Reportage: Cabrios unter 10.000 Euro

Einen günstigen Sonnenbrand gibt es nicht nur am Baggersee, dem lokalen Weiher oder in den Dünen. Für unter 10.000 Euro ist der Markt voller schnittiger Cabrios, die begeistern.
Foto: Viehmann
BMW M3 Cabrio (E30) (Foto: Viehmann)

Günstiges Sonnenbad

Einen günstigen Sonnenbrand gibt es nicht nur am Baggersee, dem lokalen Weiher oder in den Dünen. Für unter 10.000 Euro ist der Markt voller schnittiger Cabrios, die begeistern.

Jede Fahrt zum Kleinurlaub werden lassen hört sich klasse an. Doch die Wahrheit sieht auf überfüllten Straßen in der Innenstadt oder auf Autobahnen zumeist anders aus. Nicht nur im Sommer locken günstige Cabrios, die einem jede Wegstrecke verkürzen. Unter 5.000 Euro ist es ambitioniert, eine echte Versuchung zu erhaschen; unter 10.000 Euro gibt es jedoch ein breites Spektrum, das dem Sonnenvergnügen keinen allzu hohen finanziellen Riegel vorschiebt.

Der Klassiker in deutschen Landen ist seit den 80er Jahren das VW Golf Cabrio. Einst wegen seines Überrollbügels als Erdbeerkörbchen liebevoll verunglimpft, hat sich der Viersitzer erfolgreich bis in die Neuzeit gerettet. Auch wenn die Modelle nach 1993 kaum den Kultstatus der ersten Generation erreichten, ist das Golf Cabrio eine Allzweckwaffe für jedes Wetter und jeden Tag der Woche. Ein gut gepflegtes Modell der Serie I mit dem nahezu unverwüstlichen 98-PS-Triebwerk ist für 6.000 bis 9.000 Euro allemal zu bekommen. Besonders beliebt die edler Sondereditionen der Classic Linie mit Volllederausstattung, Sitzheizung, Fensterhebern und elektrischem Dach. Verarbeitung und Rostvorsorge sind vorbildlich und das solide 1,8-Liter-Triebwerk ist durch kaum etwas zu erschüttern, auch wenn viel mehr als Tempo 160 kaum drin ist. Die Persenning über dem geöffnetem Dach: damals wie heute ein Muss. Das Golf Cabrio der Generation III aus Anfang der 2000er Jahre ist dem kantigen Erstling in allen Belangen überlegen – technisch. Die Zweiliterversion mit 115 PS ist ein müder Krieger; aber allemal ausreichend motorisiert. Ledersitze und ein elektrisches Dach sollten auch hier ein absolutes Muss sein. Gute Exemplare mit Laufleistungen unter 150.000 Kilometer sind für unter 10.000 Euro kein Problem. Finger weg vom dem alten TDI der ersten Cabriogeneration. Lieber zu den Benzinern greifen.

Mercedes W124 Cabrio (Foto: Hersteller)
Peugeot 206cc (Foto: press-inform)
Peugeot 207 CC (Foto: Hersteller)
BMW M3 (E46) (Foto: Hersteller)
Mercedes W124 Cabrio (Foto: Hersteller)
Mercedes CLK Cabrio (Foto: press-inform)
Jaguar XJS Cabrio (Foto: press-inform)
BMW E36 Cabrio (Foto: press-inform)
Audi A4 Cabrio (Foto: press-inform)

Etwas mehr Chic und Eleganz fährt sich ebenfalls ab 6.000 Euro in die eigene Einfahrt. Als BMW die ersten Generation des Dreier Cabrios (E30) auflegte, hielt zumindest die europäische Automobilwelt kurz den Atem an. Man sollte keinen Gedanken daran verschwenden, sich ein Vierzylindermodell zu kaufen. Die 1986 eingeführten Sechszylinder 320i und 325i mit Leistungen bis 171 PS sind die deutlich bessere Wahl – wenn möglich als Handschalter. Das elektrische Dach gab es ebenso wie den Fahrerairbag erst Anfang der 90er Jahre. Kann man sich aber sparen, denn das windige Stoffdach ist neben der mäßigen Rostvorsorge das größte Problem des bügellosen Bayern. Auch hier gilt: mehr ist mehr. Bei der Ausstattung sollte es möglichst viel sein. Dagegen kann man auf Sportfahrwerk, elektrisches Dach oder verbastelte Modelle gut verzichten. Topmodelle sind unter 10.000 Euro nicht zu bekommen. Ordentliche Versionen wie ein handgeschaltetes BMW 325i Cabrio mit Ledersitzen ohne Rost sind für rund 10.000 Euro dagegen zu machen. Zunehmend begehrt: die Urmodelle bis 1990 mit Chromstoßstange.

Offener CLK

Für das gleiche Geld gibt es mittlerweile sowohl den Cabrionachfolger der Baureihe E36 als auch den offenen E46. Technisch führt auch hier an den soliden Reihensechszylindern kein Weg vorbei. Gerade vom E36 gibt es jedoch eine Vielzahl von verschandelten Tuningmodellen. Wer Glück hat, bekommt jedoch für unter 8.000 Euro auch hier eine solide Variante des auf 150 PS erstarkten BMW 320i Cabrio aus Mitte der 90er Jahre. Bestens: der offene 328i der Baureihe E36 und aktuell noch günstig zu bekommen. Weg will, gönnt sich ein schwarzes Luxusmodell vergangener Zeit mit Ledersitzen in dem Farbton Safran.

Nicht ganz so sportlich, aber technisch solide und souverän motorisiert ist man mit dem offenen Mercedes CLK unterwegs. Dessen teilelektrisches Stoffdach ist genauso gut gedämmt wie die Coupévariante. Die beste Wahl ist der offene CLK 320 der Baureihe W 208 mit 160 kW / 218 PS, Fünfgang-Automatik in der edlen Avangarde-Ausstattung nach der Modellpflege 2000. Ist für rund 7.000 Euro viel Auto fürs Geld. Wer mit weniger zufrieden ist, kann sich auch in die Vierzylindervarianten CLK 200 und CLK 230 mit 163 bzw. 193 PS vergucken. Schnell genug und sparsamer laufen diese ebenfalls locker über 220 km/h und der Verbrauch hält sich mit kaum über zehn Litern in Grenzen.

Frankreich-Urlaub

Der Vorgänger E 320 Cabrio der Baureihe W 124 hat den erfolgreichen Sprung zum Klassiker bereits hinter sich. Gute Modelle mit entsprechender Ausstattung und nachvollziehbarer Historie sind für unter 10.000 Euro jedoch nicht käuflich zu erstehen. Und: niemals einen Vierzylinder kaufen! Mercedes E 200 mit 136 und E 220 mit 150 PS haben gegen das rund 1,7 Tonnen schwere Cabrio-Urgestein keine Chance. Dann schon lieber das nach wie vor überaus elegante Audi A4 Cabrio mit überzeugender Verarbeitung mit zeitlosem Charme. Die beste Motorwahl ist der 163 PS starke 1.8 Turbomotor, der später auch als 190 PS starker Allradler verfügbar war. Weniger zu empfehlen: der ebenfalls 163 PS starke V6-Diesel, der schwer auf der Vorderachse des A4 Cabrio lag und mit kraftvollem Drehmoment geringe Verbräuche generierte. Für unter 10.000 Euro gibt es Luxus pur.

Wer es kleiner und französischer mag, der kann sich für unter 5.000 Euro schneller als ihm oder ihn lieb ist, in ein Peugeot 206cc vergucken. Das Klappdachmodell war Anfang der 2000er Jahre das erfolgreiche Cabriolet in Deutschland und Europa. Trotz seiner vier Sitzplätze ist er nur für zwei Personen inkl. Gepäck zu nutzen. Die älteren Diesel tun sich wegen der Schadstoffeinstufung jedoch schwer und so kommt man um den 109 PS starken 1,6-Liter-Benziner kaum herum, der für den offenen Klappdach-Franzosen allemal ausreicht und niedrige Unterhaltskosten garantiert. Besonders begehrt auch hier die Sondereditionen mit Ledersitzen und weiteren Komfortdetails. Beim Gebrauchtwagenkauf sollte jedoch besonders auf die Funktionsfähigkeit des Klappdachs geachtet werden. Wenn es hier hakt, wird es teuer. Für etwas mehr Geld gibt es den Nachfolger 207cc. Nicht ganz so knuffig, aber technisch ausgereifter. Ein bißchen jünger und eine Nummer größer fährt auf Wunsch für ebenfalls 4.000 bis 7.000 Euro der Peugeot 307cc vor. Klappdach und beheizte Ledersitze sind es ebenfalls; trotzdem konnte sich der große Bruder 307cc niemals gegen den kleinen 206cc durchsetzen.

Wer Mut und ein Herz für britische Großkatzen hat, wird für unter 10.000 Euro auch bei Jaguar fündig. Der offene XJS mit zwölf Zylindern und 5,3 Liter Hubraum ist mit seinen 275 PS allemal eine Schau. Doch Vorsicht! Reparaturen sind zahlreich und teuer – doch dafür gibt es eben einen coolen Jaguar mit echtem Brit-Charme. Etwas sicherer ist das der Nachfolger XK 8, der bis heute als eines der elegantesten Cabrios der letzten 30 Jahre gilt. Luxusausstattung ist immer serienmäßig an Bord und rund 280 Pferde sorgen für jede Menge Fahrspaß. Die beiden Rücksitze im Fond nehmen jedoch nur Gepäck auf und auch hier sollte eine Kennerhand entscheiden, ob es der Jaguar XK aus Ende der 90er Jahre in den eigenen Fuhrpark schafft. Die Verlockung ist groß und der Sommer lang.

Autor:

Stefan Grundhoff, Stand: 2014-06-03 17:50:00
Fotos: Viehmann