Reportage: Opel Grandland Electric Long Range

Im Opel Grandland Electric Long Range von Eisenach bis zur Zugspitze: Was die 714 Kilometer über reale Reichweite verraten. Eine Reportage.

Von der Werkbank in Eisenach bis zum Gletschersee

Der Opel Grandland Electric Long Range ist das batterieelektrische Topmodell des Kompakt-SUV aus Eisenach und tritt mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 694 Kilometern an. Das Kernversprechen: Wer sein Elektroauto so nutzt, wie man es mit einem Verbrenner-Reisewagen auch täte, soll trotzdem in die Nähe dieser Zahl kommen. Ob das gelingt, wurde auf einer rund 700 Kilometer langen Strecke ohne Ladestopp getestet.

Wer bei Elektroautos schon einmal enttäuscht auf die schrumpfende Reichweitenanzeige gestarrt hat, kennt das ungute Gefühl: Der Prospektwert und die Realität liegen oft weiter auseinander, als es der Hersteller gerne hätte. Beim Grandland Electric Long Range sollte genau das auf die Probe gestellt werden. Auf einer Strecke vom Opel-Werk in Eisenach bis zum Fuß der Zugspitze.

Ausgangslage: Volle Batterie, kein Hypermiling

Der Testwagen startet mit vollgeladenem Akku direkt am Produktionsstandort in Eisenach. Die Bedingungen waren bewusst alltagsnah gewählt: Zwei Personen sitzen im Fahrzeug, drei Taschen liegen im Kofferraum, die Klimaanlage läuft durchgehend, und auch Smartphones sowie weitere elektrische Verbraucher wurden während der Fahrt genutzt. Ein gezieltes Sparfahren zur Rekordjagd war ausdrücklich nicht das Ziel, stattdessen sollte eine gewöhnliche Langstreckenfahrt mit Familiengepäck simuliert werden. Der nächste Ladestopp war erst am Ziel in den Alpen eingeplant.

Streckenprofil: Von Thüringen über Böhmen bis nach Bayern

Die Route führte zunächst über Weimar und weiter zu einem Zwischenstopp bei Magdala, ehe es über das Hermsdorfer Kreuz weiter Richtung Süden ging. Im Thüringer Vogtland, nahe dem nach Volumen größten Stausee Deutschlands, dem Bleilochstausee, folgte ein kurvenreicher Streckenabschnitt. Danach ein Abstecher ins böhmische Marienbad, vorbei an der Walhalla oberhalb der Donau und weiter über Regensburg in Richtung München. Über den Starnberger See ging es schließlich weiter bis Garmisch-Partenkirchen und zum Zielpunkt am Eibsee unterhalb der Zugspitze.

Fahrverhalten und Rekuperation: souverän in den Kurven

Auf den kurvigen Passagen im Vogtland zeigte sich, wie sich die 231 PS des Grandland Electric Long Range im Alltag nutzen lassen: Mit auf die höchste Stufe gestellter Rekuperation gewinnt das Fahrzeug vor Kurvenscheitelpunkten spürbar Energie zurück. Diese Rückgewinnung funktioniert so unmittelbar, dass sich der eigene Fahrstil rasch anpasst: früher vom Gaspedal gehen, das Fahrzeug rollen lassen und die vorhandene Geschwindigkeit gezielt mitnehmen.

Verbrauch und Reichweite: deutliche Unterschiede zwischen Landstraße und Stadt

Auf dem Weg nach Regensburg lag der Verbrauch laut Bordcomputer bei rund 16,1 kWh, während er im dichten Innenstadtverkehr von München auf unter 12 kWh sank. Interessant wird es im letzten Streckendrittel: Am Starnberger See lag die Reichweitenanzeige bereits unter 100 Kilometer, kurz vor Garmisch-Partenkirchen rutschte der Ladestand unter zehn Prozent.

Das Fahrzeug reagierte mit einer Warnmeldung und schlug fünf Ladesäulen in der Umgebung vor, die jedoch bewusst nicht angefahren wurden. Auf den letzten Kilometern bergauf sank der Akkustand weiter auf fünf Prozent, ehe der Grandland Electric Long Range den Zielpunkt am Eibsee erreichte.

Der Bordcomputer wies zu diesem Zeitpunkt eine Gesamtstrecke von 714 Kilometern seit der letzten vollständigen Ladung aus. Also rund 20 Kilometer mehr als der offizielle WLTP-Wert. Es geht also doch, ganz ohne Schleicherei.

Ratgeber: Fünf Tipps für mehr Reichweite

  • Vorausschauend fahren: früh vom Gaspedal gehen und das Ausrollen nutzen
  • Rekuperation: In der Stadt konsequent die Energie zurückgewinnen, über Land besonders bei Gefällstrecken
  • Geschwindigkeit im Blick behalten und wo möglich kürzere Strecken wählen, da hohe Tempi den Verbrauch spürbar erhöhen
  • Klimaanlage moderat statt auf voller Leistung betreiben
  • Unnötiges Zuladen von Gepäck vermeiden

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