ein zukunftsweisendes Erscheinungsbild, er prägte damit zugleich auch ein neues Bild der Marke Mercedes-Benz“, sprach Thomas Weber. Auch wenn solche Sätze beim Abschied eines hochrangigen Mitarbeiters nichts Unübliches sind, sagt dieser einiges über den Designer aus. Für Pfeiffer war der Blick in die Zukunft immer Teil seiner Arbeitsauffassung.
Schließlich war er es, der bei Mercedes neue Techniken wie das Computer Aided Design (CAD) salonfähig gemacht hat. Angesichts der damals eher traditionellen Arbeitsauffassung beim schwäbischen Autobauer war diese überfällige Modernisierung sicher kein Selbstläufer. Doch Peter Pfeiffer setzte sich mit der ihm eigenen Beharrlichkeit durch und modernisierte die Formgebung in Sindelfingen. Seine Maxime waren Pünktlichkeit und mehr Sein als Schein. Dagegen war das Laisser-faire nicht sein Ding.

Diese fast schon preußische Arbeitsethik hat sich Pfeiffer schon früh aneignen müssen. Geboren in Dallwitz (dem heutigen Dalovice in Tschechien), musste er seine Heimat in den Nachkriegswirren verlassen und wächst im fränkischen Ort Schönbrunn in der Nähe von Staffelstein auf. Die Karriere ist die Übliche der damaligen Zeit: Nach der Volksschule muss der Junge erst mal Geld verdienen und beginnt eine Ausbildung zum Porzellanmodelleur. Nach dem erfolgreichen Abschluss folgt der nächste Schritt und Pfeiffer besucht eine Fachschule für Porzellan in Selb.
Letzter Jobwechsel
Bei einer Studienfahrt nach Köln trifft er auf den damaligen Ford-Designchef Wesely P. Dahlberg, aus dessen Feder der berühmte Ford Taunus P3 stammte, und war von dessen Ideen und den Autos begeistert. Kurzumwunden bittet er kühn um ein Praktikumsplatz. Doch so einfach geht das nicht. Um seine Eignung zu beweisen, muss der ambitionierte Student einen Kotflügel modellieren. Das Ergebnis sagt Dahlberg zu, Pfeiffer bekommt die begehrte Stelle und zieht – sehr zum Missfallen seines Vaters – nach Köln. Dort bleibt er fünf Jahre, doch ein Arbeitskollege, der das Talent Pfeiffers erkennt, will ihn zu seiner neuen Arbeitgeber Mercedes in die Stilistikabteilung lotsen. So schnell gibt sich Pfeiffer dem Werben nicht nach, erst nach einem Jahr schlägt er ein und zieht 1967 nach Stuttgart.
Das sollte sein letzter Jobwechsel sein. Sein Gönner Josef Gallitzendörfer macht Pfeiffer zu seinem engsten Mitarbeiter und fördert seinen Aufstieg. Auch der damalige Designchef Bruno Sacco ist von dem Können des bescheiden auftretenden Kollegen, der mehr durch Leistung denn durch große Worte auffiel, begeistert. Schon unter Saccos Ägide wirkt Peter Pfeiffer an dessen wichtigen Kreationen wie der S-Klasse W 220 oder dem epochalen Roadster SL R 129 mit und wird im Jahr 1999 zum Leiter des Designs befördert.
Pfeiffer blieb sich selbst treu
Pfeiffer verstand Gottlieb Daimlers Wahlspruch „Das Beste oder Nichts“ lange bevor er zum Werbeslogan wurde, als Auftrag. Dementsprechend lautete sein Motto: „Wenn ein Kunde vor einem Mercedes-Benz steht, soll er denken: Den will ich haben.“ Und um dieses Ziel zu erreichen, scheute er sich nicht, mit dem Design-Traditionen zu brechen: Dem kantigen Roadster SL folgte mit der Baureihe R230 eine rundere Silhouette samt damals modernen Klappdach. „Gutes Automobildesign ist zwangsläufig zu einem bedeutenden Faktor – und heutzutage vielleicht zu dem bedeutenden Faktor – für den Erfolg einer Automobilmarke geworden. Denn Design gibt den Fahrzeugen ein Gesicht, verleiht ihnen Charakter und macht sie unverwechselbar“, fasste Peter Pfeiffer sein Wirken zusammen. Das Vier-Augen-Gesicht des SL prägte eine Generation von Mercedes-Modellen.
Doch Pfeiffer blieb auch im Augenblick des Erfolgs sich selbst treu, blickte nach vorne und war bereit, Zöpfe abzuschneiden, auch wenn es seine Eigenen waren. Den Mut, neue Wege zu gehen, bescherte Mercedes Fahrzeuge wie den CLS, ein viertüriges Luxus-Coupé, das bei den Kunden gut ankam. Nicht immer war Pfeiffers Mut von durchschlagendem Erfolg gekrönt: Der Luxus-Van R-Klasse war ein Kind der Zeit, ebenso wie die Weiterentwicklung der A-Klasse, die als Baureihe 169 formell die Tradition des Elchtests-Vorgängers weiterführte.
Mit Fahrzeugen wie der neuen Mercedes C-Klasse, der Baureihe 204 und dem Crossover GLK (X 204) lenkte er das Mercedes-Design noch in neue moderne Bahnen, ehe er sich 2008 vom Mercedes-Design zurückzog. Ganz wollte er seine Passion aber auch als Rentner nicht aufgeben und gründete bereits ein Jahr später die „Pfeiffer Design Group“, aus deren Geschäftsführung er sich 2012 zurückzog. Aktuell ist Peter Pfeiffer Präsident des Rats für Formgebung. Schaut man auf dessen Homepage, findet sich ein Satz, der gut und gerne aus Pfeiffers Feder stammen könnte: „Design ist Orientierung. Design ist Differenzierung. Design macht Marken stark – und Unternehmen erfolgreich“.
Autor:Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2021-04-27 10:44:00
Fotos: press-inform / Mercedes









