Reportage: Zwischenlösung für die Wartezeit

Einst wurden Autos gekauft, später geleast oder gemietet und nunmehr kommen immer mehr Kunden auf den Geschmack an einem Auto-Abonnement. Wer gerade wegen der anhaltenden Chipkrise monatelang auf sein Auto warten muss, kann mit einem Abo die Wartezeit überbrücken. Und gerade bei den Elektroautos gibt es eine große Nachfrage.
Foto: press-inform / BMW / Mini / Bernhard Limberger
Vergleich BMW i3 gegen Mini Cooper SE (Foto: press-inform / BMW / Mini / Bernhard Limberger)

Auto-Abos immer beliebter

Einst wurden Autos gekauft, später geleast oder gemietet und nunmehr kommen immer mehr Kunden auf den Geschmack an einem Auto-Abonnement. Wer gerade wegen der anhaltenden Chipkrise monatelang auf sein Auto warten muss, kann mit einem Abo die Wartezeit überbrücken. Und gerade bei den Elektroautos gibt es eine große Nachfrage.

Für immer mehr Autofahrer ist das Abonnement eine echte Alternative zu einem Neuwagenleasing oder dem günstigen Gebrauchten. Auto-Abos lassen sich schnell und unkompliziert im Internet abschließen, die Nutzungszeit ist flexibel und bei den Kosten blickt jeder durch. Für einen monatlichen Festpreis erhalten Nutzer einen Neuwagen oder ein junges Gebrauchtfahrzeug inklusive Zulassung, Steuern, Versicherung und Wartung. Mitunter ist sogar der Reifenwechsel im Preis enthalten. Es fallen dann nur noch die Tank- bzw. Ladekosten an.

Wer derzeit einen Neuwagen bestellt, muss wegen des weltweiten Chipmangels mit langen Wartezeiten rechnen. Eine Möglichkeit der Überbrückung sind Auto-Abos an, das Kunden kurzfristig flexible Mobilität zu einem monatlichen Fixpreis bietet, weil es sich zumeist um Lagerfahrzeuge handelt, die direkt verfügbar sind. So verzeichnete die Meta-Suchmaschine Go Leasy im vierten Quartal vergangenen Jahres 56 Prozent mehr Seitenzugriffe auf eine temporäre Abo-Nutzung als im Quartal zuvor. Ein Portal wie Go Leasy bündelt das Angebot zahlreicher Auto-Abo-Plattformen auf einer Webseite. Das Angebot für Auto-Abos nimmt ebenfalls kontinuierlich zu, denn im gleichen Zeitraum stiegen die Angebote um 37 Prozent. „Wir können natürlich nicht genau sagen, wie viele Anfragen auf den Chipmangel zurückzuführen sind, aber wir beobachten, dass die Nachfrage für eine temporäre Abo-Nutzung sprunghaft zugenommen hat“, sagt Julian Melzig, Geschäftsführer von Go Leasy, „wer schnell einen Neuwagen möchte, sollte sich bei den Auto-Abos umsehen. Diese bieten auch die Möglichkeit, neue Technologien zum Beispiel mit alternativen Antrieben auszuprobieren, bevor ein Neuwagen bestellt wird.“ Das Center Automotive Research prognostiziert, dass die Anzahl der Auto-Abos in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf bis zu eine Million Verträge anwachsen wird.

Hyundai Ioniq 5 (Foto: Hyundai)
VW ID.3 Pro Performance (Foto: Vokswagen)
Hyundai Kona Electric 2022 (Foto: Hyundai)
Umstrittenes Design: der BMW i3 (Foto: press-inform / BMW)
BMW X3 MJ 2022 (Foto: press-inform / BMW)
Mini Cooper SE MJ 2021 (Foto: press-inform / Mini)
Hyundai Ioniq 5 2021 (Foto: Hyundai)
Opel Mokka-e (Foto: Stellantis)
Peugeot Rifter Elektro (Foto: Stellantis)

Ganz neu ist der Trend nicht, doch erst mit Verzögerung kommt das Abonnement bei den Autokunden auf Touren. Die Erwähnung von Abonnements in Gewinnmitschriften stieg bereits im Jahre 2020 um fast 75 Prozent im Vergleich zu 2019. „Eine wichtige Lektion des Jahres 2020, die mehrere Unternehmen auf die harte Tour gelernt haben, ist die Diversifizierung der Vertriebskanäle“, so Rinaldo Pereira, Analyst bei Global Data, „mehrere Autohersteller wie Audi und BMW haben in den letzten fünf Jahren den Abo-Vertrieb ausprobiert, waren aber nicht übermäßig erfolgreich. Dennoch gibt es immer noch eine große Chance für Automobilhersteller, wiederkehrende Umsätze über ein Abo-Modell zu generieren – zum Beispiel, um Kunden zu gewinnen, die auf Elektrofahrzeuge umsteigen wollen.“

Vive La Car

Gerade Interessenten eines Elektroautos ist das Risiko zu groß, ein solches käuflich zu erwerben, weil der Akkufortschritt die Gebrauchtwagenpreise in einigen Jahren kaum abschätzbar werden lässt und so mancher Kunden die moderne Mobilität nicht im Rahmen eines statischen Kaufes sieht. Die zunehmende Affinität der Verbraucher zu Elektroautos hat Abonnement-Unternehmen wie Facedrive dazu veranlasst, ihre Angebote an elektrifizierten Fahrzeugen auszubauen. Laut Global Data wird die Elektroauto-Produktion bis zum Jahre 2028 voraussichtlich 38 Prozent der weltweiten Light-Vehicle-Produktion erreichen und bis 2030 bei knapp über 23,5 Millionen Einheiten liegen. Kaum ein Hersteller, der sein Angebot an Elektrofahrzeugen in den kommenden Jahren nicht mächtig nach oben schraubt.Hersteller wie Tesla, General Motors oder Volkswagen wollen auch andere Abo-Dienste wie Konnektivität (Datentarife, Navigationskarten, Spiele, Musik und andere internetbasierte Dienste) in Verbindung mit selbstfahrenden Funktionen in ihren jeweiligen Elektromodellen anbieten. Dazu bietet der chinesische Tesla-Konkurrent als einer von weniger eine Batterie im Abopaket an. Bei Renault und dem Elektrokleinwagen Zoe hatte sich die Batterie-Abonnement in Europa dagegen nicht durchgesetzt. „Die Verbraucher wollen den Stress des Autokaufs vermeiden und gleichzeitig die Flexibilität haben, ein bestimmtes Budgetauto zu wählen“, erläutert Rinaldo Pereira, „Facedrive ist ein solches Unternehmen, das diesen Wandel vorantreibt – es stellt sich als das Netflix der Autoindustrie vor und setzt dabei auf Nachhaltigkeitstrends.“

Leichter als die Autohersteller selbst tun sich eigens gegründete Aboanbieter ohne Markenbindung. Vive La Car bietet neben einem etwas unglücklichen Namen ein besonders großes Angebot an Fahrzeugen aller Art zur Nutzung auf Zeit. „Der Endverbraucher sucht die Auswahl und möchte vergleichen,“ so Mathias R. Albert, CEO von Vive La Car, „ein Auto nutzen, ohne lange Bindung: Diesen entscheidenden Vorteil bietet das Auto-Abo von Vive La Car gegenüber langfristigen Verpflichtungen wie bei Barkauf, Finanzierung oder Leasing üblich.“ Ist ein hybrider Hyundai Santa Fe 4×4 oder ein BMW X30 30e mit einem Monatspreis von jeweils rund 1.000 Euro pro Monat recht teuer, gibt es das neue Elektromodell des Hyundai Ioniq 5 bereits für knapp 350 Euro. Dagegen muss der potenzielle Mieter für den auslaufenden Basis-BMW i3 mit knapp 530 Euro pro Monat tief in die Tasche greifen. Für den ein oder anderen eine gute Alternative zur Überbrückung oder vielleicht noch mehr.

Autor:

Patrick Solberg, Stand: 2022-02-13 07:53:03
Fotos: press-inform / BMW / Mini / Bernhard Limberger