Caravan Salon 2025

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VonStefan Grundhoff

30. August 2025

Über Stock und Stein ins Wochenendglück

Der Düsseldorfer Caravan Salon feiert sich als die größte Campingmesse weltweit. Dabei setzen sich die Trends der letzten Jahre bei der 64. Auflage fort. Immer mehr Camper machen sich bereit fürs Gelände und im Innern darf es gerne etwas edler sein – und nachhaltiger denn je.

Die Campingbranche erlebt nicht erst im Nachgang der Covid-Pandemie einen gewaltigen Boom. Auch wenn die Verkaufszahlen langsam etwas zurückgehen und erste Ausbauhersteller über eine schwächelnde Nachfrage stöhnen, präsentiert sich die Branche nicht zu Unrecht zufrieden. Auf dem 64. Caravan Salon zeigen 800 Hersteller aus 40 Ländern ihre Neuheiten und führen damit weitgehend die Trends der vergangenen Jahre fort. Immer mehr Marken präsentieren in den 15 Messehallen Wohnmobile und Anhänger, mit denen man auch abseits der Campingplätze seine helle Freude haben kann. Offroad-Ausstattung, erhöhte Bodenfreiheit, Rammschutz und Zusatzscheinwerfer überführen den nicht enden wollenden Geländewagentrend der Pkw längst höchst erfolgreich in die Campingwelt. Dabei dürfte der Anteil derer, die mit dem 4×4-Camper ins echte Gelände gehen, gerade in Europa ähnlich klein sein, wie bei den Alltags-SUV am benachbarten Rheinufer. Doch die rustikal anmutenden Offroader heben sich von den weißen Schrankwänden auf Rädern bunt getüncht wohltuend ab und es ist immer gut zu wissen, dass man könnte, wenn man nur wollte. Das hat seinen Preis, denn ein echter Offroad-Camper kostet schnell mehr als 300.000 Euro und selbst die kleinen Pseudo-Kraxler sind unter 100.000 Euro kaum zu bekommen. Günstiger präsentieren sich auf der sommerlichen Leistungsschau nur rollende Tiny Houses oder die immer beliebter werdenden Dachzelte.

Eine solide Autarkie ist den Kunden bei Wohnwagen, Mobilen und Zelten wichtiger denn je. Abseits der überfüllten Campingplätze Wochenende oder Urlaub genießen; dafür gibt es im Düsseldorf noch bis zum kommenden Sonntag, 7. September, technische Innovationen wie neueste Akkutechnik oder Solarmodule zu sehen. „Für die internationale Caravaning-Industrie ist der Caravan Salon das unbestrittene Jahreshighlight“, sagt Bernd Löher, Präsident des Caravaning Industrie Verbandes, „die Messe ist nicht nur die größte Bühne für Produktneuheiten, sondern hat sich auch zur zentralen Plattform für den fachlichen Austausch innerhalb der Branche sowie den Dialog mit Tourismus, Politik und anderen Wirtschaftsbereichen entwickelt.“ Zwischen Januar und Juli wurden in Deutschland knapp 66.000 neue Freizeitfahrzeuge zugelassen – ein Rückgang von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das rückläufige Gesamtergebnis bei den Neuzulassungen ist vor allem auf schwächere Gewerbezulassungen zurückzuführen. Entgegen der rückläufigen Entwicklung im gewerblichen Bereich zeigt sich die private Nachfrage im Reisemobilsegment im bisherigen Jahresverlauf stabil auf hohem Niveau. Von insgesamt 51.827 neu zugelassenen Reisemobilen in diesem Jahr entfielen 32.760 Einheiten auf private Halter – ein Zuwachs von rund 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ähnlich stabil sieht es auf dem Markt der Gebrauchtfahrzeuge aus. Bis Ende Juli wurden bei Caravans 52.273 Besitzumschreibungen registriert – ein Zuwachs von rund 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Segment der Reisemobile wechselten 68.823 Fahrzeuge den Besitzer, was einem Anstieg von 4,7 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht.

Vom großen Trend zur Elektromobilität ist auf dem Caravan Salon wenig zu sehen. An einzelnen Ständen gibt es Plug-in-Hybriden wie zum Beispiel bei Ford oder Volkswagen zu sehen; doch mit reinen Elektromodellen sieht es abgesehen von ersten Versuchen mit einem VW ID Buzz oder einem Exot wie dem Ford F-150 Lightning eher schwierig aus. Der steigende Drang zur Unabhängigkeit und tagelangem Entspannen abseits der Zivilisation lässt sich mit einem Elektromodell aktuell kaum umsetzen. Die Campingfans setzen eher auf bekannte Dieseltechnik und freuen sich über edle Hölzer und LED-Zierrat im Innern, ausfahrbare Wohnmodule oder bekannte Hauptdarsteller wie Fiat Ducato, Mercedes Marco Polo, 30 Jahre Sprinter oder VW T7 California. Der ein oder andere sieht sich derweil im neuen Ford Transit Nugget mit Hochdach oder einem VW Grand California bereits im nächsten Sonnenurlaub. Wenn elektrisch, dann sind es eher die kleinen automobilen Beiboote auf Hänger oder in der rollenden Garage wie bei Fiat Topolino oder Citroen Ami Buggy. Und wer es zumindest etwas geräumiger als bei den Mikromodellen mag, wird sich angesichts so mancher pfiffiger Einbaumodule wundern, wie variabel sich mittlerweile Kleinvans wie Citroen Jumpy, Peugeot Boxer oder Ford Tourneo Courier oder VW Caddy präsentieren – auf Wunsch sogar mit Stecker.

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