
Fest in deutscher Hand!
Die Wertstabilität spielt beim Neuwagenkauf eine wichtige Rolle. Zumal der Hype um Elektroautos die Branche heftig durcheinanderwirbelt. Laut den Analysten von Bähr & Fess Forecasts sind die Produkte deutscher Autobauer auch in vier Jahren noch wertstabil.
Wie viel ist mein Neuwagen in vier Jahren noch wert? Diese Frage treibt vor allem die Käufer von Fahrzeugen mit Verbrennern um. Die Analysten von Bähr & Fess Forecasts beschäftigen sich schon seit gut einem Jahrzehnt mit dieser Frage und wagen auch dieses Jahr wieder einen Blick in die automobile Glaskugel, sagen voraus, wie groß der Wertverlust der einzelnen Fahrzeuge sein wird und ermitteln so die Restwertriesen der Händlerverkaufswerte. Die Vorhersagen der Experten haben nichts mit Würfeln oder Kaffeesatzleserei zu tun, vielmehr liegt den Prognosen ein selbstentwickeltes Rechenmodell zugrunde, das makroökonomische Faktoren ebenso miteinbezieht wie Entwicklungen im Fahrzeugsegment sowie deren historisches Potenzial, Modellwechselzyklen in der Vergangenheit und in der Zukunft, spezifische Merkmale von Marke, Modell und Typ, subjektive Faktoren (Presseberichte, Testergebnisse, Crashtests) und die Einbeziehung zukünftiger Trends und Entwicklungen.
Bevor wir uns den Top drei aus jedem Segment widmen, küren wir den Restwert-Champ. Wie viele schon richtig vermuten, kommt der aus Zuffenhausen, ist aber nicht der Porsche 911, sondern der Cayman 718. Der Mittelmotorsportler hat 2025 noch einen Restwert von 61,5 Prozent. Das einzige andere Auto, das beim Restwert die 60-Prozent-Marke knackt, ist der Porsche Macan mit 60 Prozent. Und der Elfer? Der Porsche 911 Carrera kommt auf 57,5 Prozent.
Ein Segment, das besonders im Fokus des Interesses steht, sind die reinrassigen Stromer. Schließlich ist die Batteriealterung in vier Jahren ein Thema, bei den BEVs, genauso wie der technologische Fortschritt bei den Energiespeichern, der sich negativ auf den Wiederverkaufswert auswirken könnte. Den ersten Platz mit einem Restwert von 52,5 Prozent teilen sich der Audi Q4 35 e-tron und das Tesla Model Y Maximale Reichweite, gefolgt vom Porsche Taycan mit 51,5 Prozent. Wer BEV sagt, muss auch PHEV sagen. Also schauen wir uns die Plug-in-Hybriden an, bei den sich das Mercedes GLC 300 e 4MATIC Coupé mit 55 Prozent Restwert durchsetzt, auf Platz 2 kommen der Mercedes GLA 250 e und der Audi Q5 50 TFSI e quattro S tronic mit jeweils 52 Prozent gemeinsam ins Ziel.
Deutsche Domäne
Jetzt sind die Vehikel, bei denen ein Verbrennungsmotor an Bord sein kann, dran. Auch hier sind die Top drei der Restwertriesen mehrheitlich in deutscher Hand. Doch bei den Kleinstwagen zeigt das Fiat-Abarth 500C 1.4 16V T-Jet Cabrio mit 53,5 Prozent dem Hyundai i10 1.0 die Rücklichter (50,5 Prozent). Das ist insofern bemerkenswert, dass das Abarth Cabrio kein günstiger Kleinwagen ist. Die Nummer drei ist mit dem VW Polo 1,0 l 59 kW (49,9 Prozent). Eine Klasse höher teilt sich ein Trio bestehend aus dem VW Polo 1,0 l 59 kW, dem Mini 3-Türer One First und dem Audi A1 Sportback 25 TFSI mit jeweils 58 Prozent Restwert den Siegerkranz, was für diese Fahrzeuggattung ein sehr guter Wert ist. Eine Überraschung gibt es im Kompaktwagen-Segment, die gerne auch als Golf-Klasse bezeichnet wird, da der Namensgeber nicht unter den ersten drei zu finden ist. Immerhin holt mit der Audi A3 Limousine 30 TFSI ein Golfbruder mit 58 Prozent Restwert den Sieg, zwei Prozent weniger ist das Mercedes CLA 180 Coupé in vier Jahren wert. Der Opel Astra 1.2 Turbo sichert sich mit 54 Prozent den dritten Platz.
Die Mittelklasse ist seit jeher eine Domäne der deutschen Premiummarken. Folgerichtig sichert sich der Mercedes C 180 mit 53,5 Prozent den Sieg, dahinter reihen sich der Audi A5 Sportback 35 TFSI (52 Prozent) und das BMW 420i Gran Coupé, das in vier Jahren genau die Hälfte des Neuwagenpreises wert ist, ein. Auch bei der Oberen Mittelklasse und der Oberklasse sind die deutschen Edelmarken unter sich, allerdings findet sich bei beiden Segmenten kein BMW unter den wertstabilsten Drei. In der Oberen Mittelklasse ist interessanterweise mit dem Mercedes CLS 220 d (50 Prozent) ein Fahrzeug mit Dieselmotor die Nummer eins. Knapp dahinter folgen die Audi-Brüder A7 Sportback 45 TFSI S tronic (49,5 Prozent) und der A6 45 TFSI S tronic (47 Prozent). In der Oberklasse schlägt dann mit einem Restwert von 50 Prozent die Stunde des Porsche Panamera, der die S-Klasse (S 350 d) um ein Prozent schlägt, auf dem dritten Platz landet die elektrische Version der S-Klasse (EQS 450+) mit 48 Prozent.
Wie schaut es bei den SUVs aus?
Bei den Coupés mit weniger als 300 PS dreht das Audi TT Coupé 40 TFSI S tronic mit 57,5 Prozent-Restwert eine Abschiedsrunde, dahinter etablieren sich mit dem BMW 220i Coupé (56,5 Prozent) und dem BMW 420i Coupé (53,5 Prozent) zwei technische Verwandte. Bei der Oben-Ohne-Fraktion mit weniger als 300 PS verweist das Mini One Cabrio mit 56,5 Prozent den Audi TT Roadster 40 TFSI S tronic (55 Prozent) und den BMW Z4 sDrive20i (52,5 Prozent) auf die Plätze. Bei den Sportwagen (Coupés und Cabrios mit mehr als 300 PS) setzt sich der bereits erwähnte Porsche 718 Cayman mit einem beeindruckenden Restwert von 61,5 Prozent vom Rest des Feldes ab. Wobei der Zweitplatzierte Porsche 911 Carrera mit 57,5 Prozent und das Mercedes C 43 4MATIC Coupé auf Rang drei (53,5 Prozent) ebenfalls noch respektable Restwerte aufweisen.
Die SUVs boomen nach wie vor. Das wird auch in vier Jahren so bleiben, also präsentieren sich die Crossover recht stabil. Bei den kleinen SUVs liegen der unlängst eingeführte VW Taigo 1,0 l TSI OPF und der Audi Q2 30 TFSI mit einem guten Restwert von 59 Prozent gemeinsam auf dem ersten Platz. Der Seat Arona 1.0 TSI 70 kW komplettiert mit 57,5 Prozent-Restwert die Dominanz des Volkswagen-Konzerns in diesem Segment. Die setzt sich auch bei den mittelgroßen SUVs fort. Denn die ersten zwei Plätze gehen ebenfalls an Europas größten Autobauer: Die Nummer eins ist der Porsche Macan mit 60 Prozent, gefolgt vom Skoda Kodiaq 1,5 TSI und dem Mercedes GLA 180 mit jeweils 56,5 Prozent. Die Sternen-Marke hat bei den großen SUVs erwartungsgemäß die Nase vorne. Der Platz an der Sonne geht mit dem Mercedes G 350 d an einen Klassiker und einen echten Geländewagen, der 2025 noch 56 Prozent seines Neupreises wert sein wird. Auf Platz zwei rangiert der Mercedes GLE 300 d 4Matic. Das Porsche Cayenne E-Hybrid Coupé (50 Prozent) zeigt, dass auch in diesem Segment sich die Elektrifizierung eine Rolle spielt.
Bleiben zum Schluss noch die kompakten Vans, die zwar in der Käufergunst nicht mehr ganz so weit oben stehen wie einst, aber für Familien immer noch eine wichtige Alternative sind. Der Mercedes B 160 führt diese Rangliste mit einem Restwert von 52,4 Prozent an. Dahinter folgt der BMW 216i Gran Tourer mit 49,5 Prozent, ehe der Citroën Grand C4 SpaceTourer PureTech 130 mit 44,5 Prozent die Ehre der Van-Nation Frankreich rettet.
Autor:Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2021-12-31 07:58:20
Fotos: Porsche










