Reportage: Run auf Gebrauchte

Gebrauchtwagen sind gefragt. Nach Daten des Verkaufportals mobile.de suchen die Interessenten vor allem nach Dieselfahrzeugen. Dagegen bleiben Hybride und vollelektrische Stromer Ladenhüter.
Foto: press-inform / BMW
BMW 520d Touring (G31) (Foto: press-inform / BMW)

Runter vom Hof

Gebrauchtwagen sind gefragt. Nach Daten des Verkaufportals mobile.de suchen die Interessenten vor allem nach Dieselfahrzeugen. Dagegen bleiben Hybride und vollelektrische Stromer Ladenhüter.

Aktuell sind Zahlen ja ganz besonders gefragt. Und der Wert 98,4 gibt keine Inzidenz an, sondern markiert die Standzeit der Gebrauchtwagen, die das Kraftfahrt Bundesamt (KBA) im Mai für Gebrauchtwagen ermittelt hat. Damit finden die Fahrzeuge mit Vorbesitzer 4,5-mal schneller einen Käufer als das noch im Monat davor der Fall war. Besonders kurz warten Pkw der oberen Mittelklasse mit durchschnittlich 87,6 Tagen auf einen Käufer. Knapp eine Woche länger stehen Mittelklasse-Fahrzeuge auf dem Hof der Händler (94,6 Tage) und Kleinwagen (95,8 Tage).

Die Auswertungen des User-Verhaltens von mobile.de bestätigen diese Angaben. Vor allem Wagen der Mittelklasse (plus 14,7 Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt) sowie Sportwagen (plus 186 Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt) werden öfters angeschaut als der durchschnittliche Gebrauchtwagen. Ein Grund für diesen Run auf diese Autos ist vermutlich das wärmere Wetter. Ein anderer dürfte die Tatsache sein, dass viele Menschen aufgrund der Corona-Beschränkungen mehr Bargeld zur Verfügung haben. „Alle Daten zeigen in die gleiche Richtung: Der Gebrauchtwagenmarkt kommt immer besser in Schwung. Das Kaufinteresse der deutschen Konsumenten zieht weiter an“, sagt Martin Fräder, Head of Sales bei mobile.de.

Interessant ist dabei, welche Antriebsarten besonders gefragt sind. Wir haben dazu die Experten von mobile.de befragt, die die Klicks pro Inserat als Messgröße heranziehen. Gesucht sind vor allem die Dieselmodelle, die mit 532 Klicks (plus 19 Prozent im Vergleich zum Gesamtmarkt aller Gebrauchtwagen) hervorstechen. Ganz anders schaut es bei den reinen Stromern und Hybriden aus: Da ist das Interesse eher überschaubar, denn diese Fahrzeuge werden nur unterdurchschnittlich häufig angeklickt.

Gebrauchte E-Mobile werden jünger

Die Zurückhaltung der Käufer ist nachvollziehbar. Schließlich schreitet bei den Elektromobilen die Entwicklung schnell voran. Zudem altern Batterien eben auch und das Risiko, sich Autos mit gebrauchten Akkus, die zudem nicht State of the Art sind, in die Garage zu stellen, scheut so mancher. Dabei ist die Auswahl an gebrauchten und neuen Stromern so groß wie nie. Seit Mai 2020 ist das Angebot gebrauchter E-Autos auf mobile.de um 87,9 Prozent gestiegen, Neuwagen verzeichnen sogar einen Inseratszuwachs von 182,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Schaut man sich die die Altersstruktur der Angebote an, fällt auf, dass die gebrauchten Elektrofahrzeuge (inklusive der PHEV-Varianten) beim Verkauf im Schnitt 20 Monate alt sind. Das entspricht einem Minus von 15,3 Prozent zum Vorjahr. Diese Tendenz schlägt sich natürlich auch auf die Laufleistung der E-Mobile nieder, die um 19,5 Prozent gefallen ist und in absoluten Zahlen rund 13.500 Kilometer geringer sind als bisher.

Autor:

Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2021-07-05 19:38:00
Fotos: press-inform / BMW