Premium-Anspruch ohne Premium-Preis
Die etablierten Premiummarken BMW, Mercedes und Audi haben ihre Preislisten in den vergangenen Jahren deutlich nach oben verschoben, sodass sich mancher Interessent an einem kompakten SUV mit gehobenem Markenanspruch inzwischen kaum noch wiederfindet. Genau in dieser Lücke hat sich Cupra positioniert: die betont junge Submarke des spanischen Volkswagen-Konzernablegers Seat verbindet einen eigenständigen, sportlichen Auftritt mit bekannter Konzerntechnik und einem Preisniveau, das für deutlich mehr Kundschaft erreichbar bleibt.
Der Cupra Formentor ist dabei das Aushängeschild der Marke und, anders als die meisten übrigen Modelle im Portfolio, ohne direkten technischen Zwilling bei Seat selbst. Als kompaktes SUV-Coupé mit 4,45 Metern Länge bewegt sich der Formentor technisch zwischen dem Audi Q3 und dem VW Tiguan, äußerlich sorgen ausgestellte Radhäuser, eine markant gezeichnete Front mit LED-Tagfahrlicht und ein dynamisch abfallendes Heck für den gewünschten Auftritt. Eine gesonderte Sportversion braucht es dabei nicht, da sich die gesamte Cupra-Palette ohnehin als Topmodell des jeweiligen Segments versteht.

Plug-in-Hybrid als Firmenwagen-Favorit
Besonders für Dienstwagenfahrer ist die Plug-in-Hybrid-Version des Formentor interessant, da sie einen Großteil der alltäglichen Fahrstrecken rein elektrisch zurücklegen kann. Die elektrische Reichweite des Kompakt-SUV liegt laut Norm bei mehr als 100 Kilometern. Angetrieben wird der Formentor e-Hybrid von einem 1,5 Liter kleinen Vierzylinder-Benziner aus der bekannten Volkswagen-Antriebsfamilie, der wahlweise mit 150 oder 177 PS ausgelegt ist und von einem 85 kW beziehungsweise 116 PS starken Elektromotor unterstützt wird.
Die Basisvariante mit einer Systemleistung von 150 kW beziehungsweise 204 PS ist für die meisten Nutzungsprofile völlig ausreichend. Wer jedoch das sportliche Auftreten des Formentor mit einer entsprechenden Kraftreserve untermauern möchte, greift zur stärkeren Hybridvariante. Die aktuelle VZ-Version kostet mit 54.705 Euro nur 300 Euro mehr als die schwächere PHEV-Version mit dem hochwertigen Tribe-Ausstattungspaket, eine im Grunde einfache Entscheidung für alle, die ohnehin über den Griff zum Plug-in-Hybriden nachdenken. In der VZ-Version stehen 200 kW beziehungsweise 272 PS Systemleistung sowie ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern zur Verfügung.

Fahrleistung: Kraftvoll, aber mit einer spürbaren Schwäche
Der Antritt des Formentor e-Hybrid fällt entsprechend dynamisch aus, offenbart dabei aber recht schnell die größte konstruktive Schwäche des Fahrzeugs. Während der 85 kW starke Elektromotor den vergleichsweise kleinen Hubraum des Vierzylinders im unteren Drehzahlbereich noch gut kaschieren kann, macht sich beim beherzten Beschleunigen ein spürbares Ziehen in der Lenkung bemerkbar. Der Grund dafür ist einfach: Der Formentor wird als Hybridversion ausschließlich über die Vorderachse angetrieben, und die kombinierten 200 kW beziehungsweise 400 Newtonmeter sind für eine einzelne Achse als alleinige Antriebsquelle mitunter reichlich bemessen, insbesondere bei nasser Fahrbahn.
Warum der Volkswagen-Konzern, der über Jahrzehnte für seine Antriebstechnik bekannt war, seinen Plug-in-Hybrid-Modellen konsequent den Allradantrieb vorenthält, bleibt dabei unklar. Auch Schwestermodelle auf derselben Plattform wie der VW Tiguan, der VW Tayron oder der Audi Q3 verfügen in ihrer jeweiligen Plug-in-Version ausschließlich über Frontantrieb. Die reinen Fahrleistungen können sich dennoch sehen lassen: Aus dem Stand beschleunigt der Formentor e-Hybrid in 7,2 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Für 272 PS ist das zwar nicht opulent, dürfte für die meisten Kundinnen und Kunden in diesem Segment aber vollkommen ausreichend sein.

Alltagsnutzen: Wo der Plug-in-Hybrid wirklich punktet
Deutlich mehr als die reine Fahrleistung dürfte die meisten Interessenten der praktische Alltagsnutzen interessieren, und hier kann die knapp 26 kWh große Batterie, von der rund 19,7 kWh nutzbar sind, tatsächlich überzeugen. Sie übernimmt im Alltag einen Großteil der eigentlichen Antriebsenergie. Die dadurch bedingte, spürbare Verkleinerung des Kofferraumvolumens von 450 auf weniger als 350 Liter gewöhnt man sich in der Praxis allerdings schneller ab, als es die reinen Zahlen zunächst vermuten lassen, zumal sich der Laderaum durch das ganze oder teilweise Umlegen der Rückbank bei Bedarf problemlos erweitern lässt.
Geladen wird entweder bequem an der heimischen Wallbox oder an einer Schnellladesäule mit bis zu 50 kW Ladeleistung, was den Akku in rund 26 Minuten wieder auf ein nutzbares Niveau bringt. Vollgeladen erreicht der Formentor e-Hybrid je nach Fahrprofil und Anteil an Innenstadtfahrten eine Normreichweite zwischen 100 und 140 Kilometern. Selbst bei zügigerer Fahrweise lassen sich noch gut 80 Kilometer und mehr rein elektrisch zurücklegen, was den kommerziellen Erfolg von Plug-in-Hybriden erklärt, der eben nicht nur an länderspezifischen Förderungen hängt. Über das griffige Lenkrad kann der Fahrer zwischen den einzelnen Fahrprogrammen wechseln, den größten Einfluss auf den tatsächlichen Verbrauch hat am Ende jedoch das eigene Gasfußverhalten.

Fahrwerk: Straff statt komfortabel
Das Gesamtpaket des mit über 1,7 Tonnen recht schweren Cupra Formentor e-Hybrid wirkt insgesamt straff abgestimmt, was nicht zuletzt an den ab 19 Zoll großzügig dimensionierten Rädern liegt. Ein zu weich abgestimmtes Fahrwerk würde ohnehin kaum zu einem derart dynamisch positionierten Crossover passen. Unangenehm wird es lediglich bei stark beschädigter Fahrbahn und harten Querfugen, ansonsten filtern Dämpfer und Federn störende Einflüsse zuverlässig heraus. Die Lenkung selbst ist angenehm direkt ausgelegt, störend wirken sich einzig die bereits beschriebenen Antriebskräfte aus, die sich nur mit einem behutsamen Gasfuß wirklich beherrschen lassen.

Innenraum: Ansprechendes Design mit Kompromissen im Fond
Das gelungene äußere Design des Formentor setzt sich auch im Innenraum fort. Die gut konturierten Sportsitze sind bequem und eignen sich gerade auf längeren Strecken für Personen nahezu jeder Statur, auch wenn sich die Verstellmöglichkeiten großzügiger gestalten ließen. Vorne fällt das Platzangebot gut aus, im Fond sollte man in dieser Fahrzeugklasse hingegen keine Wunder erwarten. Zwei Erwachsene ohne Übergröße finden ausreichend Platz, für eine dritte Person in der zweiten Reihe eignet sich der Formentor selbst auf kurzen Strecken kaum.
Positiv hervorzuheben ist der große Zentralbildschirm, der Navigation, Sicherheits- und Komfortfunktionen übersichtlich steuert. Das Digitaldisplay hinter dem Lenkrad wirkt dagegen je nach gewählter Darstellung recht unübersichtlich, hier zeigen andere Modelle im Konzern bereits eine klarere Lösung.

Bedienung und Assistenzsysteme im Alltag
Über das griffige, leicht abgeflachte Lenkrad lassen sich neben den Fahrprogrammen auch verschiedene Assistenzfunktionen anwählen, ohne dass man dafür den Blick von der Straße nehmen müsste. In Kombination mit dem großen Zentralbildschirm ergibt sich so ein insgesamt stimmiges Bedienkonzept, das sich nach kurzer Eingewöhnung intuitiv erschließt. Etwas mehr Übersichtlichkeit würde sich dagegen für das digitale Kombiinstrument wünschen lassen, dessen Darstellung je nach gewähltem Modus zeitweise recht viele Informationen gleichzeitig anzeigt.

Warum sich der Plug-in-Hybrid für viele Nutzungsprofile eignet
Gerade für Vielfahrer mit überschaubarem täglichem Pendelweg dürfte sich der Formentor e-Hybrid als besonders praxistauglich erweisen. Wer über eine eigene Lademöglichkeit verfügt und die tägliche Strecke überwiegend im Bereich von 80 bis 100 Kilometern zurücklegt, kann einen Großteil der Fahrten rein elektrisch bestreiten und dabei gleichzeitig von der Reichweitensicherheit des Verbrennungsmotors profitieren, sobald es doch einmal auf eine längere Strecke geht. Für Nutzer ohne verlässliche Lademöglichkeit relativiert sich dieser Vorteil naturgemäß, da der Formentor e-Hybrid ohne regelmäßiges Nachladen sein eigentliches Potenzial nicht ausspielen kann.

Preis des Cupra Formentor e-Hybrid
Die getestete VZ-Version des Cupra Formentor e-Hybrid kostet 54.705 Euro und positioniert sich damit deutlich unterhalb vergleichbar leistungsstarker Modelle der etablierten Premiummarken. Die schwächere PHEV-Version mit dem Tribe-Ausstattungspaket ist mit rund 54.405 Euro nur unwesentlich günstiger, sodass sich der Griff zur leistungsstärkeren VZ-Version für die meisten Interessenten anbietet, die ohnehin bereits für den Plug-in-Hybriden budgetiert haben.
Technische Daten: Cupra Formentor e-Hybrid
- Motor: Benziner mit Elektromotor
- Hubraum: 1.498 ccm
- Leistung: 200 kW / 272 PS
- Max. Drehmoment: 400 Nm
- Beschleunigung 0–100 km/h: 7,2 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
- Getriebe: sechsstufige Doppelkupplung
- Antrieb: Front
- Leergewicht: 1.742 kg / 533 kg Zuladung
- Normverbrauch: 1,6 Liter / 13,6 kWh / 100 km / 36 g CO2
- Batteriegröße: 25,8 kWh / 19,7 kWh nutzbar
- Elektrische Reichweite: 117 km
- Preis: 54.705 Euro







