Brabus Bodo

Düstere Vaterfreuden

Brabus-Firmengründer Bodo Buschmann träumte seit Jahrzehnten von einem eigenen Supersportwagen abseits aller Normen. Sein Sohn Constantin setzte das Projekt auf Basis des Aston Martin Vanquish nach jahrelanger Detailarbeit nunmehr um. Eine extravagante Ausfahrt zwischen Ruhrgebietshistorie und V12-Power in einer Fahrzeugklasse, die es bald wohl nicht mehr geben wird.

Lange konnten die Brabus-Verantwortlichen das Projekt Bodo in den Räumen der Bottroper Firmenzentrale weitgehend geheim halten. Ein 5,06 Meter langer Supersportler im eng geschnittenen Karbondress fasziniert seit einigen Wochen mit einem Design, das nicht allein Markenfans träumen lässt. Die Premiere in diesem Frühjahr am Comer See: Brabus Bodo, 1.000 PS stark, Typ Luxuscoupé und über eine Million Euro teuer – mindestens. Die Limitierung auf 77 Fahrzeuge macht das Luxuscoupé für Sammler noch interessanter als seine eleganten Linienführungen selbst. Keine Elektroschub, kein Hybridantrieb und für viele überraschend: keine Plattform von Mercedes, die den meisten Brabus-Modellen seit fast fünf Jahrzehnten eine höchst wohlige technische Heimat gegeben hatten. Der nur 1,31 Meter hohe Brabus Bodo basiert stattdessen auf einem Aston Martin Vanquish und bekommt eine eigene Karosserie nebst Edel-Interieur des Bottroper Exklusivschneiders. Wer noch einen Bodo will, sollte sich beeilen, denn mehr als Hälfte der Fahrzeuge ist bereits verkauft. Wer mit dem Bodo eine Runde drehen konnte, weiß schnell warum. 

Von seinem britischen Plattformgeber ist bei dem düsteren Sportcoupé mit endlos langer Haube und noch lasziverer Hecklinie nichts zu erkennen. Ein Auto flach und edel – nichts für den dezenten Auftritt. Dabei tönt der 5,2 Liter große V12 im Teillastbetrieb überraschend zurückhaltend, als es aus der Stadt heraus auf die Landstraße geht. Die schwarzen Lederstühle sitzen gut, wobei die elektrische Verstellung nach Aston-Manier an den Flanken der Mittelkonsole wahrhaft besser sein könnte. Derweil präsentiert sich der Innenraum geradezu opulent mit Nubuk beledert, mit Farbe sowie Naht nach Kundenwunsch und sehr viel Karbon. Stilistischen Extravaganzen sind kaum Grenzen gesetzt und drücken den Basispreis von einer Million Euro ganz nach Wunsch aufwärts. 

Doch das edle Interieur, das griffige Exklusivleder und die eingestickte Unterschrift des väterlichen Ideengebers in den Türtafeln sind nur der Rahmen für eine beeindruckende Inszenierung, mit der der Bodo seine Insassen in seinen Mann zieht. Mit stoischer Ruhe und jederzeit bereit zum Sprung, grollt unter der Karbonhaube der britische Dutzendzylinder, der Dank Bottroper Kraftkur und entsprechender Aufladung von 835 auf stattliche 1000 PS erstarkte – und im Realbetrieb noch wichtiger – gigantische 1.200 Nm mobilisiert. Man braucht nicht auf Geschwindigkeiten bis zu den in Aussicht gestellten 360 km/h beschleunigen, um diese düstere Edelflunder genießen zu können. Zu lasziv und lässig schiebt der Deutsch-Brite auf der Landstraße an und zieht dabei wenig überraschend die Blicke der Umgebung auf sich. Der Auspuffsound hält sich selbst in höheren Drehzahlen so zurück, wie man es von einem Luxuscoupé erwarten würde, das derzeit kaum einen echten Konkurrenten bei den Premiummarken kennt. Mercedes hat such von seinem S-Klasse Coupé nach der Generation C217 verabschiedet, die Bentley-Kunden vermissen im unzweifelhaft elitären Continental GT lautstark und belächeln den Hybriden, Ferrari macht seinen Kunden derzeit auch mit seinen Verbrenner-Coupés kaum froh und so gibt es nicht viel mehr als das Aston-Martin-Doppelpack aus DB12 und Vanquish, auf dem der Brabus Bodo basiert. 

Technisch fraglos nicht auf dem neuesten Stand, denn in Sachen Antrieb, Fahrerassistenz und Gesamtkonzept fahren die Aston-Modelle und somit auch der Bodo spürbar hinter der Kammlinie. Doch macht nicht gerade das ein Teil des Reizes aus? Der exklusive Millionen-Zweitürer dürfte eine Zierde für jede noch so exklusive Sammlung sein und hier auch deutlich teurere Modelle übertreffen. Im zumeist wohl sonnendurchfluteten Alltag dürften der in dieser Leistungsklasse schmerzhaft vermisste Allradantrieb, eine Vierrad-Lenkung oder ein aktiverer Wankausgleich kaum nennenswert fehlen. Und wenn Bodo aus den lang gezogenen Langstraßenkurven beschleunigt und der Schub keine irdischen Grenzen zu kennen scheint, dann sieht der Fahrer versonnen über ein spürbares Turboloch hinweg, ehe der Schub über die Achtgangautomatik an der Hinterachse ankommt und ungeahnte Kräfte auf den Körper einwirken. 

Dass der Lenkung die gestochene Schärfe eines echten Sportboliden fehlt, dürften die meisten Kunden mit einem geneigten Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, denn trotz aller Leistungsexplosionen bleibt bei der Buschmann-Traumwagen zweier Generationen ein Luxuscruiser, der niemals Raser sein will, sondern sein Potenzial hinter dem düsteren Gewand für jene zur Schau trägt, die wissen, wen sie vor sich haben, wenn sie auf das sexy Karbonkleid und die 21 Zoll großen Monoblock-Felgen blicken, die selbst auf unebener Fahrbahn mehr Restkomfort bieten, als man es vermutet hätte. Doch will man diesen Bodo wirklich mit den normalen Vorgaben messen oder einfach genießen, dass es endlich wieder einmal einen echten Traumwagen gibt?

Technische Daten: Brabus Bodo

  • Motor: V12 mit doppelter Turboaufladung
  • Hubraum: 5.204 ccm
  • Leistung: 735 kW 1.000 PS
  • Max. Drehmoment: 1.200 Nm bei 2.900 bis 5.000 U/min
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,0 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 360 km/h
  • Antrieb: Hinterrad
  • Getriebe: Achtgang-Automatik
  • Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 13,7 / 312 g CO2
  • Gewicht: ca. 1.800 kg
Add a Comment

Kommentar verfassen